Wie fotografiere ich einen Wasserfall?

von 30.Sep.20151 Kommentar

Wasserfälle ziehen uns leicht in ihren Bann, sie können sowohl Kraft und Energie als auch Anmut und Weichheit ausstrahlen. Doch wie fange ich diese Szenen fotografisch ein? Wie erzeuge ich die weißen, weichen Wasserverläufe?

Auch für Anfänger: Das Fotografieren eines Wasserfalls ist gar nicht so schwierig, wie es manchem auf den ersten Blick erscheinen mag. Ein wenig Ausrüstung ist zwar nötig, aber du musst kein Profi sein, um ansehnliche Bilder zu bekommen.

Auf Hawaii gibt es unzählige Wasserfälle und das war auch der Grund, mich etwas genauer damit zu befassen.

Mit oder ohne Stativ

Donkey Beach, Kauai

Kurze Verschlusszeit am Strand

Grundsätzlich können Wasserfälle – oder um es allgemeiner auszudrücken: bewegtes Wasser – natürlich immer wie jedes andere Motiv fotografiert werden. Also auch ohne Stativ und mit einer Belichtungszeit, die frei Hand ein scharfes Foto erzeugt (ohne Verwacklung). Manchmal ist es sogar erwünscht, mit sehr kurzen Belichtungszeiten zu fotografieren, um einzelne Tropfen festzuhalten – z.B. bei spritzender Gischt am Meer, manchmal aber auch bei einem Wasserfall. Es kommt auf die Situation an.

Meist möchte man aber die typischen weichen, weißen Wasserverläufe erzeugen, und das gelingt nur selten ohne ein Stativ! Wenn du kein Stativ zur Verfügung hast, kannst du probieren, deinen Körper zu stabilisieren, die Hand aufzustützen und mit Belichtungszeiten zwischen 1/20 und 1/4 Sekunde zu experimentieren. Mit diesen Einstellungen erreichst du je nach Fließgeschwindigkeit des Wassers erste Verwischeffekte, die wirklich ansehnlich sein können. Allerdings ist fraglich, ob der Rest des Bildes noch keine Verwacklungsunschärfe aufweist.

Erst mit einem Stativ hast du die Sicherheit, ein scharfes Bild und gleichzeitig den gewünschten weichen Wasserverlauf erzeugen zu können. Meinen Tipp zur Wahl eines Reisestativs, das unterwegs schnell aufgebaut ist, findest du hier!

Die Belichtungszeit

Maßgeblich für die Erzeugung des Effekts eines weichen Wasserverlaufs ist die Belichtungszeit. Da die Stärke des Effekts situationsabhängig von Motiv zu Motiv unterschiedlich sein kann, ist Experimentieren gefragt! Außerdem spielt die Fließgeschwindigkeit des Wassers eine wichtige Rolle.

Die besten Ergebnisse habe ich mit Belichtungszeiten zwischen 1/4 und 1 Sekunde erreicht, manchmal kann es auch sinnvoll sein, 2 Sekunden oder länger zu belichten.

Du solltest einfach eine Belichtungsreihe erstellen, mit verschiedenen Zeiten herumprobieren und erst zu Hause eine Auswahl treffen. Das ist ja gerade das Schöne an der Digitalfotografie, misslungene Bilder werden gelöscht und stören nicht.

Kleine Blende oder Graufilter?

Bei Tageslicht wird die Kamera (oder der Fotograf manuell) die Blende ziemlich weit schließen müssen (also eine kleine Blende wählen, was einer hohen Blendenzahl entspricht, z.B. f/16 oder f/22). Nur so kann erreicht werden, dass das Foto trotz längerer Belichtungszeit nicht zu hell und überbelichtet wird. Und das bringt einen Nachteil mit sich: Bei den meisten Objektiven entsteht bei stärker geschlossener Blende eine Beugungsunschärfe – das Bild wird bei f/22 nicht mehr ganz so scharf wie bei f/8.

Wenn man das nicht möchte, bleibt nur die Verwendung eines Graufilters! Dieser Filter wird vor das Objektiv geschraubt und verringert den Lichteinfall, wodurch die Belichtungszeit auch bei einer größeren Blende verlängert werden kann.

Da es Graufilter in verschiedenen Stärken gibt, muss auch hier experimentiert werden – oder du verwendest einen Graufilter, der durch Drehen auf verschiedenste Stärken verstellt werden kann.

Graufilter bei Amazon

Tipp: Da die meisten Objektive bei einer Blende von f/8 bis f/13 am schärfsten abbilden, empfehle ich dir die Verwendung eines Graufilters, der diese Blendeneinstellung ermöglicht.

Bei Belichtungszeiten von 1 Sekunde oder mehr und in helleren Umgebungen, z.B. bei Sonnenlicht, kommt man meist gar nicht mehr um die Verwendung eines Graufilters herum. Die Kamera kann dann von sich aus nicht mehr stark genug abblenden, um eine korrekte Belichtung zu erreichen.

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Tipp: Belichtungsreihen verwenden!

Icon_camera_128Viele Fotos mit unterschiedlichen Einstellungen (Belichtungszeit, Blende) zu machen empfiehlt sich nicht nur, weil man zu Hause am besten beurteilen kann, welcher Wasserverlauf am schönsten geworden ist. Es hat auch damit zu tun, ob man das Augenmerk auf die korrekte Belichtung des (schäumenden) Wassers oder der Umgebung legt.

Oft ist es so: Wird die Umgebung richtig (also nicht zu dunkel) belichtet, erscheint das Wasser schon fast zu hell – manchmal sogar überbelichtet. Es verliert dann an Struktur und Details. Will man das vermeiden, so kann die Umgebung zu dunkel werden – was nun?

Auch hier hilft es sehr, wenn du mit Belichtungsreihen arbeitest! Am einfachsten funktioniert das, wenn deine Kamera über eine Einstellung verfügt, die selbständig drei Aufnahmen mit leicht unterschiedlicher Belichtung macht. Oder man fotografiert jeweils zusätzlich zur normalen Belichtung noch mit der Belichtungskorrektur ins Minus und ins Plus. Zu Hause kann man dann die besten Bilder auswählen.

Selbstauslöser und Bildstabilisator

Was mir noch einfällt: Bei längeren Belichtungszeiten ist es immer von Vorteil, den Selbstauslöser zu verwenden! Erst recht bei Benutzung eines Stativs. Selbst das vorsichtige Drücken des Auslösers bringt eine kleine Erschütterung oder Vibration mit sich, die zu Verwacklungsunschärfe führt. Der Selbstauslöser schafft Abhilfe.

Über das Deaktivieren des Bildstabilisators streiten sich hingegen selbst die Profis. Hintergrund ist, dass ein eingebauter Bildstabilisator zu Unschärfe führen kann, wenn die Kamera fest auf einem Stativ verankert ist. Ob das so passiert oder nicht kannst du ausprobieren bzw. im Handbuch deiner Kamera nachschauen. – Ich handhabe es so, dass ich bei Verwendung eines Stativs und längeren Belichtungszeiten ab 1/4 Sekunde immer den Bildstabilisator abschalte. Später aber nicht das Wieder-Einschalten vergessen!

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Fazit

Klingt meist schwieriger als es ist: Schöne Fotos eines Wasserfalls oder von anderweitig fließendem Wasser können mit relativ geringem Aufwand auch dem Ungeübten oder Urlaubsfotografen (zu dem ich mich selbst zählen würde) gelingen. Experimentierfreude vorausgesetzt!

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