Yellowstone Highlights – von einem der schönsten Orte unserer Erde!

von | 12.Nov.2015 | 2 Kommentare

Ich verlasse früh morgens unsere Hütte und atme die kühle, frische Luft ein. Der Yellowstone National Park liegt in einer Hochebene und es kann empfindlich kalt werden. Ich will mir nur kurz die Beine vertreten und zucke zusammen, als ich nur ca. 30 Meter entfernt einen großen Bisonbullen stehen sehe! Er läuft völlig unbeeindruckt weiter, an den Cabins, parkenden Autos und den wenigen Menschen vorbei, die ihn entdeckt haben. So ein großes Tier, hier? Ein Bisonbulle kann bis zu 900 kg auf die Waage bringen.

Vier Jahre später sind wir in den Yellowstone zurückgekehrt, dieses Mal mit dem Wohnmobil. Und tatsächlich passiert es wieder, dass ich morgens aus dem Camper aussteige und nur ein paar Meter weiter sich ein Bison gemütlich gemacht hat – klar, dass ich schnell wieder im Wohnmobil bin!

Wir haben uns ein bisschen in den Yellowstone verliebt und deshalb kann ich dir hier von unseren Highlights aus zwei Reisen berichten, 2014 mit dem Mietwagen und fünf Übernachtungen in Cabins, 2018 mit dem Motorhome und acht Übernachtungen auf Campgrounds.
Bisonbulle im Hayden Valley, Yellowstone National Park
Bisonbulle beim Grasen
Icon_Road_256Unsere Begegnung mit dem Bison ist einfach schön und steht nicht nur für den Beginn eines wunderbaren Tages im Yellowstone Nationalpark, sondern auch für eine „Liebesbeziehung“, denn dieser Park hat es uns einfach angetan, zieht uns in seinen Bann wie kein anderer bisher.
For the Benefit and Enjoyment of the People
Inschrift auf dem Torbogen des Roosevelt Arch, Nordeingang zum Yellowstone Park.
Er hat so viel zu bieten, ist so vielfältig, lässt einen ehrfürchtig spüren, wie klein und unbedeutend man ist. Deshalb möchte ich hier von unseren Highlights im Yellowstone erzählen, die teilweise aus bekannten Sehenswürdigkeiten, aber auch aus besonderen Momenten und der Magie der Landschaft, der Tierwelt und der brodelnden Kraft des unterirdischen Vulkans bestehen.

Wo liegt der Yellowstone Nationalpark?

Der Yellowstone liegt zum Großteil im Nordwesten von Wyoming, USA. Kleinere Teile gehören zu den Bundesstaaten Idaho und Montana.

Ein großer Teil des Parks liegt über einem unterirdischen Supervulkan, weshalb es zu so vielen und mannigfaltigen geo- und hydrothermalen Besonderheiten kommt. Außerdem gibt es aufgrund der Höhenlage und Geographie mit umgebenden Bergen ein eigenes Mikroklima mit einem Schatz an reicher Flora und Fauna.

Heiße Quellen und die Geysirwelt um Old Faithful

South Entrance, Yellowstone National Park, USAMit vielen Yellowstone Highlights ausgestattet ist zweifellos das Gebiet der Geyser Basins um Old Faithful im Südwesten des Parks. Dieser Bereich des Yellowstone mit den meisten geothermalen Aktivitäten (aufgeteilt in Upper, Midway und Lower Geyser Basin, dazu noch Norris) gehört natürlich zum Pflichtprogramm jeder Yellowstone-Reise. Bei unserem ersten Besuch verbringen wir zwei Nächte in einer Cabin der Old Faithful Lodge, beim zweiten Besuch drei Nächte auf dem Madison Campground und eine weitere auf dem Norris Campground.

Der Old Faithful selbst ist der am zuverlässigsten zu vorhersagende der großen Geysire mit Ausbrüchen ca. alle 90 Minuten, was natürlich auch zu einer großen Menschentraube rund um den Geysir führt. Einfach wunderbar ist aber auch ein ausgedehnter Spaziergang durch das Upper Geyser Basin mit vielen Fotostopps, denn es warten noch eine Menge mehr Geysire auf den Besucher und dazu farbig leuchtende heiße Quellen. Für letztere ist es übrigens von Vorteil, wenn die Sonne scheint und man zur Mittagzeit fotografiert.

Der Crested Pool im Upper Geyser Basin, Yellowstone National Park
Der Crested Pool im Upper Geyser Basin
Bei der Wanderung durch das Geysirfeld trifft man übrigens auch gleich auch viel weniger Menschen als rund um Old Faithful. Bei unserem zweiten Besuch konnten wir den Ausbruch des Grand Geyser bewundern sowie den Morning Glory Pool bei Sonnenschein genießen, sehr beeindruckend!

Wenn man weiterfährt kommt man zu weiteren Geysirfeldern, die weniger bekannt sind, aber auch viel zu bieten haben. Außerdem sind verschiedene Wanderungen und Tiersichtungen möglich. Nicht weit entfernt von der fantastischen Grand Prismatic Spring, die zum Aushängeschild unseres Blogs geworden ist, haben wir z.B. einen Weißkopfseeadler beobachtet.

Detailaufnahme der fantastischen Grand Prismatic Spring im Yellowstone National Park
Detailaufnahme der Grand Prismatic Spring im Midway Geyser Basin
Die Magie der Wasser und Dampf speienden Geysire, der heißen Quellen, bunt schillernden Mineralien- und Bakterienablagerungen und schlammiger Mudpots ist unvergleichlich. Diese Welt hat uns so begeistert, dass wir ihr noch einen eigenen Artikel gewidmet haben: Magischer Yellowstone: Heiße Quellen, hohe Geysire und blubbernde Schlammlöcher

Canyon und Hayden Valley

Wie facettenreich der Yellowstone ist und dass es noch mehr zu entdecken gibt als Geysire und heiße Quellen, das zeigt ganz herausragend der Grand Canyon of the Yellowstone!

Ja, richtig gelesen, einen „Grand Canyon“ gibt es hier auch, von den Ausmaßen her kommt er zwar nicht an den Namensvetter in Arizona heran, hat aber seine eigenen Reize. Die gelblichen und teilweise bis ins rötlich gehenden Steinformationen und dazu der tosende Wasserfall des Yellowstone River wirken auf manchen Fotos wie ein wunderschönes Gemälde.

Hier ist verständlicherweise wieder mehr los, aber die meisten Menschen springen nur an den Viewpoints kurz aus dem Auto und fahren weiter. Alleine schon mit einer leichten Wanderung am North Rim oder South Rim entlang sind wir oft alleine und genießen die Aussicht.

Die meiner Meinung nach schönsten Fotopunkte sind der Artist Point am South Rim und der Lookout Point am North Rim, von wo aus wir vormittags während unseres zweiten Besuchs die Lower Falls mit Regenbogen sehen.

Die Lower Falls mit Regenbogen, Lookout Point, Grand Canyon of the Yellowstone
Die Lower Falls mit Regenbogen – Grand Canyon of Yellowstone
Das Hayden Valley befindet sich weiter südlich, es ist ein weiterer hervorragender Ort für Tierbeobachtungen.

2014 hatten wir hier sogar das Glück, zwei Wölfe aus relativ geringer Distanz beobachten zu können. Und zahlreiche Bisons gibt es hier eigentlich immer – in 2018 waren wir ganz happy, hier Bisonkälbchen sehen und fotografieren zu können.

Zu möglichen Tierbeobachtungen gibt es einen eigenen Artikel mit vielen Tipps!
Endlich Bison-Kälbchen im Hayden Valley! (Yellowstone National Park)
Zuckersüße Bisonkälber mit ihren Mamas im Hayden Valley, Ende Mai

Mud Volcano, Yellowstone Lake und West Thumb

Bei unserem ersten Besuch des Yellowstone kam das Gebiet rund um den Mud Volcano zwischen dem Hayden Valley und dem Lake noch zu kurz, aber während unserer zweiten Reise hat uns auch dieser kleine Vulkanbereich überzeugt. Wir haben an einer von einem Ranger geführten Tour teilgenommen und das war auch sehr interessant. Neben dem Mud Volcano selbst hat uns v.a. Dragon’s Mouth gefallen.

Dragon’s Mouth beim Mud Volcano, Yellowstone National Park
Dragon’s Mouth beim Mud Volcano

Weiter südlich, am Yellowstone Lake gibt es viele schöne Stellen zum Picknicken und Tiere beobachten. Der See ist so groß, dass wir an manchen Stellen Mühe haben, das gegenüberliegende Ufer zu sehen und die Bergkette im Hintergrund ergibt ein tolles Panorama.

Icon_camera_128Ein „Geheimtipp“ dafür ist vielleicht der Lake Butte Overlook: Ein Hügel an der Ostseite des Yellowstone Lake, dort wo der Highway Richtung East Entrance abzweigt. Die kleine Straße hinauf führt zu einem Aussichtspunkt über den See, der während der Sonnenuntergangsstimmung besonders reizvoll ist.

Yellowstone Lake, Yellowstone National Park, USA
Abendlicher Blick auf den Lake Yellowstone
Wir erreichen das West Thumb Geyser Basin, einen ersten Bereich geothermaler Aktivität an einem Ausläufer des Yellowstone Lake. Ursache für diese Aktivitäten ist ein unterirdischer Supervulkan. Man kann sich kaum vorstellen, wie gigantisch seine Caldera ist, die sich über einen großen Teil der Fläche des Yellowstone Parks erstreckt. Irgendwann wird dieser Supervulkan auch wieder ausbrechen und die Folgen werden verheerend und weltweit spürbar sein, aber so weit wollen wir nicht denken – wir wollen uns einfach an den einzigartigen geothermalen Besonderheiten erfreuen. Der Vulkan selbst soll hoffentlich noch lange schlummern…

West Thumb ist auf jeden Fall einen Stopp wert, es gibt mehrere heiße Quellen zu entdecken und Schwefelgeruch liegt in der Luft. Die Lage am See (mit 354 km² ist es ist der größte Bergsee Nordamerikas, s. Wikipedia) tut sein Übriges dazu.

Das West Thumb Geyser Basin mit dem Yellowstone Lake im Hintergrund
Farbige heiße Pools im West Thumb Geyser Basin

Mammoth Hot Springs

Wir fahren weiter zu unserer nächsten Unterkunft, der Roosevelt Lodge im Norden des Yellowstone Nationalparks. Die Entfernungen sind nicht zu unterschätzen, auch wenn es auf dem Papier kürzer wirkt – man kommt nur relativ langsam voran, will ja auch die Landschaft genießen und Tiersichtungen oder sogar unfreiwillige Staus durch Bisons, die die Straße blockieren, sind keine Seltenheit.

Mammoth Hot Springs
Mammoth Hot Springs
Der Blick auf die Sinterterrassen von Mammoth Hot Springs ist grandios! Es handelt sich um heiße Quellen mit gigantischen, terrassenförmigen Kalkstein- und Mineralienablagerungen, die durch Bakterien und Algen noch zusätzlich gefärbt sind. Wir fahren die kurze und sehr empfehlenswerte Upper Terrace Loop Road und laufen noch mehrere Trails durch die Lower Terraces.
Mammoth Upper Terraces
Mammoth Upper Terraces

Roosevelt Lodge & Lamar Valley

Auf dem Weg zur Roosevelt Lodge verändert sich die Landschaft, die nördlichen Berge rücken näher und Täler mit Graslandschaft werden häufiger. Das größte dieser Täler ist das Lamar Valley, das man auf dem Weg zum Nordost-Eingang durchfährt (oder von dort kommend). Wir sind sowohl früh morgens als auch abends hier unterwegs, um Tiere zu beobachten – am auffälligsten sind erneut die Bisonherden, die ihre Weiden durchstreifen.

Lamar Valley
Lamar Valley
Icon HikingDie Gegend um die Roosevelt Lodge und das Lamar Valley empfinden wir als sehr entspannend, da viele Besucher nur „durchfahren“. Wir unternehmen eine Wanderung zum Petrified Tree (dem versteinerten Stamm eines Mammutbaums), sind auf schmalen Pfaden unterwegs und die Landschaft ist bezaubernd. Allerdings ist uns ab und zu auch etwas mulmig zumute, denn uns ist klar, dass wir hier in der „Wildnis“ sind, wir könnten Bisons, Elchen oder anderen großen Tieren begegnen, sogar Bären. Verglichen mit Deutschland ist es wirklich ein etwas anderes Gefühl, hier unterwegs zu sein…

Tatsächlich treffen wir „nur“ auf mule deer, einer häufig vorkommenden Hirschart – dafür sind die Tiere erstaunlich wenig scheu, jedenfalls anders als wir es aus Deutschland kennen. Sie empfinden den Menschen hier wohl kaum als Bedrohung.

Roosevelt Lodge, Yellowstone National Park, USAIcon_Farm-House_256Besonders gemütlich ist die relativ kleine Roosevelt Lodge, wir lassen es uns bei leckerem Essen und einem Portwein im Lounge-Bereich gut gehen (weitere Beschreibung in unserem Yellowstone-Weihnachtsartikel). Unsere kleine Hütte ist zwar irgendwie ebenfalls gemütlich, aber auch ein Abenteuer: Sie kann nur mit einem kleinen Holzofen beheizt werden, Holzpellets stehen bereit. Wir tun uns anfänglich mit der richtigen Mischung von Holzmenge und Luftzufuhr schwer, und spätestens nach ein paar Stunden wird die Cabin wieder kalt, weil der Ofen Nachschub braucht und die Wände nicht isoliert sind. – Das stellten wir uns v.a. nachts, bei Temperaturen im einstelligen Celsiusbereich, romantischer vor… Und dennoch erinnern wir uns heute gerne daran!

Zusammenfassung unserer Höhepunkte

Das alles und noch mehr macht für uns den Yellowstone National Park aus:

  • West Thumb mit dampfenden Quellen und Besonderheiten wie dem Fishing Cone;
  • die Welt der Geysire des Upper Geyser Basin rund um den Old Faithful Geysir und den Morning Glory Pool;
  • die einladende Atmosphäre und Gemütlichkeit der Park-Lodges – besonders hervorzuheben das altehrwürdige Old Faithful Inn, auch ohne dort zu übernachten! Wir lieben es dort zu verweilen und Essen zu gehen, es gibt auch Führungen.
  • die weiteren hydrothermalen Sehenswürdigkeiten des Midway und Lower Geyser Basin, herausragend die farbenprächtige, surreal wirkende Grand Prismatic Spring („von oben“, also der Aussichtsplattform aus, aber auch „von unten“, vom Boardwalk!). Beste Farben nur bei Sonnenschein!
  • die Stimmung auf unseren Wanderungen, z.B. zu den Mystic Falls, zum Petrified Tree oder bei den Artist Paint Pots;
  • die außergewöhnlichen Möglichkeiten für Tierbeobachtungen – wir sahen neben den schon zu erwartenden Bisons und Maultierhirschen auch Dickhornschafe, Gabelböcke, Wapitihirsche, Kojoten, Murmeltiere, diverse Wasservögel, Weißkopfseeadler und als Highlight Wölfe;
  • die wieder andersartigen Schönheiten der Matschlöcher (Mudpots), Quellen und Geysire im Norris Geyser Basin (dort gibt es mit dem Steamboat Geyser den höchsten Geysir der Welt) und Fishing Bridge District (z.B. Dragon’s Mouth) – ähnliches kann man sonst nur in Neuseeland und Island bewundern;
  • die geheimnisvolle Ausstrahlung, v.a. wenn man in der Dämmerung früh morgens und abends unterwegs ist;
  • die atemberaubende Schönheit des Grand Canyon of Yellowstone mit der tosenden Kraft der Wasserfälle Upper und Lower Falls;
  • die Aussicht vom Dunraven Pass, 2700 m hoch;
  • die Landschaft mit Bergen, Tälern und Wasserfällen, z.B. rund um die Tower Falls und das Lamar Valley;
  • die Weite und das dahinter liegende Bergpanorama des großen Yellowstone Lake;
  • Bisons auf der Straße, auf der Brücke, zwischen Geysiren und in „Vorgärten“;
  • die fast wie nicht von dieser Welt wirkenden, prächtigen Terrassen von Mammoth Hot Springs und die großen Wapitis direkt beim Visitor Center;
  • und die gemütlich-spartanische Zeit in unseren Cabins – ein Hotelzimmer haben wir nicht vermisst!
  • Schließlich noch Weihnachten im Yellowstone am 25. August!

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Fazit

Yellowstone ist ein Stückchen von uns geworden und ein Stückchen von uns ist dort geblieben, damit wir immer wiederkommen – zu einem der schönsten Orte unserer Erde!

Die Vielfalt der Natur und der geothermalen Aktivität hat uns nachhaltig beeindruckt.

fernweh-logo-gruen-150Tipps

 

Unterkünfte

Wir empfehlen, unbedingt eine Unterkunft direkt im Park zu buchen, auch wenn sie teurer ist! Die Lodges, Cabins und Campgrounds sind schön und Unterkünfte außerhalb haben nicht dieselbe Atmosphäre, außerdem sind die Anfahrtzeiten nicht zu unterschätzen.

Gebucht wird komplett über Xanterra, am besten mind. 9 Monate im Voraus!

Buchempfehlung

Neben unserem „Standardwerk“ für die Weststaaten, dem Grundmann (USA – der ganze Westen), empfehle ich noch explizit „Photographing Yellowstone“. Das Buch gibt es nur auf englisch, es leistet jedoch sowohl bei der Tagesplanung als auch vor Ort wertvolle Dienste – nicht nur für Fotografen!

Zeiteinteilung

Wer alle Bereiche des Parks erleben will, ohne nur „durchzufahren“, der benötigt mindestens 3 volle Tage, besser 4-7!

Wir waren bei unserem ersten Besuch 4,5 Tage (5 Nächte) im Park und es blieb genug Sehenswertes für weitere Besuche.

Wie sind deine eigenen Erfahrungen? Wir sind gespannt auf deine Anmerkungen und Gedanken, bitte teile sie mit uns, indem du einen Kommentar hinterlässt. Danke!