Weihnachten im Yellowstone – Nicht nur im Dezember ein Erlebnis

von | 23.12.2016 | 2 Kommentare

Der Yellowstone ist nicht nur der älteste Nationalpark der Welt, mit seinen geothermalen Quellen, Geysiren, brodelnden Schlammtöpfen und seinen Wildtieren ist er für uns einer der vielfältigsten, beeindruckendsten und schönsten.

Als Ort um die Weihnachtsfeiertage zu verbringen wird er wohl eher selten gewählt, bei strengem Frost und Temperaturen bis zu -40 Grad Celsius und meterhohem Schnee verirren sich in den Wintermonaten nur wenige Touristen in den Yellowstone. Weihnachten kann man aber dort nicht nur im Dezember, sondern auch am 25. August feiern, wie wir auf unserer Reise mit Erstaunen feststellten.

Schneefall im Hochsommer

Der Yellowstone Nationalpark ist durch seine Lage in den Rocky Mountains plötzlichen und zum Teil extremen Wetterwechseln ausgesetzt. So kann die Temperatur auf den Bergen auch im Hochsommer schon einmal unter den Gefrierpunkt fallen.

Wir haben so einen Kälteeinbruch bei unserem Besuch im August 2014 am eigenen Leib erlebt. Zwar fiel kein Schnee, aber wir hatten morgens in den Bergen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und es war tagsüber mit Temperaturen im einstelligen Celsiusbereich ziemlich kalt, so dass wir uns tatsächlich im Hochsommer im Visitor Center am Old Faithful Mützen, Schal und Handschuhe kaufen mussten. – Ganz schön ungewohnt, wenn man noch vor ein paar Tagen durch die sengende Hitze Kaliforniens oder Las Vegas spaziert ist.

Zufällig waren wir um den 25. August im Yellowstone und stellten verwundert fest, dass die Lodges und Shops im Park mit Weihnachtsbäumen, Lichterketten, Santa-Claus-Figuren und all den anderen typischen Weihnachtsdekorationen geschmückt wurden und man sogar Weihnachtslieder spielte und sich „Merry Christmas“ wünschte.
„Christmas comes twice a year – once at home and once up here“

Savage Christmas – Wilde Weihnacht

Der Ursprung dieser Tradition, Weihnachten im Sommer zu feiern, ist nicht ganz klar, hierzu kursieren mehrere Legenden. In den 1930er Jahren gab es in den Rocky Mountains bereits die Tradition, dass die Beschäftigten in den Nationalparks und Recreation Areas am 25. Juli ein alternatives, ‚wildes‘ Weihnachten („Savage Days“ oder „Savage Christmas“) feierten. Sie nahmen sich einen freien Tag, verkleideten sich als Santa Claus und feierten gemeinsam Weihnachten.

Im Yellowstone erzählt man sich jedoch diese Geschichte:

Im frühen 20. Jahrhundert wurde eine Gruppe Reisender im Sommer von einem plötzlichen Wetterumschwung mit heftigem Schneesturm überrascht und strandete im Old Faithful Inn. Die Natur versank in tiefem Schnee, was die überraschten Touristen im August natürlich nicht gewohnt waren. Da dies richtig schön weihnachtlich aussah und alle miteinander froh waren, dem Schneesturm heil entkommen zu sein und am warmen Kamin zu sitzen und überdies gerade der 25. war, beschloss man Weihnachten im Sommer zu feiern. Man sang Weihnachtslieder am Kamin und die Beschäftigten holten die Weihnachtsdekoration hervor.

Und weil das so schön war, beschloss man fortan im Yellowstone zweimal im Jahr Weihnachten zu feiern, einmal im August und einmal – wie der Rest der Welt – im Dezember.

Und so saßen auch wir in der Roosevelt-Lodge am Kamin neben dem geschmückten Weihnachtsbaum, tranken Portwein und Irish Coffee und fühlten uns angesichts der knackigen Temperaturen draußen und der Gemütlichkeit drinnen tatsächlich ein bisschen weihnachtlich gestimmt.

Am Visitor Center stand ein weiterer großer Weihnachtsbaum, an den Reisende auf Sternanhänger Weihnachtswünsche geschrieben haben. Das haben auch wir uns nicht nehmen lassen und haben auch ein „Frohe Weihnachten“ an den Baum gehängt.

Unser Weihnachtsstern
Unser Weihnachtsstern

Gemütlichkeit in der Roosevelt-Lodge

Icon_Farm-House_256Die Roosevelt Lodge wurde im Jahre 1920 im nördlichen Teil des Yellowstone Nationalpark errichtet und ist nach dem 26. Präsidenten der Vereinigten Staaten benannt, da sie sich unweit seines Lieblingsplatzes befindet. Die Lodge ist ein Tribut an den Wilden Westen: rustikal eingerichtet mit viel Holz, zwei offenen Feuerstellen, Saloon und Bar zur Linken, Rezeption geradeaus (von hier aus kann man die kleinen Hütten – Cabins – mieten) und einem Restaurant rechter Hand.

Icon_Eat_128Das Essen im Restaurant ist phantastisch und etwas günstiger als z.B. beim Old Faithful: sehr leckere und großzügige Portionen und freundliches Personal.

Im Saloon herrscht eine gemütliche und angenehme Atmosphäre, die so typisch ist für nordamerikanische Nationalparks: die Reisenden treffen sich entspannt an der Bar und philosophieren beim Wein, kuscheln sich in die großen Sofas oder sitzen an Tischen und spielen Karten oder schreiben Postkarten, andere warten hier auf einen Tisch fürs Abendessen. Getränke gibt es nur an der Bar, wenn du aber einfach nur hier sitzen möchtest, ist das auch in Ordnung. Anders als in Deutschland bist du hier nicht gezwungen, etwas in der Gaststätte zu konsumieren.

Eine Zauberwelt im Winter

Der Yellowstone ist natürlich auch im „echten“ Winter eine Reise wert und bietet dann ganz eigene Reize. Jeder, der den Park nur vom Sommer kennt, wird sich kaum vorstellen können, wieviel weniger Besucher in den Wintermonaten unterwegs sind.

Der regelmäßig ab November/Dezember reichlich fallende Schnee verwandelt alles in eine Winter-Wunderlandschaft, die allerdings eine ganz besondere ist, denn die Geysire und heißen Quellen sind ja nach wie vor aktiv. Es dampft dann besonders stark und die farblichen Kontraste in Verbindung mit Schnee und Eis bezaubern. Die Lower Falls am Grand Canyon sind teilweise zugefroren.

Fantastische Geysirlandschaft im Winter  © Sandra Kreuzinger

Tiere gibt es auch im Winter zu sehen, wenn auch keine Bären, die halten ja Winterschlaf. Die zahlreichen Bisons brauchen bei der Kälte ein dickes Fell (und die Menschen gute Winterklamotten), sie kommen teilweise auch in die Nähe der geothermalen Hotspots, wo der Boden nicht gefroren ist, der Schnee nicht liegen bleibt und sie vielleicht sogar etwas Grünes finden können.

Winter-Tipps:

Ein individuell geplanter und durchgeführter Yellowstone-Trip ist auch im Winter auf eigene Faust möglich. Allerdings gibt es ein paar Besonderheiten zu beachten:

Man kann durchaus davon sprechen, in eine andere Zeit zurückversetzt zu werden – denn im Winter sind die Straßen für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Nur die Verbindung von Gardiner (Nordeingang) zu den Mammoth Hot Springs ist ganzjährig geöffnet, je nach Schneelage auch die Verbindung ins Lamar Valley (Nordosten). Auf allen anderen Strecken sind nur Schneemobile und Snowcoaches im Einsatz, die die Besucher z.B. am Südeingang des Parks abholen und hineinbringen.

Im Park selbst steht nur die Old Faithful Snow Lodge als Quartier zur Verfügung (und sie ist nicht günstiger als im Sommer…).

Mit der Kälte muss man sich arrangieren, am besten darauf freuen, gute Funktionskleidung vorausgesetzt.

Die Bisons brauchen ein dickes Fell...

Die Bisons brauchen ein dickes Fell…  © Sandra Kreuzinger

Mythos Yellowstone im Winter

Zunächst schien der Yellowstone im Winter nur ein Mythos zu sein – man sieht tolle Fotos und Dokus im Fernsehen, aber trifft niemanden, der auch schon da war. Uns war dies auch noch nicht vergönnt und so machte ich mich auf die Suche nach Reiseberichten, die zumindest im deutschsprachigen Raum kaum zu finden sind.

Fündig wurde ich schließlich bei Sandra von sk-photoart, die ihren Februar-Aufenthalt im Reisetagebuch-Stil beschrieben hat. Der Bericht ist sehr ausführlich, aber auch spannend geschrieben und lesenswert! Winter in Yellowstone

Von Sandra stammen auch die beiden hier gezeigten Winter-Fotos aus dem Yellowstone, danke Sandra!

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Fazit

Weihnachten im Yellowstone am 25. August gehört zu den liebenswerten Erinnerungen, die unseren Yellowstone-Aufenthalt zu etwas Besonderem werden ließen. Die Entstehungsgeschichte dieser Tradition ist auch einfach schön!

Eine Winterreise in den Yellowstone bleibt für uns vorerst ein Traum – aber einer, den wir vielleicht irgendwann in Realität umwandeln können. Es muss zauberhaft sein!

Hast du auch schon einmal Weihnachten auf Reisen erlebt? Oder sogar den Yellowstone im Winter?

Erzähl uns deine Weihnachtsgeschichten! Wir freuen uns auf deinen Kommentar! 🙂

Hinweis: Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Dezember 2015 veröffentlicht, in der aktuellen Version habe ich ihn überarbeitet und erweitert.

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