Eine zauberhafte Welt – Sonnenuntergang am Bryce Canyon

von | 11.12.2015 | 1 Kommentar

Wir haben hier schon häufiger über Momente auf Reisen berichtet, die wir am liebsten konservieren würden, weil sie so einzigartig, so schön oder so berührend sind. Heute möchte ich wieder über so ein Erlebnis berichten, das mich von der Schönheit der Landschaft völlig überwältigt hat staunen lassen: dem Sonnenuntergang und Sonnenaufgang am Bryce Canyon.

Leuchtende Steine

Icon_camera_128Es ist Mitte August und wir machen uns auf den Weg vom Zion zum Bryce Canyon. Unser Tipp auf dem Weg ist übrigens der Red Canyon State Park, durch den man automatisch fährt, wobei man unbedingt anhalten und den eigenen Charme der roten Steinformationen genießen sollte.

Red Canyon State Park
Gegen 17.30 Uhr kommen wir nach einem langen Tag, müde vom Wandern und Autofahren in unserem schönen B&B, dem Bullberry Inn an. Es ist angenehm warm, die Gastgeber sehr freundlich und wir haben ein tolles Zimmer mit schöner Terrasse. Einen Moment lang überlege ich, ob wir den Abend dort nicht einfach gemütlich ausklingen lassen sollten. Langeweile würde beim Beobachten der süßen kleinen Kolibris nicht aufkommen, die sich mit viel Gebrumm auf der Terrasse um die Futterstelle scharen. Unser Gastgeber rät uns jedoch, abends unbedingt nochmal zum Canyon zu fahren.
Kolibri vor unserem B&B
Unser B&B, das Bullberry Inn
Wir machen uns also kurz frisch und fahren zum Bryce Canyon National Park, eine Stichstraße führt in den Park hinein. Da Klaus ja derjenige von uns ist, der unsere Reisen plant, habe ich nur eine vage Vorstellung von dem, was uns dort erwartet. Ein weiterer Rote-Steine-Park eben.
„Und da kommt plötzlich die Abbruchkante und man hat einen unvermittelten Blick hinein in diesen atemberaubenden Canyon …“
Icon_Road_256Von tollen Steinformationen ist bislang auch noch nichts zu sehen. Wir parken und gehen einen kurzen, ziemlich unscheinbaren Weg durch die Hochlandschaft und folgen der Beschilderung zum Sunset Point. Und da kommt plötzlich die Abbruchkante und man hat einen unvermittelten Blick hinein in diesen atemberaubenden Canyon mit den fantastischen Figuren und Fenstern im Stein, die vom Abendlicht angestrahlt werden. Es wirkt, als leuchteten die vielen Figuren – Hoodoos und Windows – von innen heraus. Der Blick über dieses gigantische natürliche Amphitheater von 30 km Länge ist wirklich überwältigend: Selten habe ich etwas so Schönes gesehen! Die Magie dieser Landschaft, die in Millionen von Jahren entstanden ist, treibt mir mal wieder ein Tränchen in die Augen!
Amphitheater Bryce Canyon

Über Hoodoos und Windows

Wir stehen lange da und schauen einfach nur zu, wie die untergehende Sonne die Steinfiguren zum Leuchten bringt und lassen unserer Fantasie freien Lauf. Wie die Kulisse eines Fantasy-Films wirkt es, eine Zwergenstadt könnte es sein, wir meinen Paläste, kleine Häuser, Menschen und Fabelgestalten erkennen zu können und können uns an diesem Anblick kaum sattsehen.

Wie im Arches Nationalpark gibt es Löcher in Felswänden, die wie Fenster aussehen und auch als Windows bezeichnet werden und bis zu 60 m hohe Felsnadeln – die so genannten Hoodoos. Der berühmteste Hoodoo im Park ist „Thors Hammer“, er ist sehr imposant und vom Sunset Point aus gut zu sehen.

Auch die indianischen Ureinwohner wurden durch die bunten Figuren aus Stein im Bryce Canyon inspiriert. Sie nannten sie „Legend People“ und glaubten, es seien ihre Vorfahren, die sich etwas zu schulden haben kommen lassen. Denn die bösen Menschen wurden diesem Glauben nach von einem Coyoten in Stein verwandelt.

Der Bryce Canyon gehört zusammen mit den älteren Nationalparks Zion und Grand Canyon zu einer als Grand Staircase (zu deutsch Große Treppe) genannten Formation im Colorado Plateau. Eigentlich handelt es sich beim Bryce Canyon gar nicht um einen ’echten’ Canyon, denn ein Canyon erhält seine Form durch den Fluss, der durch ihn hindurch fließt (oder floss). Die Steinformationen des Bryce Canyons wurden in Millionen von Jahren durch Wind und Wasser in zahlreichen Seen und Eis geformt und werden von Geologen als natürliches Amphitheater bezeichnet. Es liegt auf 2400-2700 m über dem Meeresspiegel und erstreckt sich über eine Länge von 30 km – ein gewaltiger Anblick!

Sunset Point

Sunset Point

Bryce Canyon Lodge

Bryce Canyon Lodge

Tropic

Tropic

Red Canyon

Red Canyon

Wandern im Bryce Canyon

Icon HikingAuch wenn man nicht tagelang Zeit im Bryce verbringen will oder kann, lohnt es sich, einen Spaziergang oder eine kurze Wanderung zu machen!

Spaziergang vom Sunrise über den Sunset zum Inspiration Point (oder umgekehrt):
Innerhalb von nur 20-30 Minuten kann man diese Kurzwanderung machen, die weitgehend eben am Canyonrand entlang verläuft und von daher leicht zu machen ist.

Navajo und Queen’s Garden Trails:
Einen wieder anderen und speziellen Eindruck vom Canyon erhält man erst, wenn man nicht nur oben an der Kante bleibt, sondern auch hinuntersteigt. Dafür empfiehlt sich eine Kombination aus dem Navajo und dem Queen’s Garden Trail, beginnend beim Sunset Point.
Durch das Gefälle am Anfang und die Steigung am Ende ist diese Wanderung etwas anstrengender, für die ca. 5 km solltest du dir 1,5 bis 2 Stunden Zeit nehmen.

Dinner in der Lodge

Icon_Eat_128Wie viele nordamerikanische Nationalparks gibt es auch hier eine Lodge. Es handelt sich um ein großes rustikales Holzhaus, das es seit der ersten Besiedelung der Gegend gibt. Man kann hier auch übernachten, es gibt einen kleinen Shop mit Souvenirs und ein Restaurant. In letzteres kehren wir zum Dinner ein. Auch innen ist es mit viel Holz und einem großen Kaminofen ausgestattet und sehr gemütlich.

Die Speisen sind hochwertig, aber für amerikanische Verhältnisse etwas hochpreisiger. Wir werden sehr freundlich bedient, als Gruß aus der Küche bekommen wir ofenwarmes Knoblauchbrot und ein Schälchen mit Olivenöl zum dippen. Und auch die Speisekarte erinnert eher an einen guten Italiener in Europa.

Sonnenaufgang im Bryce Canyon

Am nächsten Tag hat es sich gelohnt, früh aufzustehen und noch vor dem Frühstück den ebenfalls fantastischen Sonnenaufgang im Bryce Canyon zu sehen. Es ist ein tolles Spektakel zuzuschauen, wie die Sonne die Figuren in Licht und Schatten taucht und wie es langsam taghell wird.

Man sollte sich warm anziehen, denn im Gebirge auf dieser Höhe (rund 2500 m) ist es vor Sonnenaufgang empfindlich kalt – und zwar auch im Sommer, wenn die Temperaturen tagsüber locker 30 Grad erreichen, ganz früh morgens aber trotzdem noch einstellig sein können. Dies scheinen sich viele Touristen im Vorfeld nicht bewusst gemacht zu haben. Wir sehen viele schlotternde Reisende in Top, Flipflops und kurzen Hosen, die sobald die Sonne sich zeigt, diesen Sightseeing-Punkt abhaken und ins Warme flüchten. Wir aber finden, dass es sich durchaus lohnt zu bleiben, bis die Sonne vollständig aufgegangen ist. Sobald der große Touristen-Strom zufrieden mit ein paar Sunrise-Fotos abgezogen ist, hat man dieses Schauspiel auch beinahe für sich alleine.

Thors Hammer im Licht des Sonnenaufgangs

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Fazit

Auch wenn fotografisch gesehen der Sonnenaufgang das Highlight war, bleibt für mich persönlich der erste überraschende Blick auf den Bryce Canyon bei Sonnenuntergang eine ganz besondere Erinnerung!

fernweh-logo-gruen-150Tipps

 

Unterkunft

Das Bullberry Inn liegt in Tropic, einem kleinen Örtchen wenige Autominuten vom Bryce Canyon National Park entfernt, wo man noch mehr gute Übernachtungsmöglichkeiten findet. Es wird von einem freundlichen Ehepaar geführt und die Zimmer sind gemütlich und sauber mit Dusche und WC. Zu jedem Zimmer gehört eine Terrasse mit Sitzgelegenheiten. Tagsüber kann man hier die süßen kleinen Kolibris beobachten, die von Larry, dem Gastgeber regelmäßig mit Zuckerwasser gefüttert werden. Abends hat man hier einen fantastischen Blick auf den Sternenhimmel.

Das Frühstück ist reichhaltig und sehr lecker. Bei unserem Besuch gab es heißes Oat Meal mit frischen Erdbeeren und Bananen, Rühreier mit Speck und Teresas superleckere Vollkorn-Waffeln mit Walnüssen.

Buchempfehlungen

Neben unserem „Standardwerk“ für die Weststaaten, dem Grundmann (USA – der ganze Westen), empfehlen wir noch explizit Photographing the Southwest Vol. 1 von Laurent Sartres.

Es ist nur auf englisch erschienen, aber trotzdem (oder gerade deswegen?) eine absolute Empfehlung für eine Reise zu den Naturschönheiten des amerikanischen Südwestens. Nicht nur für Fotografen! Viele Tipps für Trails inkl. Schwierigkeitsgraden, für die Befahrbarkeit von kleineren Straßen mit dem Auto und für gute Plätze zum Fotografieren.

Fototipp

Schild Sunset Point, Bryce Canyon National ParkIcon_camera_128Die großartigsten Fotos vom Bryce Canyon, insbesondere des Amphitheaters, sind mit Sicherheit alle entweder morgens oder abends entstanden, wenn das Licht der auf- oder untergehenden Sonne diese fast magischen Reflektionen erzeugt.

Selbst wenn du nicht viel Zeit hast, solltest du also unbedingt früh morgens zum Sonnenaufgang oder spät abends da sein. Die erste Anlaufstelle für gute Bilder ist der Sunset Point.

Besonders glücklich kannst du dich schätzen, wenn du die Hoodoos und Felsen nicht nur beim Leuchten durch die auf- oder untergehende Sonne, sondern obendrein mit Schnee bepudert fotografieren kannst. Der Farbkontrast ist phänomenal!

Wo hast du die schönsten Sonnenaufgänge oder Sonnenuntergänge gesehen? Erzähle uns deine Geschichte! Oder hast du Fragen zum Bryce Canyon? Wir sind gespannt auf deine Anmerkungen und Gedanken, bitte teile sie mit uns, indem du einen Kommentar hinterlässt. Danke!