Von einem der schönsten Orte unserer Erde

von | 12.11.2015 | 2 Kommentare

Unsere Highlights im Yellowstone Nationalpark

Ich verlasse früh morgens unsere Hütte und atme die kühle, frische Luft ein. Der Yellowstone National Park liegt in einer Hochebene und es kann empfindlich kalt werden. Ich will mir nur kurz die Beine vertreten und zucke zusammen, als ich nur ca. 30 Meter entfernt einen großen Bisonbullen stehen sehe! Er läuft völlig unbeeindruckt weiter, an den Cabins, parkenden Autos und den wenigen Menschen vorbei, die ihn entdeckt haben. So ein großes Tier, hier? Ein Bisonbulle kann bis zu 900 kg auf die Waage bringen.
Bison vor den Cabins

Bison vor den Cabins

Ich hole schnell meine Kamera, um ein paar Fotos von diesem tollen Moment zu machen, und sage Kerstin Bescheid, die nun auch herauskommt und staunt, was hier passiert. Wir wussten zwar, dass es wieder relativ viele Bisons im Yellowstone National Park gibt und man sehr gute Möglichkeiten hat, sie zu beobachten, da sie nicht scheu sind – dass sie dabei aber auch geradewegs durch eine Cabin-Siedlung stapfen (unsere Cabin liegt direkt beim Old Faithfull Geysir) und sich nicht darum scheren, was links und rechts ist, das war uns neu.

Die Bisons im Yellowstone sind eine Erfolgsgeschichte, schließlich waren sie auch hier schon fast ausgerottet. Inzwischen kann man sie tatsächlich auch direkt in der Nähe von Häusern (sozusagen in „Vorgärten“) finden und sie sorgen regelmäßig für Staus auf den wenigen Straßen. Aber leider kommt es auch zu Unfällen mit Park-Besuchern, die vergessen haben, dass es sich um wilde und große, wehrhafte Tiere handelt und eben keine Kuh, an die man für ein gutes Foto nah herangeht.

Icon_Road_256Unsere Begegnung mit dem Bison ist einfach schön und steht nicht nur für den Beginn eines wunderbaren Tages im Yellowstone Nationalpark, sondern auch für eine „Liebesbeziehung“, denn dieser Park hat es uns einfach angetan, zieht uns in seinen Bann wie kein anderer bisher.
For the Benefit and Enjoyment of the People
Inschrift auf dem Torbogen des Roosevelt Arch, Nordeingang zum Yellowstone Park.
Er hat so viel zu bieten, ist so vielfältig, lässt einen ehrfürchtig spüren, wie klein und unbedeutend man ist. Deshalb möchte ich hier von unseren Highlights im Yellowstone erzählen, die teilweise aus bekannten Sehenswürdigkeiten, aber auch aus besonderen Momenten und der Magie der Landschaft, der Tierwelt und der brodelnden Kraft des unterirdischen Vulkans bestehen.

Wo liegt der Yellowstone Nationalpark?

Der Yellowstone liegt zum Großteil im Nordwesten von Wyoming, USA. Kleinere Teile gehören zu den Bundesstaaten Idaho und Montana.

West Thumb

West Thumb

Old Faithful Geysir

Old Faithful Geysir

Grand Prismatic Spring

Grand Prismatic Spring

Gibbon Falls

Gibbon Falls

Norris Geyser Basin

Norris Geyser Basin

Mammoth Hot Springs

Mammoth Hot Springs

Roosevelt Arch

Roosevelt Arch

Roosevelt Lodge

Roosevelt Lodge

Lamar Valley

Lamar Valley

Dunraven Pass

Dunraven Pass

Grand Canyon of Yellowstone

Grand Canyon of Yellowstone

Lower Falls

Lower Falls

Hayden Valley

Hayden Valley

Dragon's Mouth

Dragon’s Mouth

Lake Butte Overlook

Lake Butte Overlook

West Thumb und die Geysirwelt um Old Faithful

South Entrance, Yellowstone National Park, USAEinen Tag vor unserer Begegnung mit dem Bisonbullen sind wir vom Grand Teton National Park über den South Entrance in den Yellowstone hineingefahren. Wir genießen die hügelige, bewaldete Landschaft und ahnen die Wildnis, denn links und rechts gibt es über so viele Meilen hinweg einfach keine weiteren Straßen.

Wir erreichen das West Thumb Geyser Basin, einen ersten Bereich geothermaler Aktivität an einem Ausläufer des Yellowstone Lake. Ursache für diese Aktivitäten ist ein unterirdischer Supervulkan. Man kann sich kaum vorstellen, wie gigantisch seine Caldera ist, die sich über einen großen Teil der Fläche des Yellowstone Parks erstreckt. Irgendwann wird dieser Supervulkan auch wieder ausbrechen und die Folgen werden verheerend und weltweit spürbar sein, aber so weit wollen wir nicht denken – wir wollen uns einfach an den einzigartigen geothermalen Besonderheiten erfreuen. Der Vulkan selbst soll hoffentlich noch lange schlummern…

West Thumb ist auf jeden Fall einen Stopp wert, es gibt mehrere heiße Quellen zu entdecken und Schwefelgeruch liegt in der Luft. Die Lage am See (mit 354 km² ist es ist der größte Bergsee Nordamerikas, s. Wikipedia) tut sein Übriges dazu.

Icon_Road_256Unsere erste Unterkunft haben wir wie gesagt beim Old Faithful, dem großen Geysir mit den am zuverlässigsten zu vorhersagenden Ausbrüchen (ca. alle 90 Minuten). Dieser Bereich des Yellowstone mit den meisten geothermalen Aktivitäten (aufgeteilt in Upper, Midway und Lower Geyser Basin) gehört natürlich zum Pflichtprogramm jeden Yellowstone-Besuchs, was in der Hauptsaison aber auch zu einem hohen Besucheraufkommen führt. Manchmal reicht es jedoch schon, sich nur ein paar Meter abseits der Hauptattraktionen bzw. der Haupt-Fotopunkte zu bewegen, um gleich viel weniger Menschen zu begegnen.

Die Magie der Wasser und Dampf speienden Geysire, der heißen Quellen, bunt schillernden Mineralien- und Bakterienablagerungen und schlammiger Mudpots ist jedenfalls unvergleichlich und die besondere Stimmung empfinden wir durch die Bewölkung und das etwas trübe Wetter noch verstärkt. Diese Welt hat uns so begeistert, dass wir ihr noch einen eigenen Artikel gewidmet haben: Magischer Yellowstone: Heiße Quellen, hohe Geysire und blubbernde Schlammlöcher

Mammoth Hot Springs

Wir fahren weiter zu unserer nächsten Unterkunft, der Roosevelt Lodge im Norden des Yellowstone Nationalparks. Die Entfernungen sind nicht zu unterschätzen, auch wenn es auf dem Papier kürzer wirkt – man kommt nur relativ langsam voran, will ja auch die Landschaft genießen und Tiersichtungen oder sogar unfreiwillige Staus durch Bisons, die die Straße blockieren, sind keine Seltenheit.

Mammoth Hot Springs

Der Blick auf die Sinterterrassen von Mammoth Hot Springs ist grandios! Es handelt sich um heiße Quellen mit gigantischen, terrassenförmigen Kalkstein- und Mineralienablagerungen, die durch Bakterien und Algen noch zusätzlich gefärbt sind. Wir fahren die kurze und sehr empfehlenswerte Upper Terrace Loop Road und laufen noch mehrere Trails durch die Lower Terraces.

Mammoth Upper Terraces

Roosevelt Lodge & Lamar Valley

Auf dem Weg zur Roosevelt Lodge verändert sich die Landschaft, die nördlichen Berge rücken näher und Täler mit Graslandschaft werden häufiger. Das größte dieser Täler ist das Lamar Valley, das man auf dem Weg zum Nordost-Eingang durchfährt (oder von dort kommend). Wir sind sowohl früh morgens als auch abends hier unterwegs, um Tiere zu beobachten – am auffälligsten sind erneut die Bisonherden, die ihre Weiden durchstreifen.

Lamar Valley

Icon HikingDie Gegend um die Roosevelt Lodge und das Lamar Valley empfinden wir als sehr entspannend, da viele Besucher nur „durchfahren“. Wir unternehmen eine Wanderung zum Petrified Tree (dem versteinerten Stamm eines Mammutbaums), sind auf schmalen Pfaden unterwegs und die Landschaft ist bezaubernd. Allerdings ist uns ab und zu auch etwas mulmig zumute, denn uns ist klar, dass wir hier in der „Wildnis“ sind, wir könnten Bisons, Elchen oder anderen großen Tieren begegnen, sogar Bären. Verglichen mit Deutschland ist es wirklich ein etwas anderes Gefühl, hier unterwegs zu sein…

Tatsächlich treffen wir „nur“ auf mule deer, einer häufig vorkommenden Hirschart – dafür sind die Tiere erstaunlich wenig scheu, jedenfalls anders als wir es aus Deutschland kennen. Sie empfinden den Menschen hier wohl kaum als Bedrohung.

Roosevelt Lodge, Yellowstone National Park, USAIcon_Farm-House_256Besonders gemütlich ist die relativ kleine Roosevelt Lodge, wir lassen es uns bei leckerem Essen und einem Portwein im Lounge-Bereich gut gehen (weitere Beschreibung in unserem Yellowstone-Weihnachtsartikel). Unsere kleine Hütte ist zwar irgendwie ebenfalls gemütlich, aber auch ein Abenteuer: Sie kann nur mit einem kleinen Holzofen beheizt werden, Holzpellets stehen bereit. Wir tun uns anfänglich mit der richtigen Mischung von Holzmenge und Luftzufuhr schwer, und spätestens nach ein paar Stunden wird die Cabin wieder kalt, weil der Ofen Nachschub braucht und die Wände nicht isoliert sind. – Das stellten wir uns v.a. nachts, bei Temperaturen im einstelligen Celsiusbereich, romantischer vor… Und dennoch erinnern wir uns heute gerne daran!

Canyon, Hayden Valley und Yellowstone Lake

Wer beim Yellowstone National Park hauptsächlich an Geysire und heiße Quellen wie die spektakuläre Grand Prismatic Spring denkt, dem entgeht schnell eine weitere Besonderheit: Der Grand Canyon of the Yellowstone! Icon_Road_256

Ja, richtig gelesen, einen „Grand Canyon“ gibt es hier auch, von den Ausmaßen her kommt er zwar nicht an den Namensvetter in Arizona heran, hat aber seine eigenen Reize. Die gelblichen und teilweise bis ins rötlich gehenden Steinformationen und dazu der tosende Wasserfall des Yellowstone River wirken auf manchen Fotos wie ein wunderschönes Gemälde.

Hier ist verständlicherweise wieder mehr los, aber wir machen eine leichte Wanderung und können dies nur jedem empfehlen, der sich etwas Zeit nimmt und nicht nur die bekanntesten Aussichtspunkte anfahren will.

Das Hayden Valley befindet sich weiter südlich, es ist ein weiterer hervorragender Ort für Tierbeobachtungen.

Zu möglichen Tierbeobachtungen gibt es einen eigenen Artikel mit vielen Tipps!

Unser letztes Quartier befindet sich am Yellowstone Lake. Der See ist so groß, dass wir an manchen Stellen Mühe haben, das gegenüberliegende Ufer zu sehen und die Bergkette im Hintergrund ergibt ein tolles Panorama. Spätestens hier wissen wir, dass wir uns in den Yellowstone verliebt haben – er ist ein Wunder der Natur und für uns ein magischer Ort, der uns trotz der vielen Besucher in der Hauptsaison immer wieder in andächtigen Momenten verweilen und genießen lässt.

Icon_camera_128Ein „Geheimtipp“ dafür ist vielleicht der Lake Butte Overlook: Ein Hügel an der Ostseite des Yellowstone Lake, dort wo der Highway Richtung East Entrance abzweigt. Die kleine Straße hinauf führt zu einem Aussichtspunkt über den See, der während der Sonnenuntergangsstimmung besonders reizvoll ist.

Zusammenfassung unserer Höhepunkte

Das alles und noch mehr macht für uns den Yellowstone National Park aus:

  • West Thumb mit dampfenden Quellen und Besonderheiten wie dem Fishing Cone;
  • die Welt der Geysire des Upper Geyser Basin rund um den Old Faithful Geysir und den Morning Glory Pool;
  • die einladende Atmosphäre und Gemütlichkeit der Park-Lodges – besonders hervorzuheben die Old Faithful Lodge mit ihrer beeindruckenden Architektur;
  • die weiteren hydrothermalen Sehenswürdigkeiten des Midway und Lower Geyser Basin, herausragend die farbenprächtige, surreal wirkende Grand Prismatic Spring;
  • die Stimmung auf unseren Wanderungen, z.B. zu den Mystic Falls, zum Petrified Tree oder bei den Artist Paint Pots;
  • die außergewöhnlichen Möglichkeiten für Tierbeobachtungen – wir sahen neben den schon zu erwartenden Bisons und Maultierhirschen auch Dickhornschafe, Gabelböcke, Wapitihirsche, Kojoten, Murmeltiere, diverse Wasservögel, Weißkopfseeadler und als Highlight Wölfe;
  • die wieder andersartigen Schönheiten der Matschlöcher (Mudpots), Quellen und Geysire im Norris Geyser Basin (dort gibt es mit dem Steamboat Geyser den höchsten Geysir der Welt) und Fishing Bridge District (z.B. Dragon’s Mouth) – ähnliches kann man sonst nur in Neuseeland und Island bewundern;
  • die geheimnisvolle Ausstrahlung, v.a. wenn man in der Dämmerung früh morgens und abends unterwegs ist;
  • die atemberaubende Schönheit des Grand Canyon of Yellowstone mit der tosenden Kraft der Wasserfälle Upper und Lower Falls;
  • die Aussicht vom Dunraven Pass, 2700 m hoch;
  • die Landschaft mit Bergen, Tälern und Wasserfällen, z.B. rund um die Tower Falls und das Lamar Valley;
  • die Weite und das dahinter liegende Bergpanorama des großen Yellowstone Lake;
  • Bisons auf der Straße, auf der Brücke, zwischen Geysiren und in „Vorgärten“;
  • die fast wie nicht von dieser Welt wirkenden, prächtigen Terrassen von Mammoth Hot Springs und die großen Wapitis direkt beim Visitor Center;
  • und die gemütlich-spartanische Zeit in unseren Cabins – ein Hotelzimmer haben wir nicht vermisst!
  • Schließlich noch Weihnachten im Yellowstone am 25. August!

Gefällt dir Willkommen Fernweh?

Dann melde dich bei unserem Newsletter an und du verpasst keinen neuen Beitrag mehr! Weitere Infos

Wir lehnen Spam ab und versenden deshalb auch keinen!

Wer schreibt hier?

Wir sind Kerstin und Klaus. Wir lieben es die Welt zu erkunden und dir Anregungen und Tipps für deine eigene Reise zu geben!

Mehr über uns

Beliebt:

Der Truck Camper für einen Camping-Roadtrip in Kanada oder USA

Ein Roadtrip mit dem Wohnmobil, das haben wir bei unserer Tour durch den Südwesten Kanadas kennen- und lieben gelernt. Unser Truck Camper war einfach super! Spielst du vielleicht auch mit dem Gedanken oder hast du sogar schon ganz konkret einen Truck Camper im Sinn? Dann ist dieser Artikel genau richtig, in dem ich dir unseren TC genau vorstellen möchte.

Fotoparade 1. Halbjahr 2017 – die schönsten Bilder

Es ist wieder Zeit für eine neue Fotoparade, bereits die dritte, an der wir teilnehmen und auf die wir uns schon im Vorfeld gefreut haben! Unsere Fotos sind während unserer Reisen in die Vogesen und nach Island entstanden – es erwarten dich also traumhafte Bilder mit winterlicher Stimmung.

Welche Reiseziele sind für einen Roadtrip besonders geeignet?

„Welches Reiseziel außerhalb von Nordamerika (USA, Kanada) ist deiner Erfahrung nach ebenfalls sehr gut für einen Roadtrip geeignet und was macht den besonderen Reiz dieses Reiseziels aus?“ Lies die Antworten anderer Reiseblogger auf diese Frage im Rahmen unseres Roundup-Posts.

Alles über Layover: Schlaflos in Seattle und anderswo

Viele Reisende bevorzugen Nonstop-Flüge, oft ist dieser jedoch nicht verfügbar oder unverhältnismäßig teuer. Ich erkläre dir alles Wissenswerte zu Zwischenlandungen und wie du diesen Layover sogar für einen richtig schönen Ausflug nutzen kannst, inkl. mehrerer Beispielberichte!

Fazit

Yellowstone ist ein Stückchen von uns geworden und ein Stückchen von uns ist dort geblieben, damit wir immer wiederkommen – zu einem der schönsten Orte unserer Erde!

Die Vielfalt der Natur und der geothermalen Aktivität hat uns nachhaltig beeindruckt.

fernweh-logo-gruen-150Tipps

 

Unterkünfte

Wir empfehlen, unbedingt eine Unterkunft direkt im Park zu buchen, auch wenn sie teurer ist! Die Lodges, Cabins und Campgrounds sind schön und Unterkünfte außerhalb haben nicht dieselbe Atmosphäre, außerdem sind die Anfahrtzeiten nicht zu unterschätzen.

Gebucht wird komplett über Xanterra, am besten mind. 9 Monate im Voraus!

Buchempfehlung

Neben unserem „Standardwerk“ für die Weststaaten, dem Grundmann (USA – der ganze Westen), empfehle ich noch explizit „Photographing Yellowstone“. Das Buch gibt es nur auf englisch, es leistet jedoch sowohl bei der Tagesplanung als auch vor Ort wertvolle Dienste – nicht nur für Fotografen!

Zeiteinteilung

Wer alle Bereiche des Parks erleben will, ohne nur „durchzufahren“, der benötigt mindestens 3 volle Tage, besser 4-7!

Wir waren bei unserem ersten Besuch 4,5 Tage (5 Nächte) im Park und es blieb genug Sehenswertes für weitere Besuche.

Wie sind deine eigenen Erfahrungen? Wir sind gespannt auf deine Anmerkungen und Gedanken, bitte teile sie mit uns, indem du einen Kommentar hinterlässt. Danke!