Unser Besuch des Grand Canyon – in Europa!

von | 13.05.2016 | 5 Kommentare

Wusstest du, dass der (nach der Tara-Schlucht) längste und tiefste Canyon Europas in Frankreich zu finden ist und – in Anlehnung an den bekannten, amerikanischen Namensgeber – auch „Grand Canyon“ genannt wird? Mir war das vor unserer Reiseplanung unbekannt und umso mehr freuten wir uns auf den Besuch dieser Schlucht, der tatsächlich an Amerika erinnernde Gefühle aufkommen ließ!

Der Gorges du Verdon

Beim Recherchieren im Reiseführer und im Internet im Rahmen der Planung unserer Provence-Reise war schnell klar, dass wir ihn besuchen müssen: den Gorges du Verdon oder auch Grand Canyon du Verdon genannt. Schließlich sind wir Fans der amerikanischen Nationalparks und Canyon-Landschaften und neugierig auf ähnliche Formationen in anderen Teilen der Welt.

Der Gorges du Verdon liegt in der Haut-Provence im Südosten Frankreichs. Zwischen dem Städtchen Castellane im Osten und dem Stausee Lac de Sainte-Croix im Westen fließt der Fluss Verdon über 21 km durch bis zu 700 Meter tiefe Schluchten, wobei diese mich eher an den Zion Canyon und weniger an den Grand Canyon erinnerten. Jeder Vergleich fällt schwer, denn der Gorges du Verdon hat einen eigenen Charakter, den es zu entdecken lohnt!

Couloir Samson

Couloir Samson

Chasteuil Chambres et Table d'Hôtes

Chasteuil Chambres et Table d’Hôtes

Routes des Crêtes

Routes des Cretes

Lac de Sainte-Croix

Lac de Sainte-Croix

Nordroute

Nordroute

Südroute

Südroute

Balcon de la Mescla

Balcon de la Mescla

Unsere Unterkunft im winzigen Bergdorf

Wir fahren aus Richtung Nizza/Cannes über die Route Napoleon (N85) nach Castellane, das uns schon von Weitem mit dem steil in die Höhe ragenden Felsen und der darauf befindlichen Kapelle Notre-Dame-du-Roc begrüßt. Castellane ist ein sympathisches Örtchen und wir nutzen die Möglichkeit, ein paar Lebensmittel einzukaufen.

Chasteuil Chambres et Table d'HotesIcon_Farm-House_256Nun geht es auf der D952 entlang des Verdon und zunächst zu unserer Unterkunft: dem Chasteuil Chambres et Table d’Hotes, einer Art Bed and Breakfast, das wir wegen der zahlreichen positiven Rezensionen ausgewählt haben. Schon die Anfahrt ist ein kleines Abenteuer: Es geht über ein schmales (aber asphaltiertes) Sträßchen über etliche enge Haarnadelkurven den Berg hinauf, nach einigen Minuten erreichen wir Chasteuil, ein winziges Bergdörfchen, das nur aus einigen Häusern, einer Kapelle und dem B&B besteht! Das ist ganz nach unserem Geschmack, zumal die Betreiber Nancy und Pascal sehr freundlich sind und fließend englisch sprechen. Die Ruhe und Aussicht von hier oben ist wirklich toll, ein richtiges Unterkunfts-Juwel für Flashpacker! 🙂

Ausblick vom B&B in Chasteuil

Ausblick vom B&B in Chasteuil

Erste Erkundung am Couloir Samson

Nachdem wir unser Zimmer bezogen haben, fahren wir direkt wieder das Sträßchen hinunter, denn wir wollen noch einen ersten Eindruck vom Canyon gewinnen.

Wieder auf der Landstraße dauert es nicht lang, bis sich die Felsen immer mehr zusammenschieben und wir teilweise unter ihnen durchfahren, weil die Straße an manchen Engstellen sozusagen in den Fels hineingefräst ist! Die Schlucht wird immer tiefer und die Felsen weisen interessante Muster und Farbstrukturen auf. Besonders deutlich sind die Färbungen entlang einer kurzen Stichstraße zum Couloir Samson, wo wir das Auto abstellen und den unter uns rauschenden, türkis-blauen Fluss bewundern.

Wir sind beeindruckt, der Reiseführer hat nicht zu viel versprochen! Wir sind schon jetzt sicher, dass es sich gelohnt hat, diesen Grand Canyon in unseren Roadtrip durch die Provence mit aufzunehmen.

Couloir Samson

Couloir Samson

Umrundung des Canyon und Lac de Sainte-Croix

Icon_Road_256Am nächsten Morgen stärken wir uns beim leckeren Frühstück für den Tag und nehmen die Umrundung des Canyons in Angriff. Die Strecke ist nicht zu unterschätzen: Selbst die Minimal-Rundtour zwischen Castellane und Moustiers-Sainte-Marie ist über 100 km lang, inkl. der See-Umrundung und der Aussichts-Straße „Routes des Crêtes“ werden daraus 170 Kilometer!

Ich empfehle, die Rundtour von Osten kommend und im Uhrzeigersinn zu fahren, also zuerst über die Südstrecke D71 und zurück über die D952 und Routes de Crêtes. Dadurch hat man die Schlucht meist rechts von sich, was die Aussicht und das Parken erleichtert, außerdem fährt man vormittags nicht gegen die Sonne.

Blick vom Balcon de la Mescla

Blick vom Balcon de la Mescla

Unseren ersten größeren Fotostopp machen wir am Balcon de la Mescla. Hier steht man hoch über dem Verdon-Fluss und kann die Landschaft und Farben bewundern. Und das Beste: Wir reisen in der Nebensaison und sind fast alleine unterwegs! Auch in dieser Hinsicht erinnert uns die Strecke ein bisschen an Nordamerika, aber im Sommer, der Hauptsaison, muss es hier ganz anders zugehen und alles ziemlich „vollgestopft“ sein, wie uns auch unser Gastgeber Pascal erzählt. Gut, wir haben nicht das beste Wetter, die Sonne lässt sich eher selten blicken, aber dafür einen sehr entspannten Erkundungstag in toller Kulisse.

Die weitere Fahrt auf der Südroute führt entlang etlicher schöner Aussichtspunkte mit beeindruckenden Abhängen, die an mancher Stelle (für deutsche Verhältnisse) erstaunlich wenig durch Leitplanken gesichert sind. Vom Bergort Aiguines aus können wir zum ersten Mal den großen Stausee Lac de Sainte-Croix mit seinem durch Gletscher gespeisten türkisblauen Wasser sehen.

Wenn du einen nicht zu touristisch geprägten Ort am See besuchen willst, so kann ich Bauduen an der Südost-Ecke empfehlen. Hier scheint – natürlich auch v.a. in der Nebensaison – die Zeit noch etwas stehengeblieben zu sein. Moustiers-Sainte-Marie markiert den Wendepunkt der Tour – hier haben wir zu Mittag gegessen, nachzulesen im Beitrag „Essen wie Gott in Frankreich“.

Bauduen am Lac de Sainte-Croix

Bauduen am Lac de Sainte-Croix

Wandern am und im Canyon

Icon HikingDer Grand Canyon du Verdon ist bekannt für einige hervorragende Wanderrouten, z.B. auf dem Sentier Martel. Uns bleibt zu wenig Zeit und ist auch etwas zu kühl für ausgedehntere Wanderungen, aber ich kann folgenden Wanderführer empfehlen: Provence MM Wandern

Straßenverlauf

Die Nordroute und die Routes des Crêtes

Der Rückweg von Moustiers aus führt zunächst durch Wald und etwas abseits des Flusses, wir gewinnen kontinuierlich an Höhe. Nach einigen Kilometern sind wir wieder direkt an der Schlucht, hier konnten wir v.a. am Folgetag tolle Fotos machen, weil sich wieder mehr die Sonne zeigte. Die Färbung des Wassers und der Gesteinsformationen gewinnt im Sonnenlicht einfach deutlich an Intensität.

Bei der kleinen Ortschaft La Palud-sur-Verdon gibt es die Möglichkeit, einzukehren und/oder zu übernachten. Um sich mit Lebensmitteln zu versorgen, erscheint der große Supermarkt in Castellane allerdings empfehlenswerter.

Icon_Road_256Bei La Palud beginnt auch die Routes des Crêtes, eine extra für die Touristen angelegte Straße, die von Norden her kreisförmig bis nah an den Canyon heran- und dort ein Stück entlangführt. Diese Strecke gehört zum Pflichtprogramm, an manchen Stellen geht es direkt neben der Straße senkrecht in die Tiefe! Es ist wichtig zu erwähnen, dass diese Route im Uhrzeigersinn gefahren werden sollte, denn ein Teil ist Einbahnstraße!

An der Routes des Cretes

An der Routes des Cretes

Der weitere Verlauf der D 952 Richtung Osten führt über den Point Sublime, der als Zwischenstopp genutzt werden kann. Uns hat jedoch der wenig entfernte Couloir Samson besser gefallen (s.o.). Wieder in Chasteuil angekommen, lassen wir den Tag bei leckerem Abendbrot und Rotwein (zuvor in Castellane gekauft) ausklingen und genießen erneut die Lage unserer schnuckeligen Unterkunft.

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Fazit

Vielleicht habe ich in Erdkunde zu wenig aufgepasst, weil ich den Grand Canyon du Verdon zuvor nicht kannte, aber umso beeindruckender fand ich ihn nun. Die Schlucht braucht einen Vergleich mit Canyons in den US-Weststaaten nicht scheuen und die Gegend hat mich auch hinsichtlich der dünnen Besiedelung an Amerika erinnert. Last but not least: Mit unserer Unterkunft haben wir eine echte Entdeckung gemacht!

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Buchempfehlung

Der MM-Reiseführer „Provence • Côte d’Azur“ hat uns sowohl bei der Vorbereitung als auch während der Reise gute Dienste geleistet. Mir fehlt zwar etwas die Beschreibung schöner Strecken für einen Roadtrip, aber ansonsten sind viele Sehenswürdigkeiten, Ortschaften und auch Unterkunfts- und Restaurant-Tipps enthalten. Dem Gorges du Verdon inkl. Stausee sind 13 Seiten gewidmet.

Unterkunft

Unser inzwischen schon nicht mehr so geheimer Tipp, das „Chasteuil Chambres et Table d’Hôtes“ am Ende eines winzigen Sträßchens in einem verträumten Bergdorf, war die am schönsten gelegene Unterkunft unserer Provence-Reise. Das Zimmer sehr einfach, aber ausreichend ausgestattet, das Frühstück lecker und Nancy und Pascal sehr sympathisch und mit hilfreichen Tipps!

Reisezeit

Nach mehreren Schilderungen würden wir den Gorges du Verdon im Hochsommer wahrscheinlich meiden, denn dann ist natürlich viel mehr los, wobei es mit Rafting und anderen Wassersportarten auch mehr Möglichkeiten gibt. Zum Schauen, Wandern und Erkunden können wir die ruhige Nebensaison (April/Mai und Oktober) unbedingt empfehlen!

Hast du Fragen oder Anmerkungen, wie sind deine eigenen Erfahrungen? Wir sind gespannt auf deine Gedanken, bitte teile sie mit uns, indem du einen Kommentar hinterlässt. Danke!