Unsere Highlights am Grand Canyon North Rim mit dem Wohnmobil

von | 10.Jun.2019 | 2 Kommentare

Mir war ziemlich schnell klar, dass wir im Rahmen unserer Elternzeitreise 2018 auch unbedingt den Grand Canyon sehen wollen, aber sollte es in den Norden oder in den Süden gehen? Ich plante für unsere Route kurzerhand auch den North Rim ein, und zwar als letztes großes Highlight am Schluss der Reise. Dass das eine gute Idee war, davon wollten wir unbedingt berichten, sind es aber außer in einer kurzen Zusammenfassung bislang schuldig geblieben.

Das soll sich nun ändern und ich will auch auf die Besonderheiten eingehen, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist. In unserem Fall war das ein 26 Fuß C-Class Motorhome von Road Bear.

Übersichtskarte zum Grand Canyon North Rim

Wer den South Rim schon kennt, für den ist der North Rim vertraut und doch wieder ganz anders!

Wir kommen von Kanab (Utah) und fahren über die Highways 89 und 89A nach Süden. Inzwischen in Arizona, gibt es ab Jacob Lake nur eine Stichstraße, auf der man bis zum North Rim Visitor Center bzw. der Grand Canyon Lodge noch über eine Stunde lang unterwegs ist.

Hier wird schnell klar, dass der North Rim aufgrund seiner Lage etwas schwerer zugänglich ist als der South Rim und daher auch weit weniger überlaufen. Es gibt nicht viele Reisebusse und alles geht etwas gemächlicher und ruhiger. Hier fühlen wir uns wohl. Der Grand Canyon ist so oder so atemberaubend. Was am South Rim so beeindruckend ist, ist diese Weite. Man steht mehr oder weniger direkt an der Abbruchkante und dann geht es steil runter und es öffnet sich dieser weite Canyon. Im höher gelegenen Norden hat der Colorado viel mehr Landschaft erodiert (11 km; im Süden nur 5 km). Dafür sind hier so genannte „Tempel“ entstanden. Das ist landschaftlich auch total reizvoll, aber man hat nicht dieses krasse Weite-Gefühl.

Aussicht nahe Grand Canyon Lodge und Brightangel Point, Grand Canyon North Rim

Aussicht nahe Grand Canyon Lodge und Bright Angel Point am North Rim

Ein großartiges Camping-Erlebnis – aber nur für „Frühbucher“!

Am North Rim gibt es nur einen einzigen Campground (für Zelte und Wohnmobile), den wir allerdings auch zu den schönsten unserer Reise zählen: Wunderbar gelegen (nur ein paar Schritte bis zur Kante eines Grand Canyon Seitenarms), nicht zu groß, viel Platz für jede Site, Schatten unter den Bäumen und man kann sogar zu Fuß zur Lodge gehen, wofür man ca. 20 Minuten benötigt.

Unsere Site 14 auf dem North Rim Campground, Grand Canyon National Park

Unsere Site 14 auf dem North Rim Campground

Dafür ist der North Rim Campground aber auch innerhalb kürzester Zeit ausgebucht, sobald das Reservierungsfenster öffnet. Jedenfalls solltest du nicht auf einen freien Platz hoffen, wenn du den North Rim flexibel anfahren willst. Ich hatte auf die Minute genau sechs Monate vorher eine total schöne Site reserviert, von wo aus man direkt auf den Rim schauen kann.

Der nächste Campground außerhalb des Parks ist der DeMotte Campground, welcher sich aber auch immerhin ca. 30 Fahrminuten entfernt befindet. Wir sind froh, direkt am Rim und nahe der Lodge zu sein, gerade auch mit Baby. So können wir das Wohnmobil auch einfach mal stehen lassen und direkt zu Fuß unterwegs sein. Einen Besuch wert ist übrigens auch der beim Campground befindliche General Store (inkl. freiem WLAN).

Der Canyon-Seitenarm am Campground mit der Oza Butte, Grand Canyon North Rim

Der Canyon-Seitenarm am Campground mit der Oza Butte

Während unseres Besuchs gibt es für den Norden aufgrund großer Trockenheit leider einen Fire-Ban, das heißt wir dürfen kein Feuer machen und nicht mit Kohle grillen. Aber für abends haben wir sowieso einen Tisch in der Lodge reserviert, denn das ist das nächste Highlight am North Rim:

Essen (und übernachten) mit grandioser Aussicht: Die Grand Canyon Lodge

Wir ruhen uns nachmittags ein bisschen aus, fahren dann zur Lodge und zum Visitor Center und laufen von dort aus noch zum Bright Angel Point. Die Grand Canyon Lodge wurde direkt am Rim erbaut, wirklich ein großartiges Alleinstellungsmerkmal im Nationalpark. Von hier aus erreicht man in wenigen Minuten mehrere wundervolle Aussichtspunkte, am bekanntesten ist der erwähnte Bright Angel Point.

Zurück in der Lodge müssen wir auf unseren Tisch etwas warten, aber das fällt in der wundervollen Lobby mit den tiefen, gemütlichen Sesseln und mit Blick auf den Grand Canyon nicht schwer. Hier darf man einfach so sitzen, selbst mitgebrachtes Essen und Getränke verzehren und sich ausruhen. Wir mögen diese Lodge-Atmosphäre einfach sehr, haben sie auch im Yellowstone so genossen! Auf dem folgenden Bild kann man nur erahnen, dass die Lodge direkt an die Kante des Canyons gebaut wurde und durch die großen Fenster ein atemberaubendes Panorama bietet.

Beim Dinner in der Grand Canyon Lodge, North Rim

Beim Dinner in der Grand Canyon Lodge

Wir bekommen einen schönen Tisch und Lundi (unsere Tochter) ist dank eines kleinen Schläfchens in der Trage vor dem Essen auch gut gelaunt, so dass Vorspeise, Hauptspeise und ein Dessert zum Teilen drin sind. Das Essen ist wirklich gut und auch preislich angemessen und eine Empfehlung wert! So beschließen wir, am nächsten Morgen auch das Frühstücksbuffet in der Lodge zu testen.

Wir schlafen sehr gut am North Rim, es ist trotz der Höhenlage Anfang Juni warm genug, dass man keine Heizung braucht (das kann in anderen Jahren natürlich auch ganz anders sein!). Am nächsten Vormittag ist das Buffet zum Frühstück ein voller Genuss, es gibt sogar die Möglichkeit, sich Omelette individuell nach Wunsch zubereiten zu lassen. Natürlich bleibt das Erlebnis „Grand Canyon Lodge“ auch deshalb so gut in unserer Erinnerung, weil wir beim Essen so eine grandiose Aussicht haben und die Nationalpark-typische Architektur und Einrichtung zur Gemütlichkeit beiträgt.

Eine Halbtagestour auf der Cape Royal Road zum Sonnenuntergang

Nach dem Mittagessen fahren wir den Scenic Drive Richtung Cape Royal. Dabei handelt es sich um eine 20 Meilen bzw. 32 Kilometer lange Stichstraße zum südlichsten Aussichtspunkt des North Rim. Auch ohne die unbedingt empfehlenswerten weiteren Zwischenstopps muss man für die Strecke mit dem Wohnmobil mindestens eine Fahrtstunde einplanen, die gleiche Zeit auf dem Rückweg. Die Cape Royal Road ist übrigens für Wohnmobile größer als 30 Fuß nicht empfohlen, für unser 26 ft Motorhome allerdings problemlos befahrbar. Während der Fahrt selbst kann man den Canyon nur erahnen, aber dafür gibt es genügend Viewpoints.

Durch den weitläufiger strukturierten Verlauf des North Rim mit Seitenarmen und Tempeln empfinden wir die verschiedenen Aussichtspunkte als besonders abwechslungsreich. Während man am Bright Angel Point (nahe der Lodge) einen tollen Rundblick hat, richtet sich die Aussicht am ersten Halt der Cape Royal Road mehr Richtung Osten – es ist der Point Imperial.

Aussicht vom Point Imperial, Grand Canyon North Rim

Aussicht vom Point Imperial

Am Vista Encantada Point machen wir uns auf dem Gasherd des Wohnmobils Popcorn – das gibt es dann mit herrlicher Aussicht und wir sind dabei sogar fast alleine.

Stillpause am Vista Encantada, Grand Canyon North Rim

Stillpause am Vista Encantada

Weiter geht es mit kurzem Zwischenstopp am Roosevelt Point:

Blick vom Roosevelt Point, Grand Canyon North Rim

Blick vom Roosevelt Point

Gegen 18 Uhr sind wir am Cape Royal, wo die Straße aufhört. Hier ist erfreulich wenig los und nach kurzer Wanderung erreichen wir zunächst Angel’s Window, einen großen Felsbogen, über den man gehen und die Aussicht genießen kann.

Angel’s Window am Cape Royal, Grand Canyon North Rim

Angel’s Window am Cape Royal

Dann geht es weiter zum Cape Royal. Hier hat man wieder einen wundervollen Blick in die Schlucht, besonders imposant sind hier Vishnu Temple und Wotan’s Throne zu sehen. Erst durch die tief stehende Sonne, die die zerklüfteten Strukturen herausmodelliert und die Landschaft in ihr warmes Abendlicht taucht, wird der Ausblick besonders eindrucksvoll. Man kann sogar den Desert View Watchtower am östlichen South Rim sehen, wo wir vier Wochen zuvor waren.

Blick vom Cape Royal im Gegenlicht, Grand Canyon North Rim

Blick vom Cape Royal im Gegenlicht

Wotan’s Throne vom Cape Royal aus, Grand Canyon North Rim

Wotan’s Throne vom Cape Royal aus

Fotografieren

Willst du schöne, vielleicht sogar herausragende Fotos vom Grand Canyon mitbringen? Dann wird es nicht reichen, den Nationalpark nur als Tagesausflug bzw. über Mittag zu besuchen. Das harte Mittagslicht lässt die Farben verblassen und die Strukturen flacher aussehen. Morgens und abends, oft am schönsten zum Sonnenauf- oder -untergang, ist das warme Licht am besten geeignet, auch wenn man bei schattigen Bereichen aufpassen muss, dass sie nicht im Dunkeln versinken. Hinzu kommt, dass morgens und abends – ohne die Tagesgäste – an den Viewpoints weniger los ist.

Vishnu Temple vom Cape Royal aus, Grand Canyon North Rim

Vishnu Temple vom Cape Royal aus

Wieder am Wohnmobil fahren wir zunächst nur ein Stück weit zurück und halten noch am Walhalla Overlook. Hier können wir den Canyon direkt vom Fenster des Wohnmobils aus sehen und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Campen im Wohnmobil ist so toll, man hat dank vieler Fenster das Gefühl mitten in der Natur zu sein.

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Pueblo Indianer

Am Walhalla Overlook wurden übrigens auch interessante Infotafeln aufgestellt. Von hier aus wirkt der Colorado River so fern, aber vor rund 1000 Jahren war für die Pueblo Indianer der beschwerliche Weg zwischen Fluss und Rim eine mehrmals im Jahr wiederkehrende Aufgabe. Die Ureinwohner des Grand Canyon verbrachten die heißen Sommer nämlich oben auf dem Rim, den Rest des Jahres unten am Fluss.

Auf dem als Hintergrund eingerichteten Foto habe ich den so fern in der Schlucht liegenden Colorado River markiert. Aus dieser Perspektive will man kaum glauben, dass es sich um einen breiten und teils reißenden Fluss handelt.

Wir kommen erst fast im Dunkeln wieder am North Rim Campground an, das macht Lundi aber nichts, die hat trotzdem gute Laune. Es gibt ein schnelles Abendessen und dann gehen wir ins Bett.

Unser Blick aus dem Wohnmobil am Walhalla Overlook, Grand Canyon North Rim

Unser Blick aus dem Wohnmobil am Walhalla Overlook

Fazit

Wir sind mehr als froh, auch den North Rim des Grand Canyon kennengelernt zu haben und wissen jetzt schon, dass wir irgendwann wiederkommen müssen! Die Kombination aus „weniger Trubel“, einer urig-gemütlichen Lodge mit grandioser Aussicht, einem wunderbar gelegenen und nicht zu großen Campground und verschiedenartigen Aussichtspunkten auf die große Schlucht war einfach so richtig unser Ding! Obendrein gibt es am North Rim sogar eine Herde wilder Bisons, die wir sonst nur aus dem Yellowstone kennen.

Blogparade

Im Jahr 2019 ist der Grand Canyon National Park 100 Jahre alt geworden und unsere befreundeten Blogger Silke und Markus von Safetravels haben die Blogparade „Happy 100. Birthday Grand Canyon National Park“ ins Leben gerufen, an der wir hiermit gerne teilnehmen!

Schaut euch gerne mal die hervorragenden Artikel von Safetravels zum Grand Canyon an und auch andere Teilnehmerbeiträge der Blogparade sind lesenswert.

Hast du Anmerkungen oder Fragen, warst du vielleicht selbst schon mal am North Rim oder würdest gerne dorthin reisen? Wir freuen uns über jeden Kommentar und dein Feedback!