Wells Gray Park – imposante Wasserfälle, springende Lachse und tiefe Wälder

von | 23.11.2016 | 10 Kommentare

Interessierst du dich bei deinem Roadtrip durch den Westen Kanadas auch für Gegenden etwas abseits der Hauptpfade? Dann ist der Wells Gray Provincial Park etwas für dich, den du auch in die „klassische Rundtour“ von Vancouver in die Rockies und zurück mit einbauen kannst!

Die Rocky Mountains halten mit den bekannten Parks Banff und Jasper sicherlich herausragende landschaftliche Höhepunkte und Naturphänomene bereit, v.a. die Hotspots können in der Sommersaison aber auch recht gut besucht, um nicht zu sagen „voll“ sein. Nach dem Besuch von Jasper hatten wir den Wells Gray Park auf unserer Route eingeplant und das auch nicht bereut – eben auch, weil es hier tiefe Wildnis und spürbar weniger Besucher gibt.

Schotterpiste auf den letzten 25 km zum Clearwater Lake

Falls Creek Campground

Unterschätze nicht die lange Anfahrt!

Icon_Road_256Im Rahmen unseres Wohnmobil-Roadtrips fahren wir vom Mount Robson Park über den Highway 5 zur Kleinstadt Clearwater, die als Eingang zum und Versorgungspunkt für den Wells Gray Provincial Park fungiert. Die Strecke ist teils landschaftlich schön, teils zieht sie sich aber auch ziemlich.

Clearwater sieht auf der Landkarte größer aus als es beim Durchfahren wirkt. Wirklich schön finden wir das Visitor Center, das direkt hinter dem Abzweig der Stichstraße in den Wells Gray liegt.

Apropos Stichstraße: Der Wells Gray Park besteht zum Großteil aus unerschlossener Wildnis, nur die von Clearwater ausgehende Straße führt tiefer in den Park hinein, wobei man eben auch dieselbe Strecke zurück muss. Es ist bereits Abend, als wir vom Supermarkt in Clearwater aufbrechen und bis zum Campground liegen noch gut 70 Kilometer vor uns. Übrigens sind die letzten 25 km nicht asphaltiert, aber bei unserem Aufenthalt im August ließ sich die Schotterstraße sehr gut befahren. Man muss natürlich etwas mehr Zeit einkalkulieren, durchaus eineinhalb Stunden für die komplette Strecke von Clearwater bis zum Ende der Straße am Clearwater Lake.

Frühstück am Clearwater Lake

Mit unserer Campsite sind wir sehr zufrieden, auch wenn sie nicht zu den schönsten des Trips gehört. Direkt hinter unserem Stellplatz rauscht der Fluss, wobei man nicht direkt zum Ufer laufen kann, da ein Steilhang mit Abbruchkante direkt neben uns dazwischen liegt.

Icon_Eat_128Da es am Abend unserer Ankunft schnell dunkel wird, können wir erst am nächsten Morgen die direkte Umgebung erkunden. Wir machen einen Spaziergang über den Campingplatz und sehen, dass es in der Nähe ein rustikales Café gibt, das gleichzeitig als Startpunkt für Boots- und Kayakausflüge dient. Wir können sogar auf der Terrasse frühstücken und die schöne Aussicht genießen, denn das Café liegt direkt an der Südspitze des Clearwater Lake.

Die Frühstücksportionen könnten für den Preis etwas großzügiger bemessen sein (man merkt, dass hier draußen die Konkurrenz fehlt), aber der schöne Platz entschädigt. Wir merken bereits, dass ein warmer Tag vor uns liegt und wir können sogar einen Fischadler bei der Jagd beobachten.

Aussicht vom Café zum Clearwater Lake
Das Café am Clearwater Lake

Bailey’s Chute, ein verstecktes Highlight

Nach dem Frühstück machen wir unseren Camper bereit und erkunden die verschiedenen Bereiche des Parks. Als erstes halten wir an der Bailey’s Chute. Dabei handelt es sich um Stromschnellen, die wir vom Parkplatz aus über einen relativ kurzen Pfad erreichen und dann bei einer Aussichtsplattform ankommen.

Aussichtsplattform an den Stromschnellen Bailey's Chute
Aussichtsplattform an den Stromschnellen Bailey’s Chute
Icon HikingEigentlich wandern wir mit relativ geringen Erwartungen zu Bailey’s Chute, denn laut Reiseführer können erst ab Ende August Lachse auf ihrer Wanderung beobachtet werden und wir sind Mitte August im Wells Gray. Und zunächst sehen wir auch nur Wasser. Skeptisch werde ich allerdings, als ich bemerke, wie andere Besucher dauerhaft ihr Smartphone bzw. ihre Kamera in Richtung der Stromschnellen halten. Sollten doch schon Lachse da sein?

Und dann, tatsächlich, ein Lachs! Er springt in hohem Bogen flussaufwärts und taucht wieder ein, ist nur für einen kurzen Moment zu sehen. Nun sind wir ganz aufgeregt und fangen ebenfalls an, die Kamera im Anschlag zu halten und zu warten… und warten…

Schließlich gelingen uns mehrere passable Aufnahmen.

Warum sind wir so glücklich und empfinden diesen Moment als so besonders, liegen uns sogar in den Armen?
Schließlich kennt man das Schauspiel aus dem Fernsehen. Aber hier vor Ort und in natura ist es anders, der Lebenszyklus und der Aufwand, den die Lachse betreiben, um zurück an ihre Geburtsstätte zu gelangen, beeindruckt uns. Der Lachs hat zu diesem Zeitpunkt schon etwa 600 km flussaufwärts zurückgelegt und noch knapp 100 km vor sich, ehe er zu seinen Laichgründen kommt. Und auch wenn wir jetzt nicht megatraurig sind, dass der Lachs bald sterben wird (so ist eben die Natur), hat uns das doch schon schwer imponiert. Und hätten wir es nicht mit eigenen Augen gesehen, dann hätten wir kaum geglaubt, was diese Fische so alles schaffen.

Es bleibt also die Erkenntnis, dass sich der Abstecher zu Bailey’s Chute auch schon Mitte August lohnt!

Altes Farmland und Green Mountain

Wir halten an Ray’s Farm. Dort lebte von 1926 bis 1937 die Familie Ray, die – mitten in der Wildnis – ein kleines Tal urbar machte und bewirtschaftete. Wohnhaus und Stallungen sind so belassen worden, verfallen inzwischen langsam, aber man kann sich gut vorstellen, wie es dort früher ausgesehen haben mag. Es muss ein spannendes, sehr naturverbundenes, aber wohl auch sehr entbehrungsreiches Leben gewesen sein.

Als nächstes machen wir einen Abstecher zum Green Mountain Aussichtspunkt. Für 3,5 km geht es teils wirklich relativ steil auf einem Schottersträßchen den Berg hinauf, aber mit unserem Truck Camper mit zuschaltbarem Allradantrieb ist die Strecke kein Problem. Mit einem normalen Wohnmobil hätten wir es uns wahrscheinlich nicht getraut.

Oben auf dem Green Mountain gibt es einen kleinen Aussichtsturm, wobei der Berg seinem Namen alle Ehre macht. Die Bäume wachsen bis oben hin und verhindern somit eine wirklich gute Sicht. Dieser Abstecher ist also ganz nett, bei wenig Zeit würde ich ihn aber auslassen.

Wasserfälle, Wasserfälle, Wasserfälle

Der Wells Gray Provincial Park ist zu Recht als Land der Wälder, Flüsse, Seen – und der Wasserfälle bekannt. Wir fahren fast wieder aus dem Park heraus, um uns als erstes die Spahats Falls anzusehen, die nur 10 km hinter dem Visitor Center liegen.

Über einen kurzen Fußweg erreichen wir eine Aussichtsplattform, von der man schön auf den Wasserfall schauen kann, der im Laufe der Zeit eine kleine Schlucht hat entstehen lassen. Von der Seitenstraße zu den Spahats Falls führt übrigens auch eine kurze Schotterstrecke zum Shadden Lookout, einem Aussichtspunkt, den viele andere „übersehen“.

Spahats Falls
Bis zum nächsten großen Wasserfall sind es gut 30 Kilometer, auch hier ist der Parkplatz nur mittelmäßig frequentiert. Über einen kurzen Fußmarsch erreichen wir die Dawson Falls, die auch „Klein-Niagara“ genannt werden, weil sie immerhin 90 Meter breit sind. Das Schöne ist, dass jeder Wasserfall seinen eigenen Charakter hat und wieder anders aussieht, weshalb nicht so schnell Langeweile aufkommt.
Dawson Falls

Den wahrscheinlich bekanntesten Wasserfall habe ich mir – absichtlich – für den Schluss aufgehoben. Zum Parkplatz der Helmcken Falls führt eine vier Kilometer lange Seitenstraße, dann geht es noch ein kurzes Stück zu Fuß bis zum Rand einer steilen Schlucht, von wo aus man einen spektakulären Blick hat. Der Wasserfall donnert ca. 140 Meter in die Tiefe und wir haben das Glück, dass am inzwischen späten Nachmittag die Sonne von Südwesten scheint und einen wunderschönen Regenbogen in die Gischt des Wasserfalls zaubert.

Die Helmcken Falls beeindrucken auch Kerstin am meisten, auch bei wenig Zeit solltest du sie dir nicht entgehen lassen!

Helmcken Falls mit Regenbogen

Icon_camera_128Die verschiedenen Wasserfälle haben wir uns übrigens nachmittags angesehen, denn vormittags hat man weitgehend Gegenlicht, das weder zum Schauen und Staunen noch zum Fotografieren sonderlich geeignet ist. Außerdem sind die großen Wasserfälle auch von Bussen erreichbar (die Schotterstraße beginnt erst unmittelbar nach dem Abzweig zu den Helmcken Falls), die nachmittags aber meist schon weitergefahren sind.

Stargazing am Abend

Dadurch, dass der Clearwater Lake Campground tief in der Wildnis liegt und drumherum weit und breit keine Stadt, noch nicht mal ein Dorf zu finden ist, gibt es fast keinen Lichtsmog. Wir haben außerdem das Glück einer wolkenfreien Nacht und nutzen das, um Sterne zu schauen, die hier so unglaublich zahlreich am Himmel erscheinen.

Als wir eine Sternschnuppe sehen, ist das der perfekte Ausklang eines wunderbaren Tages. 🙂

Infos zum Wells Gray Park

Der Wells Gray Provincial Park ist sehr groß und weitgehend unerschlossen. Er eignet sich besonders für Wanderer und Kajakfahrer, ist mit den vielen Wasserfällen, wilden Tieren und nicht zuletzt mit Bailey’s Chute aber auch für alle anderen ein lohnendes Reiseziel.

Wir empfehlen, auf dem Weg in den Park zunächst am Visitor Center in Clearwater Halt zu machen und sich zu informieren, im Park selbst gibt es kein weiteres Center.

Wells Gray Visitor Center

Wells Gray Visitor Center

Spahats Falls

Spahats Falls

Dawson Falls

Dawson Falls

Helmcken Falls

Helmcken Falls

Ray's Farm

Ray’s Farm

Bailey's Chute

Bailey’s Chute

Falls Creek Campground

Falls Creek Campground

Clearwater Lake Cafe

Clearwater Lake Cafe

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Fazit

Der Wells Gray Park hat nicht die hohen Berge und türkisblauen Seen der Rocky Mountains zu bieten, dafür aber andere Highlights. Uns ist außerdem sehr positiv aufgefallen, dass der Park weit weniger frequentiert wird, v.a. verglichen mit Banff. Hier wird – für jeden, der etwas Zeit mitbringt – zum Segen, dass nur eine Stichstraße in den Park hineinführt, er also nicht nur für einen kurzen Zwischenstopp geeignet ist.

fernweh-logo-gruen-150Tipps

 

Reiseführer

Die Planung für den Aufenthalt im Wells Gray Park habe ich neben zahlreichen Quellen im Internet mit den folgenden Reiseführern gemacht:

Kanada der ganze Westen: Wer den „Grundmann“ – USA, der ganze Westen – schon kennt, wird auch mit diesem Buch aus dem Reise-Know-How-Verlag glücklich.

Nationalparkroute Kanada: Im Gegensatz zum Grundmann beschreiben die Autoren eine konkrete Reiseroute von Vancouver zu den Nationalparks der Rocky Mountains und wieder zurück. Wenn sich deine Route ausreichend mit der des Buches überschneidet (bei uns zu ca. Zweidritteln), dann ist der Reiseführer durch seine vielen Infos eine Empfehlung wert.

Zeitbedarf

Wie bereits erwähnt kann man durch den Wells Gray Park nicht einfach „durchfahren“, weshalb du ihn auch nur in deine Route aufnehmen solltest, wenn du etwas Zeit erübrigen kannst oder willst.

Um konkret zu werden, wir haben zwei Nächte am Clearwater Lake verbracht und hatten somit einen vollen Tag im Park. So hatten wir an den Tagen vor und nach dem Wells Gray dann auch keine Probleme mit längeren Fahrstrecken bzw. Zwischenstopps wie dem Mount Robson.

Campgrounds

Viele Reisende übernachten außerhalb des Parks in Clearwater, was uns aufgrund der Distanzen aber nicht gefallen hätte. Es gibt auch mehrere Campgrounds innerhalb des Wells Gray, wovon allerdings nur die (eng beieinander liegenden) Campgrounds Clearwater Lake und Falls Creek reservierbar sind.

Unsere Site lag zur Flussseite im Falls Creek Campground und wir waren hier auch zufrieden. Wenn du Feuer machen willst, so solltest du eines der Angebote zum Verkauf von Firewood auf dem Weg von Clearwater in den Park hinein nutzen, denn vor Ort ist u.U. kein Holz zu bekommen.

Hast du Fragen oder Anmerkungen, wie sind deine eigenen Erfahrungen? Wir sind gespannt auf deine Gedanken, bitte teile sie mit uns, indem du einen Kommentar hinterlässt. Danke!