Eine wunderbare Tour durch den Lower Antelope Canyon – auch mit Baby!

von | 23.Sep.2018 | 9 Kommentare

Die Upper und Lower Antelope Canyons gehören sicherlich zu den Highlights im Südwesten der USA und da wir es vorher noch nicht geschafft hatten, sie anzuschauen, haben wir sie mit in die grobe Routenplanung unserer Elternzeitreise aufgenommen. Allerdings stellte sich die Frage, ob eine der geführten Touren mit Baby überhaupt möglich ist?
Wir wollen dir im Folgenden nicht nur von unserer Tour durch den Lower Antelope Canyon berichten (wovon du reichlich auch auf anderen Reiseblogs finden wirst), sondern ganz besonders auch über unsere Erfahrung der Tour mit Baby!
Beim Lower Antelope Canyon handelt es sich um einen Slot Canyon in der Nähe von Page im US-Bundesstaat Arizona. Der Antelope Canyon besteht aus zwei Teilen, dem Upper und Lower Antelope Canyon und liegt im Gebiet des Navajo-Reservates. Er ist in unvorstellbaren 250 Millionen Jahren durch den Antelope Creek entstanden. Natürliche „Whirlpools“ haben die roten Steine in schöne Formen geschliffen und haben Bögen, Wellen und wie Tierköpfe und Fabelwesen anmutende Figuren erschaffen. Die beiden Antelope Canyons lassen sich ausschließlich im Rahmen einer geführten Tour besuchen.

Über den Besuch im Antelope Canyon haben wir uns im Vorfeld schon viele Gedanken gemacht. Kann man das mit einem acht Monate alten Baby machen? Klaus hat viel im Internet recherchiert und auch über Facebook in einer USA-Gruppe nach Erfahrungen gefragt. „Ja, es geht!“, war die mehrheitliche Meinung, aber man muss natürlich im Vorfeld einiges beachten, damit die Tour fürs Baby sicher ist und alle Beteiligten dieses kleine Abenteuer auch genießen können.

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Wir sind Kerstin und Klaus. Wir lieben es die Welt zu erkunden und dir Anregungen und Tipps für deine eigene Reise zu geben!

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Goldenes Licht im Lower Antelope Canyon, USA
Goldenes Licht im Lower Antelope Canyon

Überlegungen im Vorfeld: Upper oder Lower Antelope Canyon?

Zunächst muss man sich überlegen, ob man eine Tour durch den Upper oder Lower Antelope Canyon machen will. Buchen sollte man je nach Saison besser schon im Vorfeld. Wir waren im Mai, also noch vor der Hochsaison dort und es war bereits morgens ziemlich voll. Gerade in den „Prime Times“ mit bestem Licht zum Fotografieren können die Touren bereits lange im Vorfeld ausgebucht sein.

Eine der Treppen bzw. Metallleitern im Lower Antelope Canyon, USA
Eine der Treppen bzw. Metallleitern im Lower Antelope Canyon
Sowohl der Upper als auch der Lower Antelope Canyon haben ihren Reiz und auch in Bezug auf die Mitnahme eines Babys ihre Vor- und Nachteile:

  • Der Upper Antelope Canyon ist der bekanntere der beiden und berühmt für seine „Beams“: das Licht fällt je nach Tageszeit wie ein Bühnen-Spotlight durch den Canyon und sorgt für tolle Effekte. Hierfür ist die Mittagszeit ideal. Der Weg in den Canyon führt über einen breiten Eingang (ohne Treppen/Leitern) und auch im Canyon selbst hat man etwas mehr Platz und muss sich nicht durch enge Felsspalten zwängen. Der Nachteil in Bezug aufs Baby ist aber, dass man nicht selbst bis direkt zum Eingang fahren kann. Es gibt einen Shuttle-Service und man wird mit Jeeps durch die unwegsame Landschaft gefahren. Die eigene Babyschale kann man dort nicht anbringen und nicht alle Anbieter stellen mit Sicherheit Babyschalen zur Verfügung.
  • Im Lower Antelope Canyon sind keine Beams zu sehen. Man kann mit Auto oder Wohnmobil direkt in die Nähe des Eingangsbereichs fahren und vom Parkplatz sind es nur wenige Meter bis zum Eingang in den Canyon. Hier muss man allerdings erstmal einige steile Treppen bezwingen und der Weg durch den Canyon ist eng. Man muss aufpassen, dass man sich nicht den Kopf stößt und mit Baby in der Trage ist der Schwierigkeitsgrad nochmal erhöht. Auch im Canyon gibt es mehrere steile Treppen. Dafür herrschen im Canyon auch im Sommer angenehm kühle Temperaturen und die Felsformationen sehen wunderschön aus. Für diese Tour eignet sich aufgrund der Lichtverhältnisse der Vormittag am besten.
Wir haben die Vor- und Nachteile abgewogen und uns für den Lower Antelope Canyon entschieden. Eine Fahrt im Shuttle-Jeep über holprige Straßen und ohne Sicherheit, dass man das Baby in einer Babyschale korrekt und sicher anschnallen kann, wäre uns zu riskant gewesen.

Das Baby muss während der Tour mit Tragetuch oder Tragehilfe am Bauch getragen werden, damit man auch in den engen Felsspalten und steilen Leitern gute Kontrolle hat. Man darf keinerlei Taschen (auch keine Kamerataschen oder Wickeltaschen) und keine Stative mitnehmen. Kamera oder Smartphone darf man aber in der Hand haben. Go Pros und andere Kopfkameras sind jedoch nicht erlaubt. Und natürlich sollte man feste Schuhe, am besten Wanderschuhe tragen.

Kerstin mit Lundi in der Babytrage, daneben unser Guide im Lower Antelope Canyon, USA
Kerstin mit Lundi in der Babytrage, daneben unser Guide

Unsere eigenen Erfahrungen im Lower Antelope Canyon

„Und wo ist jetzt dieser Canyon? Ich seh nix…“

Wir stehen früh auf, denn wir müssen schon um 7:15 Uhr am Treffpunkt sein. Auf dem Hinweg frage ich mich, wo denn jetzt eigentlich der Canyon ist, man sieht ja gar nichts. Irgendwie hatte ich mir vorgestellt, dass man den Canyon, durch den wir gehen wollen, irgendwie doch von Weitem sieht. Ein Canyon, der sich unter einer kleinen Felsspalte versteckt, ist schon irgendwie verrückt.

Der Lower Antelope Canyon von oben – man könnte ihn direkt übersehen
Der Lower Antelope Canyon von oben – man könnte ihn direkt übersehen
Wir haben absichtlich die erste Führung um 7:45 Uhr gebucht, damit man nicht zu lange in der prallen Sonne warten muss, bis es losgeht. Vor uns werden aber trotzdem schon einige Tourbusse voller Asiaten abgefertigt. Man hat sich hier auf die Asiaten eingestellt, das sehen wir an der Gruppe direkt vor uns. Der Ton des Guides ist schon fast paramilitärisch. „Zack in Reihe stellen! Schnell, schnell, schnell. Was?! Du willst ein Foto?! Okay. Stell dich hier hin. 3,2,1 und lächeln. Und weiter! Schnell, schnell, schnell!“ Die Asiaten haben dabei sichtlich Spaß und bekommen trotzdem mehr als genug Fotos von sich und dem Canyon.

Es ist ein schöner sonniger Tag. Man merkt, dass es in wenigen Stunden bestimmt sehr heiß sein wird, aber noch ist die Temperatur ganz angenehm. Lange müssen wir aber dennoch nicht warten, dann werden wir unserem Guide vorgestellt. Wir sind eine kleine Gruppe (wohl auch ein Vorteil der frühen Uhrzeit): nur wir drei, zwei Franzosen und ein sehr entspannter Guide, der uns behutsam und bedächtig in und durch den Canyon führt.

Der Abstieg in den Lower Antelope Canyon, USA
Der Abstieg in den Lower Antelope Canyon
Zunächst geht es viele durchaus steile Treppen hinab in den Canyon. Dadurch, dass es Gruppen vor und hinter uns gibt, kommen da ganz schön viele Menschen zusammen. Einen kurzen Moment wird mir ein bisschen mulmig, so viele Menschen über und unter uns und es wird immer enger und geht relativ steil hinab. Aber dann sind wir auch schon unten und wirklich mitten im Canyon. Die Menschenmassen verlaufen sich ein wenig. Lundi bekommt von alldem nicht so viel mit, sie schläft schon immer gern in der Babytrage und ist auch diesmal bereits eingeschlafen, als wir unten im Canyon angekommen sind.
Farben und Formen im Lower Antelope Canyon, USA
Fantastische Farben und Formen
Drinnen ist es unwirklich und atemberaubend schön. Dadurch, dass das Wasser nach immer mal wiederkehrenden Sturzfluten in Jahrmillionen Strudel und kleine Whirlpools gebildet hat, haben sich schöne Formen ausgewaschen. Die Steine sehen fast wellenförmig aus und werden durch das von oben kommende Sonnenlicht wunderbar angestrahlt und in leuchtende Farben getaucht.
Farbverlauf im Lower Antelope Canyon
Unser Guide erzählt uns, dass Microsoft und Apple hier die Fotos für die Bildschirmschoner machen. Ja, für Fotografen ist das hier ein Eldorado. Klaus profitiert von der kleinen Gruppe, die es doch ermöglicht, ein paar gute Fotos ohne Menschenmassen zu machen. Bis vor kurzem wurden so wie im Upper auch im Lower Antelope Canyon spezielle Fotografen-Touren angeboten, mit kleiner Gruppengröße und Gelegenheit professionellere Aufnahmen zu machen (Stative erlaubt). Momentan stehen die aber nicht auf dem Programm. Hier wären Babies allerdings auch nicht zugelassen.
Unser Guide gibt mir den Tipp, bei meinem iPhone den Filter „strahlend warm“ einzustellen, hiermit werden die Felsformationen besonders gut ins Licht gesetzt.
Warme Farben auch mit dem iPhone – Lower Antelope Canyon, USA
Warme Farben auch mit dem iPhone
Bläuliches Licht mit dem iPhone – Lower Antelope Canyon, USA
Ein weiteres mit dem iPhone aufgenommenes Foto.

Weitere Fotos:

Die Wanderung durch den Canyon mit Baby

Angenehm ist, dass der schwierigste Teil gleich zu Beginn ist. Ist man einmal unten, ist der Canyon überschaubarer. Ich habe zu keiner Zeit Angst, dass Lundi etwas passieren könnte und kann die Tour in vollen Zügen genießen. Man läuft durch eine fast surreale Gesteinswelt, manchmal sieht es aus, als seien die Steine in Bewegung, wie ein ‚fließender‘ Seidenstoff. Man braucht nicht viel Fantasie, um in den Steinen Tiere und Gesichter zu erkennen.

Violettes Licht im Lower Antelope Canyon, USA
Natürlich muss man sich ab und an durch die Felsspalten schlängeln, aber das ist kein Problem. Ich bin trotz meiner ‚Überbreite‘ mit Lundi in der Trage nie irgendwo angestoßen. Und überhaupt ist es sicher im Canyon, denn da es hier nur geführte Touren gibt, muss man keine Angst haben, dass oben jemand Sand oder Steine in den Canyon tritt, während man selbst unten entlangläuft. Einzig Springfluten („flash flood“) können hier gefährlich werden. Dies ist, erzählt uns der Guide, vor einigen Jahren ein paar Touristen zum tödlichen Verhängnis geworden. Bei lang anhaltendem Regen bildet sich im Antelope Creek ein See, der irgendwann überläuft und den Canyon flutet (dabei muss es im Canyon selbst gar nicht regnen, sondern einige Meilen entfernt). Seitdem finden bei Regen keine Touren statt.
Durch den Slot Canyon muss man sich durchschlängeln – Lower Antelope Canyon, USA
Durch den Slot Canyon muss man sich durchschlängeln
Unser Guide zeigt uns interessante Formationen, die meist nach Tieren oder Indianerhäuptlingen benannt werden, erzählt Wissenswertes zur Entstehung und Geologie und bietet immer wieder an, auch Fotos von den Teilnehmern zu machen. Wir machen also auch ein Familienfoto vor schöner Kulisse.
Slot Canyon mit Metalltreppe – Lower Antelope Canyon, USA
Auch im Canyon gibt es immer mal wieder so eine Metalltreppe
Der Aufstieg ist sanfter und hier gibt es nur ein paar wenige Stufen. Relativ unvermittelt ist man auf einmal wieder oben. Ich werfe nochmal einen Blick zurück und mache ein Foto vom Canyon. Kaum zu glauben, welche Schönheiten sich unter dieser unscheinbaren Felsspalte verbergen. Lundi-Baby hat die ganze Zeit über selig geschlafen und wird auch erst wach, als wir längst wieder am Treffpunkt angekommen sind. Dort gibt es dann noch Trinkwasser und wir verabschieden uns von unserem Guide.

Exkurs: Welche Babytrage ist geeignet?

Grundsätzlich eignen sich alle Tragetücher und Tragehilfen, mit denen man das Baby in Anhock-Spreiz-Haltung Bauch an Bauch tragen kann. Auf diese Weise hat man eine gute Kontrolle über das Kind, es kann sich an Mama oder Papa schmiegen und bei Bedarf einfach einschlafen. Das Kind ist dann korrekt eingebunden, wenn es dem Tragenden noch gelingt, dem Kind einen Kuss auf den Kopf zu geben.

Auf diese Weise kannst du bei Engstellen mit deinen Händen den Kopf des Babys zusätzlich vor Stößen schützen. Ist das Baby wach, kannst du mit ihm kommunizieren und schauen, wie es auf die ungewohnte Umgebung reagiert. Das Tragen auf dem Rücken können wir im Lower Antelope Canyon nicht empfehlen und wahrscheinlich wird es auch nicht erlaubt sein, denn hier wäre das Risiko zu hoch, dass der Kopf des Kindes an die Felsen stößt.

Weil wir es in Amerika, aber auch zuhause in Deutschland leider zu oft sehen mussten, möchten wir noch ein Wort zum vorwärts gerichteten Tragen loswerden (Babies Rücken am Bauch des Tragenden). Diese Trageweise ist zum einen für den Antelope Canyon völlig ungeeignet: Das Baby kann nach vorn schauend viel mehr zappeln, ist damit schwerer unter Kontrolle zu halten und vor Stößen zu schützen und ist dieser ungewohnten, fremden Umgebung schutzlos ausgeliefert. Es sieht Mama und Papa nicht und kann sich nicht rückversichern, ob auch wirklich alles in Ordnung ist.

Aber auch sonst ist diese Art zu Tragen gesundheitlich mehr als fragwürdig für das Baby:

  • Es ist keine Anhock-Spreiz-Haltung möglich, dies schadet den ohnehin noch unreifen Hüftgelenken und das ganze Gewicht des Babys lastet auf den Genitalien.
  • Beim Tragen mit Blick nach vorne kann Babys Rücken nicht gestützt werden, es fällt ins Hohlkreuz, die Beine sind zwangsläufig gestreckt und fallen nach unten.
  • Das Baby ist allen äußerlichen Reizen schutzlos ausgeliefert, es kann nicht mit seinen Bezugspersonen kommunizieren, es kann sich nicht wegdrehen und abschalten.

Ausführlichere Informationen zur Blickrichtung beim Tragen findest du beispielsweise auf dem Hebammenblog, auf dem Blog Geborgen Wachsen oder bei einer Trageberatung in deiner Nähe.

Weich geschliffene Felsen im Lower Antelope Canyon, USA

Fazit

Die Tour durch den Lower Antelope Canyon hat sich auf jeden Fall gelohnt und war gut machbar mit Baby. Es geht anfangs ein paar etwas steilere Metalltreppen herunter und man muss manchmal etwas gebückt gehen oder sich durch Felsspalten schlängeln, aber dann kommt man eigentlich überall gut durch.

Vielleicht auch durch den glücklichen Umstand begünstigt, mit einer sehr kleinen Gruppe unterwegs gewesen zu sein, gehören unsere Eindrücke von diesem Slot Canyon zu den Highlights unseres siebenwöchigen Roadtrips!

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Fotografieren ohne Stativ

Da bei einer Tour mit Baby Stative nicht erlaubt sind, stellt sich die Frage, wie man bei den schwierigen Lichtverhältnissen im Canyon frei Hand zu brauchbaren Fotos kommen kann.

Du solltest dich schon vorher mit den möglichen Kamera-Einstellungen auseinandersetzen und einige Testaufnahmen bei schwächerem Licht gemacht haben. Im Idealfall kannst du den ISO-Wert (die Lichtempfindlichkeit) erhöhen, ohne dass sich zu starkes Rauschen bemerkbar macht und bist so nicht auf lange Verschlusszeiten angewiesen, die leicht zu Bewegungsunschärfe führen. Eine eingebaute Bildstabilisierung kann außerdem helfen, auch noch bei ca. 1/10 Sekunde Verschlusszeit ohne Verwacklung zu fotografieren.

Bei einigen Bildern habe ich auch die in meiner Sony-Kamera integrierte HDR-Funktion erfolgreich eingesetzt, bei der aus drei verschieden belichteten Aufnahmen ein Foto mit höherem Kontrastumfang erzeugt wird. Dies kann in so einem Slot Canyon sehr hilfreich sein, denn die Unterschiede zwischen helleren und dunkleren Bereichen sind oft größer, als es eine Kamera korrekt belichten kann. Natürlich lässt sich das auch später am Computer erledigen, aber das erfordert Software, weitere Kenntnisse und – nicht zu unterschätzen – mehr Zeit.

Beiträge anderer Reiseblogger

An dieser Stelle möchten wir noch auf die folgenden empfehlenswerten Beiträge unserer Bloggerkollegen verweisen, die ebenfalls vom Lower Antelope Canyon bzw. den Besuch mit Baby oder Kindern handeln:

Hast du weitere Fragen oder magst du von deinen eigenen Erfahrungen im Antelope Canyon mit Baby berichten? Dann zögere bitte nicht und schreibe unten einen Kommentar, unser Blog lebt auch von den Anmerkungen unserer Leser!

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