Auf den Spuren außergewöhnlicher Wälder und gewaltiger Bäume in Nordamerika

von | 12.12.2016 | 4 Kommentare

Bereits in vorigen Beiträgen auf Willkommen Fernweh ist durchgeklungen, dass ich schon seit meiner Kindheit ein Baum- und Waldfan bin, und diese Begeisterung hat durch die Regen-, Küsten- und Urwälder Nordamerikas neuen Auftrieb bekommen. Dass es sich lohnt, diese Bäume und Wälder zu entdecken und zu bewahren, darüber möchte ich schreiben – und auch über aktuelle Waldempfehlungen im Westen Kanadas, den wir ja erst kürzlich bereist haben.

Ich liebe alleine schon die gute und klare Luft der Wälder und dazu den Duft von Holz, Nadeln, Laub, Boden, Moosen und Flechten, Harz und Pilzen. Ja, Pilzsammler bin ich auch, hier bei uns in den umliegenden Wäldern und Mittelgebirgen. Dann noch die Geräusche des Waldes, die Vogelstimmen, Wind, der durch die Nadeln streift und Blätter rascheln lässt – und etwas unheimlich kann es in tiefen Wäldern natürlich auch sein, das trägt zur Stimmung bei.

In Nordamerika kommen die Giganten der Bäume hinzu, die einen einfach nur ehrfürchtig staunen lassen, weil sie so hoch, so dick und so alt sind. Außerdem gibt es dort noch mehr weitgehend unberührte Wälder, Wildnis, die man in Europa und erst Recht in Deutschland viel weniger oder gar nicht mehr vorfindet. Ich kann behaupten, dass es sich dabei um meine Lieblingswälder handelt!

Im Cathedral Grove auf Vancouver Island

Schon während der Planung unserer Reise in den Westen von Kanada bemerkte ich voller Vorfreude, dass es auch hier Gegenden mit großen, dicken und alten Bäumen gibt, die es zu entdecken gilt. Vancouver Island beherbergt riesige Waldflächen ohne nennenswerte Zivilisation, allerdings hat die Holzindustrie auch schon viel gerodet. Die Flächen werden heutzutage zwar wieder aufgeforstet, einem Urwald, wie die frühen Siedler ihn vorfanden, entspricht das dann natürlich nicht mehr so ganz.

Icon_Road_256Glücklicherweise gibt es auch Bestrebungen, alte Baumbestände zu schützen, so wie im MacMillan Provincial Park im Zentrum der Insel. Du solltest hier unbedingt einen Zwischenstopp einlegen, wenn du auf dem Highway 4 zum Pacific Rim unterwegs bist oder von dort kommst. Zu beiden Seiten der Straße gibt es einige Parkplätze und kurze Lehrpfade durch den sogenannten „Cathedral Grove“ mit ein paar besonders alten Douglasien und Hemlocktannen („Red Cedars“).

Parkplatz am Cathedral Grove, Vancouver Island

Parkplatz am Cathedral Grove, Vancouver Island

Das dickste und älteste Exemplar ist ungefähr 800 Jahre alt und über 70 Meter hoch. Leider können Fotos und auch dieser Bericht hier die Größe der Bäume und auch die Stimmung nur unzureichend wiedergeben, die ich dort erlebe, aber ich will es versuchen. Es handelt sich um eine Kombination von Ehrfurcht vor den majestätischen Bäumen, Sinneseindrücken durch die Gerüche des Waldes, Vogelstimmen und von Zweigen herunterhängenden Farnen, die von einzelnen Sonnenstrahlen regelrecht zum Leuchten gebracht werden.

An einer Stelle entdecken wir einen Baumstumpf, der tatsächlich noch lebendig ist und langsam vor sich hin wächst. Über einen daneben stehenden großen Baum wird er mit Nährstoffen versorgt und so ist er lediglich „scheintot“.

Der pazifische Regenwald gemäßigten Klimas

Auf die Douglasien und Rotzedern im MacMillan Park hatte ich mich bereits im Vorfeld gefreut, aber nicht damit gerechnet, auch den Küstenregenwald so toll zu finden. Die einmalige Stimmung dieses kühl-feuchten Urwalds hat sich dann erstmals bei der kleinen Wanderung auf den Rainforest Trails im Pacific Rim National Park der Westküste Vancouver Islands offenbart.

Rainforest Trail mit „Baumstamm-Unterführung“, Pacific Rim National Park

Rainforest Trail mit „Baumstamm-Unterführung“, Pacific Rim National Park

Diese Form des Regenwalds ist eine Spezialität der kanadischen Südwest- sowie der US-amerikanischen Nordwestküste (Olympic Halbinsel). Durch die häufig vorherrschende hohe Luftfeuchtigkeit und Seenebel bedingt sind die Zweige von Flechtenbehang gekennzeichnet, Baumstämme und Waldboden mit Moosen und Farnen bedeckt, was zu einer Art „mystischer Atmosphäre“ führt. Spannend finde ich dort auch, dass es im Gegensatz zu tropischem Regenwald relativ leise ist. Das Krächzen einiger großer Raben und die Stimme eines anderes Vogels, den ich nicht kenne, tragen zur Atmosphäre bei.

Moos im Küstenregenwald, Pacific Rim National Park

Mehr Details zu den Rainforest Trails und allgemein zur Westküste von Vancouver Island bei Tofino und Ucluelet findest du in unserem Reisebericht zum Pacific Rim National Park.

Knorrige, uralte Sitkafichten

In einer anderen Gegend von Vancouver Island mit weit weniger Besucherzahlen gibt es neben Küstenregenwald auch verschiedene besonders dicke, alte und knorrig gewachsene Bäume zu bestaunen. Bei der Gegend handelt es sich um den Juan de Fuca Provincial Park bei Port Renfrew im Süden der großen Insel.

Icon_Road_256Auf den ersten Blick wirkt die Strecke auf dem Highway 14 von Victoria bzw. Langford nach Port Renfrew wie eine Einbahnstraße, aber man kann einen Abstecher zu diesem Küstenabschnitt auch in eine Rundtour integrieren, wenn man die durchgehend asphaltierte Pacific Marine Road benutzt, die Port Renfrew mit Lake Cowichan verbindet.

Wir sind vom Cowichan Lake aus unterwegs und machen an einem unscheinbaren Parkplatz Halt, eigentlich handelt es sich nur um den Fahrbahnrand, der erkennen lässt, dass hier immer wieder Autos anhalten. Ich hatte mir die Stelle aber schon zuvor auf unserer Offline-Karte markiert (es ist von Vorteil, hier über GPS zu verfügen). Von der Straße aus sind es nur wenige Meter zu einer besonders alten und ehrwürdigen Sitkafichte, die hier im Wald steht und von der Straße aus nicht erkennbar ist. Der Baum ist zwar nicht freistehend, beeindruckt aber durch seinen dicken Stamm und den intensiven Flechtenbehang der Äste.

Sitkafichte "Harris Creek Spruce"

Diese „Harris Creek Spruce“ ist etwa 70 Meter hoch und mehrere hundert Jahre alt. Sie ist absolut einen Zwischenstopp wert, insbesondere wenn du Wald und Bäume magst!

Kerstin am Harris Creek Spruce, Vancouver Island

Kerstin an der Harris Creek Spruce, Vancouver Island

Nicht weit hinter Port Renfrew gibt es übrigens noch einen alten Baumbestand mit besonders knorrig gewachsenen Exemplaren, den Avatar Grove, den wir an diesem Tag leider wegen Zeitmangels nicht mehr anschauen können. Ein Abstecher zu diesen Bäumen kann sich aber lohnen (siehe auch Tipp am Ende des Beitrags).

Die Ehrfurcht einflößenden Mammutbäume Kaliforniens

Von den riesigen Sequoias der Sierra Nevada in Kalifornien habe ich bereits vor einiger Zeit geschrieben, ich will sie hier aber trotzdem nicht unerwähnt lassen, denn beeindruckendere Bäume gibt es wahrscheinlich auf der ganzen Welt nicht. Sequoias erreichen Stammdurchmesser wie keine andere Baumart, dementsprechend waren wir auch wirklich ergriffen und berührt, als wir unter ihnen umherwanderten.

Der Wald der im Deutschen auch Riesenmammutbäume genannten Sequoias hat wieder einen ganz anderen Charakter als der Küstenregenwald, es gibt weniger Pflanzen am Boden und es ist viel trockener. Die Luft und der von den Bäumen verbreitete Duft ist einmalig. 🙂

Die Größe der Bäume lässt sich auf Fotos nur dann halbwegs erkennen, wenn man durch Vergleichsobjekte, am besten Menschen, den Maßstab verdeutlicht. Beim folgenden Bild handelt es sich um den nach Masse größten Baum der Erde, den General Sherman im Sequoia National Park:

General Sherman Tree, Sequoia National Park

General Sherman Tree, Sequoia National Park. Man beachte die Menschen am Boden als Größenvergleich!

Zum Weiterlesen: Die größten Bestände an Riesenmammutbäumen kannst du im Sequoia National Park erleben, außerdem im benachbarten Kings Canyon und im von uns nicht besuchten Yosemite. Ganz wunderbar hat uns auch unser Ausflug zum Trail of 100 Giants im Giant Sequoia National Monument gefallen, den wir dir empfehlen, wenn du den Besuchermassen entfliehen willst und einen extra Tag investieren kannst.

Kerstin im Sequoia-Baumstamm, Kings Canyon National Park

Kerstin im Sequoia-Baumstamm

Die Redwoods stehen noch auf unserer Liste

Zu den Küstenmammutbäumen von Kalifornien und dem südlichen Oregon, die von den Einheimischen Redwoods genannt werden, haben wir es bislang nur im Rahmen von State Parks südlich von San Francisco geschafft. Richtig imposant sind sie aber erst nördlich von San Francisco, immerhin gehören zu dieser Art mit über 100 Metern die höchsten Bäume der Erde!

Mal sehen, wann wir den Redwood National Park kennenlernen dürfen.

Übersichtskarte mit den erwähnten Baumbeständen:

Cathedral Grove

Cathedral Grove

Rainforest Trails

Rainforest Trails

Harris Creek Spruce

Harris Creek Spruce

Avatar Grove

Avatar Grove

Redwood National Park

Redwood National Park

General Sherman Tree

General Sherman Tree

Trail of 100 Giants

Trail of 100 Giants

Bambuswald, Pipiwai Trail

Bambuswald, Pipiwai Trail

Zugabe: Bambuswald auf Hawaii

Du hast noch nicht genug und suchst ein besonderes Erlebnis, ganz anders als jeder Wald, den ich hier erwähnt habe oder den du in Mitteleuropa finden kannst? Dann mach dich auf nach Hawaii, dort gibt es nicht nur tropischen Regenwald, sondern auf der Insel Maui auch einen wirklich dichtgewachsenen und hohen Bambuswald!

Bambuswald, Pipiwai Trail, MauiUm den Bambuswald zu erleben, musst du eine kleine Wanderung auf dich nehmen, denn er befindet sich am Pipiwai Trail auf der Ostseite von Maui im Haleakala National Park. Mehr dazu im Beitrag „Die Rückfahrt von Hana“.

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Fazit

Bäume haben mich schon immer fasziniert und ich bin auch in Deutschland und Europa gerne im Wald unterwegs. Meinen Lieblingswald beziehungsweise besser gesagt meine Lieblingswälder habe ich jedoch im Westen Nordamerikas entdeckt. Die US-Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington sowie der Westen der kanadischen Provinz British Columbia sind für jeden Baum- und Waldfan unbedingt eine Reise wert!

Dieser Beitrag ist Teil der von Sabine auf ihrem Blog „Ferngeweht“ ausgerufenen Blogparade „Zeig mir deinen Lieblingswald!“, danke für die gute Idee!

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Reiseführer

Für die Planung eines Roadtrips auf der großen Insel hat mir zusätzlich zu Websites und Reiseblogs auch der Reiseführer „Vancouver Island“ aus dem Conbook-Verlag gute Dienste geleistet.

Avatar Grove

Sowohl der Cathedral Grove als auch die Harris Creek Spruce und der Avatar Grove sind auf dem Kartenausschnitt oben markiert, für mehr Infos empfehle ich jedoch zusätzlich die Webseite mit Karte zum Avatar Grove.

Hast du einen eigenen „Lieblingswald“ und magst mir davon berichten? Welche Wälder und Bäume sollte ich mir deiner Meinung nach wo auf der Welt noch anschauen? Wir freuen uns über jeden Kommentar! 🙂