Regenwald, Strand und Meeresrauschen im Pacific Rim National Park

von | 03.Sep.2016 | 2 Kommentare

Sonne, Strand und Meer, gleichzeitig Berge und Nadelwald bis zur Küste, das kann dir Vancouver Island bieten! Wir haben die große Insel im Rahmen unseres Kanada-Roadtrips bereist und möchten dir den Pacific Rim National Park vorstellen, der an der rauen Westküste liegt.
Dieser National Park gliedert sich in drei Hauptbereiche, wobei die meisten Menschen die Long Beach Unit besuchen, den nördlichen Teil des Parks zwischen Tofino und Ucluelet, den wir hier in diesem Artikel beschreiben.
Sonne, Strand, Meer, Wald und Berge auf einmal – was will man mehr?
Südlich von Tofino bilden unzählige kleine Inseln den mittleren Abschnitt des Parks, die Broken Group Islands, die einen eigenen Charme aufweisen und sich nur per Boot erkunden lassen. Der dritte und südliche Teil des Pacific Rim zieht sich um den langen Küstenabschnitt des West Coast Trails und ist trainierten Mehrtageswanderern vorbehalten.

Long Beach

Long Beach

Schooner Cove

Schooner Cove

Schooner Cove Trailhead

Schooner Cove Trailhead

Rainforest Trails

Rainforest Trails

Greenpoint Campground

Greenpoint Campground

Wild Pacific Trail

Wild Pacific Trail

Pacific Rim Visitor Center

Pacific Rim Visitor Center

Broken Group Islands

Broken Group Islands

Anfahrt über den Highway 4 zum Greenpoint Campground

Icon_Road_256Wer die Küstenstädtchen Tofino und Ucluelet sowie den dazwischen liegenden Pacific Rim National Park besuchen will, der muss zunächst eine längere, aber schöne Fahrt zurücklegen. Der Highway 4 ist die einzige asphaltierte Verbindung zum stärker besiedelten Osten und Süden Vancouver Islands, zwischen Qualicum Beach und dem Visitor Center des Pacific Rim liegen immerhin 130 km.

Die erste Hälfte des Streckenverlaufs wird durch mehrere Provincial Parks mit Wasserfällen und/oder altehrwürdigen, dicken Bäumen gekennzeichnet, die einen eigenen Beitrag Wert sind. Außerdem liegt z.B. Port Alberni auf dem Weg, die Besiedelung nimmt im weiteren Verlauf aber immer mehr ab, man fährt durch die Wildnis. Einige badetaugliche Seen liegen neben der Straße, später windet sich der Highway durch die Berge Richtung Westküste.

Am Visitor Center des Nationalparks erwerben wir zwei Jahrespässe, die sich lohnen, wenn man auch noch die Parks in den Rockies besuchen will. Anders als in den USA, wo man nur einen Jahrespass pro Fahrzeug (inkl. der Insassen) benötigt, gelten die Pässe in Kanada pro Person.

Icon_Campground_256Als nächstes belegen wir unsere Site im Greenpoint Campground, die ich bereits im Januar reserviert hatte. Will man den Pacific Rim in der Hauptsaison besuchen und mit Camper oder Zelt direkt im Nationalpark unterkommen, so kann ich eine frühzeitige Reservierung auch nur empfehlen – wir hätten keinen Platz mehr bekommen oder zumindest nicht eine Site mit Meerblick!

Sonnenuntergang am Long Beach

Mit unserem Platz im Campground sind wir also hochzufrieden, dass wir sogar das Meer sehen und natürlich auch rauschen hören können, ist das i-Tüpfelchen.

Nach dem Abendessen am eigenen Lagerfeuer wollen wir unbedingt noch zum Pazifik, mehrere kurze Wege führen zum Strand, der ein gutes Stück unterhalb des Campgrounds liegt. Den ganzen Tag über war es warm, im Inselinneren sogar ungewöhnlich heiß (teilweise über 30 Grad), hier an der Westküste etwas kühler, aber angenehm. Nun strahlt die untergehende Sonne durch die Bäume und sorgt für eine wunderbare Stimmung, die sich unten angekommen fortsetzt.

Trail vom Greenpoint Campground zum Long Beach,
Trail vom Greenpoint Campground zum Long Beach
Icon_Beach_256Der Long Beach ist sehr breit und viel feinsandiger, als ich gedacht hätte, mit viel Treibholz am Rand. Man kann kilometerweit laufen, wodurch sich die Menschen, die abends an den Strand gekommen sind, gut verteilen. Die feuchte Meeresluft verbindet sich mit den Sonnenstrahlen zu einem gelb-orangen Dunst und wir genießen unseren Spaziergang und den rauen und gleichzeitig fragilen Charakter am Rande des Pazifiks.

Erkundung des Regenwalds

Wo ist der Seaview hin? Nachdem morgens um 6 noch Sonne auf die Baumspitzen gestrahlt hat, ist gegen 7:30 Uhr unser Campingplatz in dichten Nebel getaucht. Das beunruhigt uns aber gar nicht, denn wir wissen, dass das nur „Seafog“ (Seenebel) ist, der morgens häufig kommt und sich zuverlässig wieder verziehen wird. Auch Vancouver ist häufig davon betroffen.

In der Tat wird sogar unser gesamter Aufenthalt von ungewöhnlich stabilem Sommerwetter mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen begleitet. Von anderen Reiseberichten wissen wir, dass das insbesondere an der Westküste auch anders sein kann, der Name „Regenwald“ kommt natürlich nicht von ungefähr…

Apropos, diesen Regenwald wollen wir uns heute näher ansehen. Die meisten werden dabei an tropischen Regenwald, Dschungel und Palmen an der Küste denken, so wie wir ihn auf Hawaii erleben durften, aber es gibt auch den kühleren Regenwald gemäßigter Breiten. Er entsteht durch feuchte Luftmassen, die der Pazifik bringt und die von den Bergen hinter der Küste aufgehalten werden – und er muss keineswegs weniger spannend sein als der Regenwald der Tropen!

Icon HikingIm Pacific Rim National Park gibt es die Rainforest Trails A und B, die zu beiden Seiten des Highways liegen und jeweils nur ca. 1 km lang sind. Wir nehmen uns fast zwei Stunden Zeit zum Erkunden, denn es gilt ein paar Treppenstufen zu nehmen und immer wieder Halt zu machen, um die Stimmung und die Stimmen des Waldes einzufangen.

Rainforest Trail
Rainforest Trail
Fotos können dies nur schwer zeigen, aber wir hoffen, dadurch trotzdem einen Eindruck vermitteln zu können. Die beiden Trails sind zum Großteil über Boardwalks geführt, was das Gehen vereinfacht und die dichte Pflanzenwelt mit Moosen und Farnen am Boden schont. Raben und andere Vögel, die sich in den Baumwipfeln befinden und nicht zeigen wollen, sind zu hören und neben vielen kleineren Bäumen gibt es auch noch ein paar mächtige Vertreter mit dicken Stämmen, die durch den Schutz des Nationalparks der Losging Industrie entkommen konnten (jeder Besucher von Vancouver Island wird auch unzählige abgeholzte Flächen bemerken…). Der Küsten-Regenwald ist außerdem durch einen dichten Flechtenbehang gekennzeichnet, welcher durch die eher kühle, aber feuchte Luft entsteht. Hemlocktannen wachsen auf den Stämmen ihrer umgefallenen Vorfahren und tragen zur Charakteristik des Regenwalds bei, die mich (als „Baumfan“) mehrmals andächtig werden lässt.

Hier gefällt es uns sehr gut und wir können beide Rainforest Trails nur sehr empfehlen!

Baumriese
Baumriese

Tidepools mit Seesternen am Schooner Cove

Ein weiteres Highlight befindet sich am nördlichen Ende der Long Beach Unit des Parks. Schooner Cove besteht nicht nur aus Strand, sondern auch aus unzähligen sogenannten Tidepools, Vertiefungen, in denen sich das bei Ebbe zurückziehende Wasser sammelt und Pfützen und Tümpel bildet.

Dieses besondere Schauspiel kann allerdings nur entdecken, wer bei Ebbe zum Strand wandert, der bei Flut kaum vorhanden ist, so stark ist hier die Tide (2-3 Meter Unterschied zwischen Ebbe und Flut!). Wir haben uns zuvor über die Wasserpegel informiert, als wir mal Internet hatten, z.B. hier: http://www.waterlevels.gc.ca/eng/station?sid=8615

Um zum Strand zu gelangen, muss man zunächst auch hier beeindruckenden Regenwald durchqueren, teils auf Boardwalks und über viele Stufen hinunter zur Küste. Dort angekommen fasziniert die Szenerie mit den Bergen im Hintergrund, dem schönen grünen Nadelwald und davor dem feinen Sandstrand. Sonne, Strand, Meer, Wald und Berge auf einmal: Was will man mehr?

Schooner Cove
Schooner Cove
Kerstin haben es die Gezeitentümpel besonders angetan, in denen man viele interessante Tiere sehen kann. Wir finden einen (lebendigen) Seestern. So etwas haben wir erstens nicht erwartet und zweitens noch nie im Leben gesehen. Er hat Glück gehabt, bei Ebbe in dem Tümpel gelandet zu sein. Die Flut nimmt ihn später wieder mit ins Meer.
Seestern am Schooner Cove
Wir sehen noch kleine Fische, Einsiedlerkrebse, weitere Seesterne und lustige grüne Weichtiere – Kerstin könnte hier Stunden zubringen.

Tofino

Tofino und Ucluelet sind die einzigen beiden Ortschaften, die es hier an der Westküste gibt. Sie liegen außerhalb des Nationalparks und bieten alle Versorgungsmöglichkeiten, Unterkünfte und Gastronomie.

Tofino ist bekannter und anscheinend beliebter, wird manchmal aber auch als „zu touristisch“ beschrieben. Etwas vorgewarnt fahren wir also in den Ort, der uns dann doch besser gefällt als erwartet – ganz so schlimm ist es mit dem „touristisch“ doch gar nicht, einige Häuschen sind hübsch anzusehen und die Lage an einer Bucht mit Bergen im Hintergrund ist idyllisch.

Am Hafen, der auch als Start- und Landeplatz für Wasserflugzeuge dient, beobachten wir einen Fischer, der sein Netz nach Krabben auswirft, die sich zahlreich am Meeresboden tummeln. Die meisten wirft er jedoch wieder ins Wasser, da die Tiere männlich sein und eine Mindestgröße aufweisen müssen.

Icon_Eat_128Im Restaurant Tuff Beans machen wir eine Kaffeepause und suchen Schatten, denn die Mittagssonne scheint kräftiger als gedacht. Einige Surfer zeigen, dass man auch hier sehr braun werden kann!

Ucluelet und Wild Pacific Trail

In Ucluelet geht es deutlich ruhiger zu als in Tofino. Hier erledigen wir v.a. unseren Einkauf, dafür vermissen wir schöne Gaststätten, wie wir sie in Tofino gesehen haben.

Icon HikingAllerdings hat Ucluelet den Wild Pacific Trail zu bieten, einen in mehrere Abschnitte unterteilten Küstenpfad, der immer weiter ausgebaut werden soll. Wir laufen den Lighthouse Loop (ja, es geht auch an einem kleinen Leuchtturm vorbei), einen 2,3 km langen Rundweg, der leicht zu wandern ist – meist geht man etwas oberhalb der Küstenlinie. Dadurch wird der Weg zwar einfacher und die Aussicht besser, man kommt aber auch selten ans Wasser heran. Wir haben uns etwas mehr davon versprochen, schön finden wir die Aussicht zu den Broken Group Islands. Insgesamt fanden wir die Trails im Nationalpark (Rainforest und Schooner Cove) aber lohnenswerter und eindrücklicher.

So wie Tofino dient übrigens auch Ucluelet als Basis für etliche Wal- und Bärenbeobachtungstouren per Boot oder Schiff und von unserem wunderbaren Bootsausflug zu den Broken Group Islands des Pacific Rim berichten wir an anderer Stelle ausführlicher. 😉

West Coast am Wild Pacific Trail
Küstenabschnitt am Wild Pacific Trail

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Fazit

Der Pacific Rim National Park hat uns noch besser gefallen, als wir dachten, wobei auch das herrlich sonnige Wetter eine Rolle gespielt haben mag.

Wir können auch auf keinen Fall sagen, dass dieser Park weniger spektakulär sei als andere Nationalparks in Nordamerika – vielmehr ist es so, dass es ein bisschen Zeit und Muße braucht, um die besonderen Schönheiten zu entdecken. Allen Freunden von wilder Küste, Wald und viel Natur sei der Besuch ans Herz gelegt!

fernweh-logo-gruen-150Tipps

 

Buchempfehlung

Der Reiseführer „Vancouver Island“ aus dem Conbook-Verlag hat mir bei der Reiseplanung und auch vor Ort wertvolle Dienste geleistet. Die Sehenswürdigkeiten entlang des Highway 4 und an der Westküste sind in Form einer eigenen Nebenroute relativ ausführlich beschrieben.

Das Kartenmaterial fällt allerdings etwa dürftig aus und die Unterteilung in Routen- und Faktenteil finde ich unpraktisch (hin- und herblättern), aber das Buch ist trotzdem für jeden, der Vancouver Island für mehrere Tage bereist, eine Empfehlung wert!

Zeitbedarf und Reisezeit

Schon auf dem Highway 4 gilt: Der Weg ist das Ziel! Und auch an der Westküste angekommen, will man ja nicht gleich am nächsten Tag wieder zurück, das lohnt nicht. Du solltest mindestens 2 Nächte im Bereich des Pacific Rim einplanen!

Wir haben VI im Juli besucht und im Sommer ist es dort klimatisch gesehen auch am schönsten, allerdings auch etwas „voller“ als z.B. im Mai/Juni oder September. Die Insel gilt ganzjährig als relativ mild, an der Westküste kann es jedoch etwas rauer und kühler sein als im Osten/Süden.

Hast du Fragen oder Anmerkungen, wie sind deine eigenen Erfahrungen? Wir sind gespannt auf deine Gedanken, bitte teile sie mit uns, indem du einen Kommentar hinterlässt. Danke!