North Cascades National Park – wenig besuchte, großartige Bergwelt

von | 06.06.2017 | 7 Kommentare

Hast du Lust auf einen US-Nationalpark, der zu den am wenigsten besuchten gehört und trotzdem super viel zu bieten hat? Dann begleite uns in den North Cascades National Park im Nordwesten der USA, den wir als Abstecher im Rahmen unserer Kanada-Reise besucht haben.

Panorama entlang der North Cascades Route, Highway WA-20, North Cascades

Nationalpark-Fakten North Cascades

Dass die Nationalparks der USA für wunderbare Landschaften, viele Tiere und beeindruckende Natur stehen, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Dementsprechend werden die beliebten Parks jedes Jahr von mehreren Millionen Menschen besucht – doch es gibt auch Ausnahmen. Der North Cascades hatte in 2016 nur knapp 30.000 Besucher (Quelle) und damit nur einen verschwindend geringen Anteil gegenüber den am stärksten frequentierten Parks wie z.B. Yellowstone (über 4 Millionen), Grand Canyon (fast 6 Millionen) oder gar Great Smoky Mountains (über 11 Millionen) (Quelle).

Willkommen im North Cascades National ParkKönnten die geringen Besuchszahlen ein Anzeichen dafür sein, dass das nördliche Kaskadengebirge weniger attraktiv ist? Unserer Meinung nach nein, aber mach dir dein eigenes Bild. Die North Cascades werden gerne auch als „die Alpen Nordamerikas“ bezeichnet, aber unserer Meinung nach hinkt dieser Vergleich sehr – alleine schon, weil die Bevölkerungsdichte und die Kultivierung der Landschaften im Nordwesten der USA so viel geringer ist. Außerdem gibt es in den North Cascades Tiere wie Bären, Pumas, Wölfe, Elche und Wapitis. Der Hauptgrund für die geringen Besucherzahlen dürfte vielmehr darin zu finden sein, dass der Park eher abseits der gängigen Routen liegt.

Übrigens ist der westliche Teil der North Cascades sehr viel grüner, der östliche sichtbar trockener, man bewegt sich durch verschiedene Vegetationszonen. Dies liegt daran, dass die Wolken vom Pazifik an den in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bergen „hängen bleiben“ und abregnen.

Eine Besonderheit des Parks ist, dass nur der Highway 20 in West-Ost-Richtung hindurch führt und große Bereiche nördlich und südlich davon weitgehend unerschlossene Wildnis sind, die man – wenn überhaupt – nur über Trails erreichen kann. Geprägt wird der Park außerdem durch die großen Stauseen, die zur Stromgewinnung dienen und Seattle versorgen.

Haggen Grocery

Haggen Grocery

Marble Creek Campground

Marble Creek Campground

Ross Lake Overlook

Ross Lake Overlook

Colonial Creek Campground

Colonial Creek Campground

Diablo Lake Overlook

Diablo Lake Overlook

Thunder Knob Trail

Thunder Knob Trail

Washington Pass Overlook

Washington Pass Overlook

Mazama Store

Mazama Store

Sun Mountain Lodge

Sun Mountain Lodge

Anfahrt von Westen – Marble Creek

Wir verlassen Vancouver Island und auch Kanada für mehrere Tage, nehmen die Fähre nach Anacortes im Bundesstaat Washington (USA). Zuvor frühstücken wir noch alle Lebensmittel, die wir nicht in die USA einführen dürfen (Milch, Eier, Obst). Die Passkontrolle und Immigration laufen reibungslos, dann können wir durchstarten.

Auf dem Highway 20 Richtung Osten lässt der Verkehr bald nach und bestes Roadtrip-Feeling kommt auf. Für die erste Übernachtung bleiben wir noch westlich und knapp außerhalb des Nationalparks, was der Wildheit der Natur aber keinen Abbruch tut. Der Marble Creek Campground ist einer der schönsten unserer Reise, ein kleiner Geheimtipp! Zwischen dicken, hohen Bäumen und an einem Gebirgsbach gelegen, der direkt neben unserer Site verläuft – wunderbar! Um zum Campground zu gelangen, muss man für ein Stück (ca. 10 km) eine Nebenstraße fahren (die Cascade River Road).

Hohe Douglasien am Marble Creek Campground
Hohe Douglasien am Marble Creek Campground

Abends gibt es Sirloin-Rindersteaks (so gut!) und im Kartoffelfeuer-Machen werden wir auch besser. Wir sitzen draußen, bis es dunkel wird und schlafen wie die Babies bei herrlicher Stille auf dem Campground.

Tipp: Man kann die Cascade River Road, die am Campground vorbeiführt, auch weiter fahren, sie geht dann in Schotter über und führt in den Nationalpark bzw. zu mehreren Trailheads (Hidden Lake Trail, Cascade Pass Trail).

Unsere Site direkt am Fluss, Marble Creek Campground
Unsere Site direkt am Fluss, Marble Creek Campground

Entlang des North Cascades Highway und am Diablo Lake durch den Park

Am nächsten Tag geht es zurück zum Highway und auf diesem in den Nationalpark hinein. Wir fahren zunächst zum Visitor Center, wo man sich gut mit ersten Informationen versorgen kann, und danach sofort zum Colonial Creek Campground. Dies soll der schönste Platz innerhalb des National Parks sein, allerdings werden die Sites nur auf „First come first serve“ Basis vergeben (nicht reservierbar). Wir kommen um 10:20 Uhr an und bekommen erstmal einen Schrecken, denn am Eingang des Campgrounds steht „Full“. Wir wagen es und fahren trotzdem hinein und erfahren von einer Rangerin, dass es zwar wirklich ziemlich voll ist, dass wir aber ruhig eine Runde drehen sollen, denn es gibt Leute, die gerade aufbrechen. Und tatsächlich haben wir Glück, finden wieder ein schönes Plätzchen und frühstücken dort erst einmal.

In der Nähe des Campgrounds erstreckt sich ein Seitenarm des Diablo Lake mit eigenem Seezugang. Zum Baden wird der See eigentlich nicht genutzt, aber viele Kanufahrer starten von hier.

Zugang zum Diablo Lake vom Colonial Creek Campground
Zugang zum Diablo Lake vom Colonial Creek Campground
Nach dem Frühstück fahren wir einige Aussichtspunkte an. Zu den Highlights gehört definitiv der Diablo Lake Overlook mit Blick auf den wunderschön türkisfarben leuchtenden Stausee und die ihn umgebenden Berge. An einer anderen Stelle kann man auf den ganz anders gefärbten Ross Lake hinabschauen, der noch um ein vielfaches größer ist, was aber gar nicht so wirkt, da man nur einen Teil von ihm sehen kann. Interessant ist auch der Staudamm des Diablo Lake sowie der Gorge Overlook: Hier kann man auch als Fußgänger auf die Highway-Brücke gehen, wobei man nur auf einem Metallgitter läuft – man kann direkt unter sich hinunter schauen.
Blick vom Diablo Lake Overlook auf den See und zu Davis Peak
Je nach Lichteinfall und Jahreszeit verändert sich das Wasser des Diablo Lake täglich

Derselbe Diablo Lake, nur einen Tag später…

Direkt vom Campground aus machen wir noch eine kleine Wanderung. Es geht auf dem Thunder Knob Trail dreieinhalb Kilometer durch Wald und teils entlang von hohen Farnen sanft ansteigend hoch, bis wir einen Aussichtspunkt erreichen. Dort befinden sich Bänke, wir rasten ein wenig und laufen dann denselben Weg wieder zurück. Eine schöne Wanderung bei wunderbarem Sommerwetter, die auch für untrainierte und Familien geeignet ist.

Der Osten der North Cascades – Washington Pass

Heute haben wir viel Fahrt vor uns, trotzdem lassen wir uns ein bisschen Zeit und frühstücken in Ruhe. Gegen 9 Uhr geht es los und den ersten Zwischenstopp machen wir am Parkplatz des Happy Creek Forest Walk. Hierbei handelt es sich um eine Art Lehrpfad durch den Wald, teils ein Boardwalk und nur ca. 500 Meter lang. Kein Pflichtprogramm, aber eine gute Möglichkeit, sich die Beine zu vertreten – und vormittags sind wir sogar ganz allein.

Der Happy Creek Forest Walk
Der Happy Creek Forest Walk

Es geht weiter Richtung Osten, wenig Verkehr vor und hinter uns und eine schöne Landschaft – langsam wird es trockener. Schon jenseits der Nationalparkgrenze liegt der Washington Pass Overlook, bei dem du unbedingt anhalten solltest! Vom Parkplatz aus sind es nur wenige Minuten Fußweg, dann haben wir einen grandiosen Aussichtspunkt mit Blick ins Tal, den Highway und die umliegenden Berge erreicht. Besonders markant liegt der Liberty Bell Mountain vor uns, wirklich fantastisch, zumal wir uns auch noch über Sonnenschein freuen können!

Blick vom Washington Pass Overlook auf Liberty Bell Mountain
Wir spazieren ein bisschen am Overlook herum und kommen mit ein paar Passanten ins Gespräch. Wir machen immer wieder die Erfahrung, dass die Leute in Nordamerika (egal ob Kanada oder USA) sehr interessiert an Fremden sind und sehr aufgeschlossen und kontaktfreudig.
Kerstin am Washington Pass Overlook
Kerstin am Washington Pass Overlook

Am Overlook befindet sich ein Schild mit dem Gedicht „A Valley Like This“ von William Stafford – beim Lesen werden wir nachdenklich. Es liegt in unserer aller Verantwortung, die Natur im Allgemeinen und solche besonders schönen Orte im Besonderen zu erhalten. Da wir es sehr passend finden, kannst du das Gedicht im Folgenden selbst lesen:

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A Valley Like This

Sometimes you look at an empty valley like this,
and suddenly the air is filled with snow.
That is the way the whole world happened –
there was nothing, and then …

But maybe some time you will look out and even the mountains are gone,
the world become nothing again.
What can a person do to help bring back the world?

We have to watch it and then look at each other.
Together we hold it close and carefully save it,
like a bubble that can disappear if we don’t watch out.

Please think about this as you go on.
Breath on the world.
Hold out your hands to it.
When mornings and evenings roll along, watch how they open and close, how they invite you to the long party that your life is.

William Stafford

Auf dem Rückweg zum Parkplatz finden wir noch eine „LOVE“ Grußbotschaft und freuen uns.
LOVE, North Cascades National Park, USA

In die Ebene zum Westernstädtchen Winthrop

Wir verlassen nun immer mehr die Bergwelt und es wird spürbar wärmer, je weiter wir fahren. Eine Art „Geheimtipp“ ist für uns der Mazama Store am Rande des gleichnamigen Örtchens. Ein liebevoll eingerichteter Laden, es gibt fast alles, wir machen Zwischenstopp und kaufen ein bisschen Obst (local and organic – diesbezüglich tut sich anscheinend auch in den USA auf dem platten Land gerade viel) und leckeren Süßkram. Der Weg ist schließlich noch weit.

Ein interessantes Westernstädtchen liegt noch im Verlauf des Highway WA-20: Winthrop, durchaus sehenswert, wenn auch etwas touristisch. Als Wohnmobilfahrer hat man den kleinen Nachteil, dass man 300 m außerhalb parken muss, aber wirklich schlimm ist das nicht.

Leckerer Burger in der Sun Mountain LodgeWir haben Hunger, so richtig gut gefällt uns das Angebot in Winthrop aber nicht. Da entdecken wir in einem Schaufenster eine Werbung für die Sun Mountain Lodge und entschließen uns, die ca. 20 Minuten Fahrt auf uns zu nehmen – wie sich herausstellt, eine hervorragende Entscheidung! Das Essen ist wirklich gut, die Aussicht kann das aber noch toppen!

In Winthrop endet unsere Etappe durch das nördliche Kaskadengebirge, einen Tag später geht es für uns zurück nach Kanada.

Fazit

Bei der Routenplanung war ich noch unsicher: Fahren wir über den Manning Provincial Park (Kanada) Richtung Osten oder nehmen wir den Abstecher über den US-Bundestaat Washington? Der direkte Vergleich fehlt zwar, aber wir haben die Tage im North Cascades National Park nicht bereut. Im Gegenteil: Wunderbare Landschaft, viel unberührte Natur, vergleichsweise (auch Anfang August) wenige Menschen – wir kommen gerne mal wieder!

fernweh-logo-gruen-150Tipps

 

Versorgung

Bis auf wenige Ausnahmen gibt es nur Campingplätze im Nationalpark und auch keine Möglichkeiten zur Versorgung mit Lebensmitteln – daran solltest du rechtzeitig denken!

Neben den im Bericht erwähnten Mazama Store (v.a. wenn man von Osten kommt) empfehlen wir den Einkauf in einem der Märkte westlich der Kaskaden. Uns hat „Haggen“ in Burlington (nahe der Interstate 5, Route Vancouver-Seattle) gut gefallen, dort gibt es sogar viele Bio- und Fairtrade-Produkte.

Routenplanung

Wir haben zwei Übernachtungen im Bereich der North Cascades eingeplant und das hat auch gereicht, um einen guten Überblick zu bekommen und kleine Wanderungen zu machen. Nur eine Nacht ist zwar möglich, empfinde ich aber nicht als angemessen. Drei Nächte wären ideal, wenn man eine größere Wander- oder Kajaktour machen möchte.

Bei der Planung fand ich den Reiseführer Nationalparkroute USA – Nordwest hilfreich. Mehr dazu auch im Artikel Die besten Reiseführer für den Westen der USA.

Wandern

Wie erwähnt wird der North Cascades National Park nur vom Highway WA-20 durchzogen, weite Areale sind unerschlossen. Es gibt wunderbare Möglichkeiten für kurze und leichte bis hin zu Tages- und schwierigen Mehrtageswanderungen. Auch Kajakfahren auf den Stauseen ist möglich.

Zur Vorbereitung ist die offizielle Seite Wilderness Trip Planner empfehlenswert, beim Herunterscrollen findest du auch eine Karte als PDF!

Hast du die North Cascades schon besucht oder hast du weitere Fragen oder Anmerkungen? Wir freuen uns über jeden Kommentar! 🙂