Altehrwürdig, rustikal oder mondän? Kulinarisch unterwegs im Yellowstone Nationalpark

von | 31.Mrz.2019 | 2 Kommentare

Zu einem gelungen Nationalparkerlebnis gehört für uns seit wir den ersten gemeinsamen Roadtrip durch die Weststaaten gemacht haben, ein Besuch in den meist urig-schönen Dining-Rooms der Lodges und Hotels. Ganz besonders hat es uns da der Yellowstone angetan, den wir ja sowieso so gerne mögen, und so möchten wir euch hier unsere drei Lieblingsrestaurants im Yellowstone National Park vorstellen.

Den Yellowstone haben wir bislang während zweier Roadtrips besucht, im Sommer 2014 zum ersten Mal für fünf Tage, damals mit Mietwagen und Übernachtungen in Cabins und Ende Mai 2018 für acht Tage mit dem Wohnmobil auf Campgrounds innerhalb des Parks. In diesem Beitrag berichte ich in erster Linie von unseren Restaurant- und Dining-Room-Besuchen während unseres 2018er Trips.

Altehrwürdig: Das Old Faithful Inn

Das Old Faithful Inn ist ein für amerikanische Verhältnisse wirklich historisches Gebäude. Im Juni 2018 ist es 114 Jahre alt geworden und beeindruckt uns immer noch und immer wieder. Bereits in 2014 haben wir in einer dazugehörigen Cabin übernachtet und im Restaurant gegessen und die einzigartige Atmosphäre genossen. Weil es so einzigartig ist, wollen wir hier nicht nur über das Restaurant, sondern über das ganze Gasthaus schreiben.

Das Old Faithful Inn von außen, Yellowstone National Park

Das Old Faithful Inn von außen

Besser reservieren … aber wie?

Da es in unmittelbarer Nähe des Old Faithful keine Campingplätze gibt und wir so eine längere Anfahrt haben, wollen wir diesmal bereits vorher einen Tisch reservieren, denn besonders für abends ist das zu empfehlen. Mit Hilfe der wirklich netten Mitarbeiter am Canyon Campground haben wir einen Tisch bestellt. Dachten wir zumindest. Irgendetwas hat mit der Reservierung nicht geklappt, wir stehen auf keiner Liste. Man arbeitet hier „in the middle of nowhere“, wie die Leute am Canyon Campground uns erzählen, mit einer Art DOS-System, was schwierig und fehleranfällig ist. Offensichtlich. Aber man ist im Old Faithful Inn sehr bemüht, uns trotzdem zu helfen uns so bekommen wir nach nur kurzer Wartezeit doch noch einen Tisch. Zwar nicht vorne im eigentlichen Dining-Room, sondern im Anbau hinter dem Kamin, aber wir freuen uns trotzdem.

In Zukunft würden wir einfach von einer der Telefonzellen im Nationalpark telefonisch einen Tisch reservieren. Die Mobilfunk- und Internetabdeckung ist im Park absolut rudimentär. Wenn man ohnehin vor Ort ist, reicht es, wenn nicht gerade ein nationaler Feiertag ist, ein paar Stunden vorher zu reservieren.

Besonders schön: die Lobby im Old Faithful Inn, Yellowstone National Park

Besonders schön: die Lobby im Old Faithful Inn

Das historische Gebäude

Wenn man das Old Faithful Inn betritt, fällt sofort die beeindruckende Architektur auf. Der Innenraum ist ganz aus Holz und Steinen gebaut. Man verwendet dazu die Lodgepole Pines (zu deutsch Küsten-Kiefer), die schöne gerade Stämme bilden. Vom Innenraum kann man mehrere Etagen hoch schauen. Die knorrigen Äste an den Treppen und der Balustrade sorgen für einen ganz urigen Charme. Am zentralen Kamin gibt es eine große Uhr vor steinernem Hintergrund. Die Atmosphäre hier ist einzigartig. Oben wird Live-Musik gespielt, wir hören erst eine Geigerin, später tritt eine Cellistin auf und man kann sich einfach ein schönes Plätzchen suchen und verweilen. Wir schlendern erst durch die Gift Shops und kaufen ein paar Souvenirs. Dann nehmen wir an einer 45-minütigen Tour durch das Gebäude teil, die dreimal am Tag kostenlos angeboten wird. 

Ruth, die Führerin im historischen Kostüm, erzählt uns etwas über den Architekten, den damals 29-jährigen Robert C. Reamer, der im Laufe der Jahre auch noch weitere Gebäude im Nationalpark im selben Stil entworfen hat. Das Old Faithful Inn ist innerhalb nur eines Jahres gebaut worden. Man hat sogar den harten, langen Winter durchgearbeitet, um pünktlich eröffnen zu können. 

Die ersten Reisenden haben damals 50 Dollar für 5 Tage Yellowstone (per Kutsche mit mehreren Stationen) bezahlt, umgerechnet auf den heutigen Dollarkurs entspricht das stattlichen 1300 US-Dollar. Das Old Faithful Inn war also zunächst nur etwas für reiche Leute. Die nicht so Wohlhabenden haben in der Umgegend gezeltet. Ein reicher Reisender der ersten Tage des Old Faithful Inn schrieb dann in seinem Tagebuch, dass er vom Aussichtspunkt am Geysir das Lachen und Singen der Camper in ihren Zelten und am Lagerfeuer gehört hat. Dabei dachte er sich: „Warum haben die so einen Spaß und bei uns ist alles so stocksteif?“ Also hat man sich im Old Faithful Inn auch um ein bisschen Entertainment bemüht. Und so wird damals wie heute Musik gespielt und zur Unterhaltung gab es u.a. diese Popcorn-Maschine, die Ruth auf dem Bild zeigt. 

Wir schauen uns auch noch ein Zimmer an, das gerade nicht vergeben ist. 159 Dollar muss man für die Nacht in einem Zimmer bezahlen ohne eigenes Bad, dafür mit einer Einrichtung, die sich optisch in den letzten 100 Jahren kaum verändert hat.

Das Restaurant

Der Dining-Room im Old Faithful Inn hat hier wirklich Restaurant-Charakter, so wie man es auch aus Europa kennt. Auch die Speisekarte unterscheidet sich von den in Amerika vorherrschenden Family-Diners. Natürlich schlägt sich das auch in den Preisen nieder. Für eine Vorspeise zum Teilen, zwei Hauptgerichte, zweimal Nachtisch plus Getränke zahlen wir ingesamt rund 100 Dollar. Nichts für jeden Tag, sondern für ein besonderes Urlaubs-Erlebnis.

Für Klaus gibt es gebratene Wachteln und für mich Hühnchen-Brust. Zu beiden Gerichten werden Stampfkartoffeln und Gemüse gereicht. Zum Nachtisch gibt es für Klaus noch die Yellowstone Caldera, ein Schokoküchlein mit flüssigem Kern, die ist ihm seit unserem ersten Besuch in 2014 in guter Erinnerung geblieben. Für mich gibt es auch ein Küchlein mit Huckleberry-Eiscreme.

Wachteln als Hauptgericht im Old Faithful Inn, Yellowstone National Park

Wachteln als Hauptgericht im Old Faithful Inn

Man kann hier schon ganz gut essen, allerdings könnten für diesen Preis die Speisen qualitativ noch ein wenig hochwertiger sein. So war das Fleisch nicht mehr ganz so heiß und die Möhren hätten etwas länger gekonnt. Aber das Ambiente in diesem altehrwürdigen Gasthaus macht vieles wett. Und so gibt es von uns dennoch eine klare Empfehlung, hier einmal zu dinieren.

Für morgens können wir das Frühstücksbuffet empfehlen. Für ca. 15 Dollar pro Person kann man es sich am All-you-can-eat-buffet wirklich gut gehen lassen. Ein Orangensaft und ein Kaffee sind im Preis inbegriffen.

Mondän: Lake Yellowstone Hotel Restaurant

Das Lake Yellowstone Hotel ist sogar noch älter als das Old Faithful Inn, aber es wirkt zeitlos und mondän. Alles ist hier etwas schicker, auch die Angebote im Gift Shop sind etwas hochwertiger und teurer. Die Lage ist fantastisch, direkt am größten Bergsee Nordamerikas!

Auch hier gilt es, frühzeitig zu reservieren: Als wir nachmittags einen Tisch fürs Abendessen buchen wollen, gibt es nämlich zunächst Ernüchterung. Die früheste Möglichkeit ist 20:45 Uhr, was mit Baby und mindestens einer Stunde Fahrt zum Campingplatz zu spät ist. Aber man bietet uns an, um 17:30 zur Öffnungszeit des Restaurants wiederzukommen und uns auf die Warteliste setzen zu lassen, um mit etwa 30-45 Minuten Wartezeit noch einen Tisch zu bekommen. Gut, letztlich wurden es 55 Minuten und wir hatten schon Angst, dass Lundis Laune kippt, aber am Ende war doch alles gut. 

Auch heute noch kann man mit diesem historischen Bus zum Hotel gebracht werden, Yellowstone National Park

Auch heute noch kann man mit diesem historischen Bus zum Hotel gebracht werden.

Man kann definitiv schlechter warten: Wir sitzen auf den gemütlichen Sesseln und Sofas in der Main-Lobby mit Blick auf den See. Die Kellner der Bar in der Lobby kommen vorbei, man kann Getränke bestellen, während man wartet, man muss aber nicht. Um 18 Uhr beginnt die Pianistin zu spielen, was Lundi sichtlich Spaß macht, aber auch die Pianistin freut sich über das Baby, das ihre Musik so mag. Also alles gut. 

Die Lobby des Lake Yellowstone Hotels mit toller Aussicht, Yellowstone National Park

Die Lobby des Lake Yellowstone Hotels mit toller Aussicht

Das Essen ist mit das Beste, was wir hier auf Reisen bisher hatten. Das Hotelrestaurant ist zwar sogar noch etwas teurer als das Old Faithful Inn, dafür ist das Essen wirklich exzellent und es gibt Silberbesteck und Stoffservietten. Für Klaus gibt es Wild-Burger mit Potato-Wedges und für mich Kürbis-Spaghetti mit Gemüse, Pilzen und Bison Tenderloin Strips, die echt der Knaller sind. Sie sind wunderbar gebraten, außen scharf angebraten und innen rosa und sie zergehen fast auf der Zunge. Selten haben wir so gut gegessen und vor lauter Begeisterung vergessen wir ein Foto vom Essen zu machen.

In der Lobby des Lake Yellowstone Hotels, Yellowstone National Park

In der Lobby des Lake Yellowstone Hotels

Rustikal: Roosevelt Lodge

Die kleinere Roosevelt Lodge im ruhigeren Nordosten des Yellowstone Parks öffnet aufgrund der Höhenlage als letzte ihre Pforten nach der Winterzeit. Als wir am ersten Tag der Saison, am 1. Juni, vormittags dort ankommen, ist es trotz brennenden Gas-Kamins noch kalt, leer und ungemütlich. Wir machen ein paar Fotos und gehen wieder in unser gemütliches Wohnmobil und warten, bis Lundi ihren Mittagsschlaf beendet hat. 

Um die Mittagszeit versuchen wir es ein zweites Mal und es ist inzwischen warm und so voll, dass wir erstmal 20 Minuten auf einen Tisch warten müssen. Reservieren kann man hier nicht, man kommt, lässt sich, wenn kein Tisch frei ist, auf die Liste setzen, bekommt einen Pager und wartet. Die Lodge und das Restaurant hatte ich noch aus 2014 in guter Erinnerung und mich schon sehr gefreut, dass wir wieder dort essen können. 

Hier ist es rustikal und gemütlich. Der Raum ist zweigeteilt: zur Linken gibt es eine kleine Bar, die abends öffnet, Sitzgelegenheiten und eine Feuerstelle. Geradeaus ist die Rezeption für die Cabin-Gäste und ein kleiner Gift-Shop und zur Rechten das Restaurant, ebenfalls mit einer Feuerstelle.

Im Dining Room der Roosevelt Lodge, Yellowstone National Park

Im Dining Room der Roosevelt Lodge

Die Speisekarte ist hier bodenständiger als in den beiden anderen Restaurants, es gibt einige Wildgerichte (hauptsächlich Bison und Wapiti), aber auch Burger, Sandwiches, Pommes, Pasta und Salate.

Es gibt für mich einen großen Taco Salat mit Bison-Wapiti-Hack und Klaus isst Nudeln Bolognese ebenfalls mit Bison-Wapiti-Hack, zum Nachtisch gibt es einen dekadenten Brownie mit viel Schlagsahne, Fudge und Vanilleeis. Danach sind wir pappsatt und zufrieden. Auch preislich ist es hier eher auf Family-Diner-Niveau. 

Frühstück gibt es hier á la carte. Es hatte uns in 2014 ganz gut gefallen, aus Zeitgründen haben wir es auf dieser Reise nicht ausprobieren können.

Wenn es schnell gehen soll

Der Old Faithful Snow Lodge Geysir Grill ist ein Diner, wo man klassisch Burger, Pommes und Limo bekommt. Einige der Burger werden in Bio-Qualität angeboten.
In der Old Faithful Lodge Cafeteria gibt es ein Selbstbedienungsrestaurant mit Kantinen-Charakter. In beiden Locations isst man günstig und ganz okay.

Die Canyon Lodge Eatery ist ebenfalls eher modern und es gibt Fastfood und Eiscreme; abends öffnen eine Cocktail-Bar und ein Grill.

Im General Store im Lake Yellowstone Village gibt es ebenfalls einen als ‚Fountain‘ bezeichneten Diner. Im Yellowstone Lake Hotel gibt es außerdem das Lake Hotel Deli mit Selbstbedienung.

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Fazit

Dinieren in einer Nationalpark Lodge ist für uns immer ein Highlight. Die drei beschriebenen im Yellowstone können wir euch besonders ans Herz legen. Für nähere Informationen lohnt sich ein Blick auf die Website des Yellowstone Parks bzw. der Park Lodges. Hier gibt es eine Übersicht über alle Restaurants im Park.

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Unsere befreundeten Blogger von Safe Travels haben einen Beitrag mit Lieblings-Restaurants von USA-Kennern verfasst, in dem wir auch die Roosevelt Lodge beschrieben haben. Schau dir auch mal die anderen Empfehlungen an!

Hast du Fragen, Anmerkungen oder eigene Erfahrungen zu den Lodges im Yellowstone und magst davon berichten? Wir freuen uns über jeden Kommentar, der unser Blog bereichert! 🙂