Kulinarisch auf Abwegen: Island

von | 29.11.2017 | 2 Kommentare

Waffel und Kaffee im Café Kyrrð, Borgarnes
Leckere Waffel und Kaffee im Café Kyrrð
Zu einer gelungenen Reise gehören für uns eigentlich auch immer gutes Essen, Restaurantbesuche und das Entdecken der verschiedenen Länderküchen. Island hat uns, was das angeht, jedoch auf eine harte Probe gestellt: Das Essengehen ist dort (wie viele andere Dinge des täglichen Lebens auch) unverhältnismäßig teuer und auch für viele Lebensmittel im Supermarkt werden absurd hohe Preise verlangt. So staunte ich nicht schlecht, dass z.B. ein Päckchen ordinärer Schnittkäse, wie er in Deutschland für 1-2 Euro zu bekommen ist, auf Island sage und schreibe 20 Euro kosten sollte.

Nun – wir haben das Beste daraus gemacht und wollen in diesem Beitrag ein paar Tipps geben, wie man sich auch auf Island einigermaßen gesund, erschwinglich und genussvoll ernähren kann.

Vorbereitungen zu Hause

Da Island für seine teuren Lebenshaltungskosten bekannt ist, konnten wir uns ein bisschen vorbereiten. Die Lösung war für uns ein ordentlicher Vorrat an Tüten-Tassen-Gerichten. Die kleinen Tütchen wiegen nicht viel und man kann sie im Koffer in ungenutzte Ecken und Ritzen stopfen. Vor Ort sind sie schnell zubereitet, man braucht nur eine Tasse, einen Löffel und einen Wasserkocher. Wer wie wir auf Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe verzichten möchte, wird bei der Bio-Kette Denn´s fündig (hier haben wir hauptsächlich die Quinoa-Gerichte gegessen), auch von Alnatura gibt es mittlerweile einiges im Angebot. Ergänzt wurde unser Vorrat noch durch Müsli- und Schokoriegel, die gehen auch immer und überall.

Und tatsächlich haben wir uns häufig auf diese Weise ernährt. Es ist kein kulinarisches Highlight, aber geht im Notfall schon mal.

Für Tüten-Tassen-Gerichte benötigt man nur heißes Wasser, keine Küche.
Für Tüten-Tassen-Gerichte benötigt man nur heißes Wasser, keine Küche.

Island als Selbstversorger

Wir haben bei der Reiseplanung bereits darauf geachtet, möglichst häufig eine eigene Küche oder eine Küche zur Mitbenutzung zu haben, um uns selbst versorgen zu können. Durch die winterlichen Temperaturen braucht es auch keinen Campingkühlschrank, im Kofferraum unseres Mietwagens blieb alles frisch, wenn wir unterwegs waren.

Im Supermarkt sind wir immer erstmal eine Weile beschäftigt. Dass Island teuer ist, haben wir erwartet, aber dass es da so große und wenig nachvollziehbare Unterschiede gibt, überrascht uns dann doch. Milch ist zwar etwas teurer als bei uns, aber durchaus okay, daher verwundert uns der astronomisch hohe Preis für Schnittkäse schon. Dafür kostet eine Sushi-Box nur umgerechnet 10 Euro. Orangensaft, Oliven, Tee (auch solche Sorten, die schon in Deutschland nicht ganz billig sind), was ja alles definitiv importiert wurde, sind nicht teurer als bei uns in Deutschland. Die Tomaten aus isländischen Gewächshäusern kosten allerdings ein Vermögen. Wir liebäugeln mit Blaubeeren, finden aber heraus, dass ein großer Becher mit 300 Gramm umgerechnet 13 Euro kosten soll. Wir schaffen es schließlich, uns mit dem Wichtigsten für die nächsten Tage einzudecken und freuen uns, dass wir mit unter 100 Euro rausgehen.

Schnittkäse und Blaubeeren sind unerwartet teuer
Schnittkäse und Blaubeeren sind unerwartet teuer
Da Mehl, Milch, Eier und Zucker okay sind, gibt es bei uns nun häufig Pfannkuchen. Haferflocken, Nudeln, Dosentomaten, Zwiebeln, Tiefkühlgemüse und Kartoffeln sind auch erschwinglich. Mit einer Kochmöglichkeit und ein paar Grundnahrungsmitteln lässt es sich also ganz gut leben.
Basisgericht Pfannkuchen für Selbstversorger auf Island
Basisgericht Pfannkuchen für Selbstversorger auf Island
Und mit ein bisschen Erfindungsreichtum müssen es dann auch im Hotel oder Pensionszimmer nicht immer nur Tütensuppen sein. Hot Dogs funktionieren auch fast immer und überall. Wir funktionieren kurzer Hand eine Obstschale um, legen unsere Bockwürstchen hinein, übergießen sie mit heißem Wasser aus dem Wasserkocher und bauen uns leckere Hot Dogs mit Röstzwiebeln, Gurkenscheiben, Ketchup und Senf. Irgendwie macht unsere improvisierte Polarkreis-Küche auch Spaß.
Hot Dogs lassen sich ohne Küche zubereiten
Hot Dogs lassen sich ohne Küche zubereiten

Isländische Spezialitäten

In dem kleinen Örtchen Olafsvik wollen wir eigentlich Lammfleisch kaufen, das die meisten als isländische Spezialität kennen werden, doch dann sehen wir noch etwas anderes: Foladafile steht da. Wir googeln und finden heraus, dass es sich um isländische Fohlenfilets handelt (nur halb so teuer wie Lammfleisch, aber für deutsche Verhältnisse immer noch nicht gerade billig). Erst will ich das partout nicht kaufen – ich esse doch keine kleinen Pferdchen. Dann überlege ich, dass kleine Lämmer (und Schweinchen, Kälbchen, Kaninchen …) ja auch süß sind und dass diese Pferde immerhin ein gutes Leben in der Natur hatten und nicht in Massentierhaltung, Anbindehaltung oder Qualzucht gelebt haben. Außerdem denke ich, dass ich bei dem Chicken-Burger bei McDonalds eigentlich größere moralische Bedenken hätte haben sollen. Also werden die Filets gekauft. Dazu schwedisches Tiefkühlgemüse und isländische Kartoffeln. Und so bereiten wir in unserer kleinen Ferienhausküche ein wahres Festessen zu, denn das Fleisch ist unglaublich zart und sehr lecker.

Fohlenfilet und isländische Kartoffeln – superlecker!
Fohlenfilet und isländische Kartoffeln – superlecker!

Halbwegs erschwingliches Essengehen

Restaurantbesuche haben auf dieser zweiwöchigen Reise nun wirklich Seltenheitswert und wir essen fast nur Burger.

In Akureyri, der größten Stadt im Norden Islands gehen wir in die Hamborgarafabrikkan, die sehr beliebt ist und die es auch in Reykjavik gibt. Im Fosshotel an den Ostfjorden sind es ebenfalls die Hamburger, die wir uns leisten wollen. Burger mit gebratenen Champignons und Zwiebeln, dazu Pommes und Sauce Bernaise. Jeder Teller kostet etwa 22 Euro. So etwas würden wir anderswo auf der Welt nicht machen, aber für isländische Verhältnisse geht es und es schmeckt lecker. Alle anderen Hauptgerichte beginnen bei mindestens 30 Euro und nach oben scheint es keine Grenzen zu geben.

Burger im Fosshotel Eastfjords
Burger im Fosshotel Eastfjords
Im Restaurant bei den Geysiren soll ein kleiner Becher Eintopf zum Mitnehmen 15 Euro kosten und es wirkt vom Ambiente eher wie das Ikea-Restaurant oder eine Betriebskantine.

Was auf Island noch ganz gut geht, sind Café-Besuche. Für 10-15 Euro pro Person gibt es heiße Getränke und leckere Waffeln. Besonders zu empfehlen ist das Kaffi Kyrrð in Borgarnes (ca. 70 km nördlich von Reykjavik). Hier gibt es nicht nur leckere Waffeln und heiße Schokolade (Foto dazu ganz oben als Beitragsbild), das Café ist gleichzeitig ein Blumen- und Souvenier-Laden. Man kann handgemachte Norwegerpullover und andere Strickwaren kaufen und man sitzt absolut urig auf alten Sofas und Ohrensesseln. Die Gästebücher, die dort ausliegen verraten, dass sich bereits viele Reisende aus aller Herren Länder in dieses kleine, von außen ganz unscheinbare Café verirrt haben.

Urig gemütlich im Kaffi Kyrrð, Borgarnes
Urig gemütlich im Kaffi Kyrrð, Borgarnes
In isländischen Bäckereien sollte man außerdem Kleina probieren, das Schmalzgebäck ist typisch für Island und sehr lecker. Mir haben es besonders Snúður, eine Art Zimtschnecke angetan.

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Fazit

Island hat zwar für uns keine kulinarischen Highlights bereit gehalten, aber mit ein bisschen Improvisationsgeist, haben wir das Beste draus machen können.

Hast du weitere Fragen zum Essen auf Island oder eigene Erfahrungen und Tipps für Selbstversorger und Essengehen? Immer her damit, wir freuen uns über jeden Kommentar! 🙂