Wie weit darf Bildbearbeitung gehen? + Tipps für Reisefotos

von | 10.07.2016 | 8 Kommentare

Was kannst du tun, damit deine Urlaubsbilder noch einen Tick besser aussehen und sind die Fotos auf Willkommen Fernweh nachbearbeitet? Welche Form der Bildbearbeitung ist für Reisefotos überhaupt legitim? Erfahre in diesem Beitrag mehr zu diesem Thema, der außerdem ein paar bislang unveröffentlichte Fotos enthält!

Thomas von reisen-fotografie.de hat im Rahmen einer Blogparade dazu aufgerufen, die Frage „Wie weit darf Fotobearbeitung gehen?“ zu diskutieren und da ich die Frage berechtigt und interessant finde, nehmen wir gerne teil.
Icon_camera_128Damit dieser Beitrag nicht zu „philosophisch“ wird, gibt es für unsere Leser auch den einen oder anderen Fototipp und mehrere Bilder, die uns gut gefallen, aber bislang noch nicht veröffentlicht wurden.

Ohne gutes Ausgangsmaterial keine guten Fotos!

Die wichtigste Regel gleich zu Beginn: Egal wie gut jemand Bilder nachbearbeiten kann, egal wie gut die Software ist, die er/sie einsetzt – die Bildqualität steht und fällt immer mit dem Ausgangsmaterial! Eine starke Überbelichtung, die zu rein weißen Bildanteilen führt, eine fehlerhafte Bildkomposition, mangelnde Schärfe usw. können im ungünstigen Fall auch zu Hause nicht mehr korrigiert werden. Und selbst wenn doch: Dann können 10 Sekunden mehr Mitdenken beim Fotografieren durchaus 10 Minuten der mühsamen Nachbearbeitung zu Hause sparen, z.B. wenn ein störendes Objekt im Hintergrund vor Ort nicht aufgefallen ist und dann wegretuschiert werden muss.

Fotografische Hilfsmittel vor Ort – Filter

Meiner Meinung nach haben Filter auch in Zeiten moderner Bildbearbeitungssoftware noch ihre Berechtigung – ich kann jedem empfehlen, mal einen Polfilter auszuprobieren. Für mich ist er fast unverzichtbar, wenn ich Reflexionen von Wasseroberflächen entfernen und die eigentliche Farbe des Wassers so erst richtig zur Geltung kommen lassen möchte. Das Blau des Himmels im Kontrast zu hellen Wolken lässt sich durch einen Polfilter auch verstärkt zur Geltung bringen.

ND-Filter (Graufilter) sind unbedingt notwendig, um auch bei Sonnenschein oder hellem Tageslicht Aufnahmen mit längerer Belichtungszeit machen zu können, z.B. beim Fotografieren eines Wasserfalls.

Ich halte diese Hilfsmittel auch bei der Reisefotografie für legitim – sie verstärken nur das natürliche Bild und verfälschen es nicht.

Übrigens kann ich meinen zirkularen Polarisationsfilter von Hoya empfehlen, ich bin sehr zufrieden!

Ist die nachträgliche Bildbearbeitung legitim?

Früher machte ich mir nie die Mühe, Fotos und insbesondere Urlaubsfotos zu Hause nachzubearbeiten, ich wollte dafür schlicht keine Zeit opfern, hatte keine Lust darauf. Und ja, ein bisschen Zeit und Mühe kostet es schon!

Das hat sich mittlerweile geändert, fast alle Fotos, die wir für unsere eigenen vier Wände oder hier auf Willkommen Fernweh verwenden wollen, sind zumindest geringfügig nachbearbeitet. Doch ist das überhaupt legitim?

Dokumentarische Bilder oder Kunst?

Es steht außer Frage, dass mit Photoshop & Co. hervorragende künstlerische Werke geschaffen werden können. Bei der Reisefotografie steht meiner Meinung nach jedoch der dokumentarische Charakter im Vordergrund – ich lese Reiseberichte und schaue mir die dazugehörigen Fotos an, um eine natürliche Wiedergabe des Eindrucks vor Ort zu sehen. Die Fotos sollen authentisch sein, ohne dass z.B. Farben unnatürlich poppig überbetont sind.

Hier ergibt sich aber schon das erste kleine „Problem“: Jede Szene kann alleine aufgrund verschiedener natürlicher Begebenheiten, v.a. je nach vorhandenem Licht, zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich wirken, auch wenn die Aufnahmeposition identisch ist. Das macht Fotografie ja so spannend, zeigt aber auch, dass es nicht nur die eine natürliche Wiedergabe geben kann.

Abgesehen davon bin ich der Meinung, dass das fertige Foto dem Eindruck des Auges eines neutralen Beobachters weitgehend entsprechen soll. Im Umkehrschluss lässt dies jedoch zu, Fotos nachträglich zu bearbeiten, um technische Schwächen der Kamera (Stichwort Kontrastumfang, Weißabgleich) sowie Aufnahmefehler (Schärfe, waagerechter Horizont) zu korrigieren!

Sind die Fotos auf Willkommen Fernweh bearbeitet?

Der vorige Absatz impliziert auch die Antwort auf diese Frage: Ja, die meisten Fotos hier sind nachbearbeitet, allerdings nur in geringem Umfang und nur so, dass der natürliche Eindruck nicht verfälscht wird! Ich versuche mich also an einem Kompromiss aus einer streng dokumentarischen Reisefotografie und der angemessenen Präsentation unserer Fotos.

Damit du dies besser nachvollziehen und vielleicht ja auch als Anregung für deine eigenen Fotos verwenden kannst, will ich die wenigen von mir verwendeten Techniken und Filter kurz erläutern. Außerdem habe ich zwei Fotos hochgeladen, die die bearbeitete und unbearbeitete Version nebeneinander zeigen.

Pixelmator statt Photoshop

Ich möchte am Rande noch erwähnen, dass ich kein Photoshop oder Lightroom verwende. Um dem Kaufpreis von Photoshop als „Platzhirsch“ der Bildbearbeitungsprogramme aus dem Weg zu gehen, schaute ich mich nach Alternativen um und entdeckte Pixelmator. Die verfügbaren Funktionen empfinde ich als völlig ausreichend und der Anschaffungspreis ist wirklich günstig!

Weißabgleich

Zum Glück passt der Weißabgleich bei meinen Aufnahmen zu 99 % , aber es kommt vor, dass die Kamera den Weißabgleich nicht korrekt ermitteln konnte und ich das vor Ort nicht manuell korrigiert habe (ich muss erwähnen, dass ich normalerweise keine Aufnahmen im RAW-Format mache, sondern in JPEG). In so einem Fall ist es nicht nur legitim, sondern für eine natürliche Darstellung der Szene sogar wichtig, den richtigen Weißabgleich zu Hause am Computer einzustellen.

Kontrastanpassung, hell und dunkel

Die geringfügige Erhöhung des Kontrasts (+ 0-3%) und bei manchen Bildern auch die Nachjustierung von etwas zu hell oder (v.a.) zu dunkel gewordenen Bildbereichen gehört zu meiner häufigsten Form der Nachbearbeitung. Gerade bei Landschaftsaufnahmen führen 1-2 % Kontrasterhöhung zu spürbar mehr Klarheit und Präsenz von entfernten Objekten, z.B. Felsformationen, ohne dass dies m.E. die Natürlichkeit des Bildes verfälschen würde.

Vorsicht bei der Farbsättigung

Die Sättigung verändere ich nur selten und wenn, dann nur sehr gering (+ 1-2%). Hier ist Vorsicht angebracht, denn schnell erscheint die Farbdarstellung unnatürlich „poppig“, so wie man es von manchen Smartphones und Fernsehern kennt, weil dies angeblich „besser“ aussieht und im Laden mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Die Sättigung erhöhe ich also nur, wenn ich der Meinung bin, dass sie hinter dem, was mein Auge wahrgenommen hat, zurückbleibt.

Verpixeln und Stempeln

Erkennbare Gesichter von fremden Menschen, Kfz-Kennzeichen und manche Schriftzüge verpixele ich, wenn das Foto für das Web bestimmt ist.

Manchmal retuschiere ich auch ein störendes Stromkabel o.ä. aus dem Bild, aber hier befindet man sich schnell in einem Konflikt zwischen dem Anspruch an ein schönes Foto und dem dokumentarischen Charakter.

Nachschärfen

Solange die Fotos in Originalgröße sind, werden sie von mir fast nie nachgeschärft. Meiner Meinung gehört es zu den wichtigsten Aufgaben, schon während des Fotografierens für ein scharfes Bild zu sorgen – die Software zu Hause kann eine Unschärfe nicht mehr oder wenn überhaupt, nur mit einem für mich unverhältnismäßig hohen Zeitaufwand korrigieren. Deshalb ist es wichtig, vor Ort lieber mehrere Aufnahmen zu machen und die schärfste zu Hause herauszusuchen und in schwierigen Situationen, z.B. beim Fotografieren mit langen Brennweiten (also herangezoomt) evtl. manuell zu fokussieren und die Schärfe schon auf dem Display der Kamera zu überprüfen.

Anders sieht es mit den Bildern für das Web aus: Diese müssen deutlich verkleinert werden, damit es nicht ewig dauert, bis eine Seite fertig geladen ist. Unter der Verkleinerung leidet aber in jedem Fall die Schärfe – als letzten Schritt vor dem Speichern schärfe ich die Fotos also immer ein wenig nach. Je nach Verkleinerung ist ein Detailverlust natürlich trotzdem nicht zu vermeiden, wird aber wenigstens etwas abgemildert.

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Fazit

Meine Leitlinie bei der Reisefotografie und einer eventuellen Nachbearbeitung am Computer ist es, den natürlichen Eindruck richtig in Szene zu setzen. Das fällt nicht immer ganz leicht, manchmal geraten der Wunsch nach einem toll zu präsentierenden Foto und dem dokumentarischen Charakter auch in Konflikt, aber ich denke, in der Regel meistere ich dies ganz gut.

Die wichtigste Empfehlung bleibt, das Hauptaugenmerk dem Vorgang des Fotografierens selbst und nicht der möglichen Nachbearbeitung zu Hause zu widmen! Eine geringfügige Nachbearbeitung unter der Prämisse, die natürliche Wiedergabe zu erhalten oder im Idealfall sogar zu verstärken, halte ich auch im Bereich der Reise- und Landschaftsfotografie für legitim.

Ich kann aber auch künstlerisch gestaltete Bilder toll finden – nur sollte dann durch eine explizite Erwähnung oder aus dem Kontext heraus klar sein, dass es sich nicht um eine natürliche Wiedergabe handelt.

Mich interessiert deine Meinung, egal ob du selbst bloggst oder Fotos nur für dich selbst machst und einerlei, welche Kamera du verwendest: Bearbeitest du deine Fotos nachträglich? Und was empfindest du als legitim, wenn es um Reisefotografie geht? Danke für deinen Kommentar! 🙂

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