Wildnis, Kultur und Leckereien: Hamra Nationalpark, Fågelsjö und Café Cineast

von | 07.09.2017 | 2 Kommentare

Eine Fahrt durch endlos scheinende Wälder und Moore, nur selten unterbrochen durch ein Dorf oder andere Hinweise auf menschliche Zivilisation, aber immer wieder die Chance auf Tiersichtungen – das beschreibt unsere Fahrt zum Hamra Nationalpark und weiter nach Sveg in Mittelschweden.

Schon bei der Planung unseres Schweden-Roadtrips war mir schnell klar, dass ich den Hamra Nationalpark mit in unsere Route einbauen will (ich bin über den hilfreichen Reiseführer von DuMont darauf aufmerksam geworden). Hamra war einmal der kleinste Nationalpark Schwedens, wurde zwischenzeitlich aber deutlich erweitert. Den Besucher erwarten dichte Urnadelwälder, unterbrochen von Sumpfgebiet und Seen, außerdem sind hier viele Tiere heimisch. Die Braunbärdichte ist hier vergleichsweise hoch und die Bevölkerungsdichte niedrig – genau richtig für uns und unsere Vorlieben.

Und so fahren wir nun von unserem Standquartier am Siljansee (Dalarna) auf der E45 Richtung Norden, gut 100 Kilometer liegen vor uns.

Auf der E45 Richtung Sveg
Auf der E45 Richtung Sveg

Hamra Nationalpark

Hamra Nationalpark

Fågelsjö gammelgård

Fågelsjö gammelgård

Café Cineast

Café Cineast

Rückfahrtroute

Rückfahrtroute

Den Hamra Nationalpark am besten zu Fuß erkunden

Wenn man nicht aufpasst, kann man auch schnell am Nationalpark vorbeifahren, denn das Infocenter liegt ein paar Fahrminuten abseits der Hauptstraße. Die letzten Kilometer sind sogar nur geschottert, dann kommen wir am kleinen Parkplatz an und stellen das Auto ab. Man merkt gleich, dass der Nationalpark weit weniger frequentiert wird als manche bekanntere Parks, z.B. weiter im Süden.

Der Wanderweg in den Hamra Nationalpark
Der Wanderweg in den Hamra Nationalpark

Erste Tiersichtung (allerdings eher der unliebsamen Art): Bremsen, die es hier in verschiedenen Variationen und teils in schillernden Farben gibt. Es stellt sich als Vorteil heraus, helle (am besten weiße) Oberbekleidung zu tragen und einen Hut oder eine Kappe auf dem Kopf. Weiß empfinden die Blutsauger offenbar als unattraktiv und so landen sie auf dem Kopf, wo sie uns aber nichts anhaben können.

Ein Naturum in Form eines Gebäudes gibt es im Hamra Nationalpark zwar nicht, dafür aber schön gestaltete Informationstafeln und einen kleinen Picknickbereich. Hier muss man sich auch entscheiden, ob man eher das Waldgebiet mit See oder das Moor (oder beides) erkunden will – es gibt mehrere Trails. Wir entscheiden uns für den ca. 5 km langen „Virgin Forest Loop“.

See im Hamra Nationalpark
Zu Anfang führt die Wanderung über einen breiten Boardwalk (Holzbohlen), im weiteren Verlauf aber nur noch über einen schmalen Pfad, teils über Stock und Stein, und bei sumpfigem Untergrund als Holzsteg. So dauert die Wanderung länger, als man rein von der Strecke her erwarten würde.
Schmaler Pfad durch den Urwald

Der Wald, der schon seit vielen Jahrzehnten keine Säge mehr gesehen hat, mit den teils bizarren Moos- und Flechtengebilden, Felsen und Steinen gefällt uns sehr gut. Erneut fühlen wir uns ähnlich wie in Kanada, wo man ja ebenfalls auf Bären und andere Tiere achten muss, wobei der skandinavische Braunbär als weit scheuer gilt als seine nordamerikanischen Verwandten. Wir bewegen uns insgesamt einfach aufmerksamer und präsenter durch die Natur.

Grazile Moose und Flechten gibt es überall
Sumpfgebiet
Gezeigt hat sich uns auf dieser Wanderung kein größeres Tier, was aber auch nicht unbedingt zu erwarten war. Ich würde dir jedenfalls empfehlen, mindestens eine der möglichen kürzeren oder längeren Wanderungen zu machen, um einen wirklichen Eindruck vom Nationalpark zu bekommen.

Fågelsjö und ein alter Brandturm

Auf dem Weg zum oder vom Hamra Nationalpark lassen sich weitere Sehenswürdigkeiten einplanen, die nur relativ kurze Umwege erfordern.

So besuchen wir im Anschluss das alte Gehöft Fågelsjö Gammelgård, das mit dem Auto nur 15 Minuten entfernt liegt. Hier kann man sich anschauen, wie die Menschen früher in dieser einsamen Gegend lebten. Neben einem Museum gibt es ein kleines Geschäft mit Handwerksarbeiten und wir versorgen uns mit leckeren belegten Brötchen.

Pilkalampinoppi liegt weiter südlich und ist nur über Schotterstraßen zu erreichen, weshalb wir diesen Zwischenstopp auch auslassen. Ich will den alten Brandturm aber nicht unerwähnt lassen, von dem man einen wunderbaren Blick über die bewaldete Hügellandschaft haben soll. Früher wurde er genutzt, um Waldbrände schneller entdecken und Löschmaßnahmen einleiten zu können, bevor sich das Feuer zu stark ausbreiten kann.

Fågelsjö gammelgård, alter Bauernhof mit Museum und Café
Fågelsjö gammelgård, alter Bauernhof mit Museum und Café

Weiter nach Sveg – zum besten Café unserer Reise!

Auf welcher Route sollen wir nun zurück nach Mora fahren und wo lohnt sich noch ein Zwischenstopp? Wir hätten ja total Lust auf ein Stück Kuchen und da es auch hier, fernab größerer Städte, Mobilfunk gibt, bemühe ich das Internet und werde auf das hochgelobte Café Cineast in Sveg aufmerksam. Hmm okay, das ist eigentlich die falsche Richtung, 40 km weiter nach Norden, aber hey, es ist erst Nachmittag und die schwedischen Sommertage (Anfang Juli) so schön lange hell… Also auf nach Sveg!

Café Cineast in Sveg, von außen ganz unscheinbar...
Café Cineast in Sveg, von außen ganz unscheinbar…
Das Café Cineast entpuppt sich dann auch als wahres Kleinod, und zwar nicht nur in kulinarischer, sondern auch in kultureller Hinsicht. Von außen so unscheinbar, hat sich der Betreiber nämlich mit der Inneneinrichtung total viel Mühe gegeben und im Obergeschoss thematisch ganz unterschiedliche Räume gestaltet, die alle einen Bezug zu Kino, Thriller, Science Fiction usw. haben. Es gibt sogar ein Gefängnis, in das mich Kerstin einsperrt – zum Glück nur für kurz.
Kaminzimmer mit Ritterrüstung und vielen Filmpostern im Café Cineast
Kaminzimmer mit Ritterrüstung und vielen Filmpostern
Torten und Kuchen im Café Cineast, Sveg

Torten und Kuchen im Café Cineast

Das alles wäre aber nur halb so schön, wenn es im Café nicht auch so viele köstliche Leckereien gäbe. Wir lassen uns Pfannkuchen und Prinsesstårta (im grünen Marzipanmantel, ganz hervorragend!) schmecken und genießen einfach den Nachmittag.

Auch die Rückfahrt hält Überraschungen bereit

Ganz spontan entscheiden wir uns für die Rückfahrt nach Mora für eine Alternativroute zur E45: Wir nehmen die Landstraße ins von Sveg aus südwestliche Lillhärdal und von dort die Strecke nach Älvdalen.

Das ist eine wahre Entdeckung, denn hinter Lillhärdal wurde die Straße komplett neu asphaltiert und befindet sich somit in bestem Zustand (sogar besser als Teile der parallel, aber weiter östlich verlaufenden E45). Gleichzeitig ist es hier noch einsamer, nur selten begegnen wir einem anderen Fahrzeug.

Straße von Lillhärdal nach Älvdalen
Straße von Lillhärdal nach Älvdalen

Ich halte immer die Augen offen, fahre langsamer als erlaubt und habe die Hoffnung, wilde Tiere entdecken zu können, vielleicht ja sogar Elche. Und meine Geduld wird belohnt, aber noch anders als gedacht: In einer leichten Rechtskurve durch lockeres Waldgebiet erkenne ich links der Straße eine Bewegung – ein Bär! Er befindet sich nur wenige Meter von der Straße entfernt, rennt beim Vorbeifahren aber sofort los. Ich kann allerdings nicht schnell genug stoppen und auch nach einem Wendemanöver ist vom Bär nichts mehr zu sehen, es gibt also kein „Beweisfoto“. Total happy bin ich dennoch, auch gerade weil eben die Bären in Schweden so zurückgezogen leben und scheu sind.

Ein paar Kilometer weiter sehen wir dann noch ein Auerhuhn neben der Straße und so beenden wir hochzufrieden den Tag.

Einen Braunbär haben wir sogar direkt neben der Straße gesehen (dieses Bild: Bärenpark Orsa)

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Fazit

Der Hamra Nationalpark ist zwar klein, aber urwüchsig schön, er lohnt auf jeden Fall einen Umweg. Und das Café Cineast ist für jeden Kuchen- und Kinoliebhaber ein Muss!

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Wandern im Hamra Nationalpark

Nur für einen kurzen Autostopp lohnt der Hamra nicht, zumindest eine kleine Runde sollte man zu Fuß drehen. Auf der Website der Nationalparkverwaltung sind mehrere Wanderungen beschrieben, vor Ort werden die ausgeschilderten Wanderungen dann auch noch auf einer Übersichtskarte gezeigt.

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