Wie du in 2 Tagen San Francisco erkundest

von | 14.07.2015 | 2 Kommentare

San Francisco hat viel mehr als die Golden Gate Bridge zu bieten. Für viele, die sich auf einer Rundreise befinden bzw. nur relativ kurz in der Stadt sein können, stellt sich die Frage, wie man die Zeit gut nutzt und viele Eindrücke sammelt. Was uns beeindruckt, amüsiert und berührt hat und warum San Francisco zu den schönsten und interessantesten Städten gehört, die wir bisher bereist haben, kannst du im Folgenden lesen.

San Francisco stand schon lange auf meiner „Da-muss-ich-unbedingt-mal-hin“-Liste und ich hatte, bevor ich dann tatsächlich dort war, meine eigene, nicht in allen Punkten der Realität entsprechende Vorstellung über die Stadt am Pazifik. Ich gebe zu, für detaillierte Reiseplanung und eingehende vorherige Informationen über unsere Reiseziele ist Klaus zuständig. So dachte ich zwar an Flower-Power, Kunst, Klimbim, Kuriositäten, zerrissene Jeans und kalifornisches Sommer-Sonnen-Surfer-Feeling, stellte mir aber irgendwie eine sonnig-warme Stadt an einem stillen, friedlichen, azurblauen Pazifik vor. Zumindest dieses Bild hat die Realität korrigiert: Mit seinem eigenen Mikroklima und über’s Jahr hinweg konstanten Temperaturen um 20 Grad Celsius, einem stetigen Wechsel von Sonne, Nebel und ordentlichem Wind und rauen Wellen fühlte ich mich zumindest was das Wetter angeht eher an Nordsee oder irische Atlantikküste erinnert. Doch auch das hat seinen Charme und tut unserer Faszination für diese Stadt keinen Abbruch.

Die folgenden Beschreibungen kann man gut an 2 Tagen durchführen, wenn man sich nicht allzu lange an bestimmten Sehenswürdigkeiten aufhält. Wenn du mehr Zeit zur Verfügung hast – umso besser, dann kannst du die Stadt ausführlicher erkunden, zu sehen gibt es genug! Den – eventuell noch vorhandenen – Jetlag empfanden wir als hilfreich, um früh aufzustehen und die Tageshelligkeit zu nutzen. Das gilt prinzipiell für alle Reisen, die man von Europa aus gesehen nach Westen unternimmt.

Erkundungen zu Fuß: Ein Stadtspaziergang durch San Francisco

Icon HikingWir gehen gern zu Fuß – ob Wandern in der Natur oder eben eine Stadt erkunden und kennen lernen. Im Gegensatz zu einigen anderen amerikanischen Städten eignet sich Downtown San Francisco sehr gut für einen Stadtspaziergang, weil man mit dem Auto nicht überall hinkommt oder im Stau stehen würde. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind vergleichsweise gut ausgebaut und bringen einen zum Ausgangspunkt der Erkundung. In San Francisco ist es sogar möglich, ganz ohne Mietwagen auszukommen, auch wenn man dann den beschriebenen Scenic Drive nicht fahren kann.

Willkommen Fernweh Buch IconWir haben uns von einer Route, die im Lonely Planet Reiseführer Kalifornien beschrieben ist, inspirieren lassen. Die genaue Route kannst du dort nachlesen. Unsere Eindrücke und Bilder gibt es in diesem Beitrag. Es ist allerdings auch nicht schwierig, ohne den Reiseführer selbst eine Route zusammenzustellen und sich an der Beschreibung zu orientieren.

Dragon's Gate

Dragon’s Gate

Jack Kerouac-Alley

Jack Kerouac-Alley

Coit Tower

Coit Tower

Union Square

Union Square

Mission District

Mission District

Conzelman Road

Conzelman Road, Marin Headlands (von hier die Golden Gate Bridge fotografieren!)

Chinatown

Los gehts am Dragon’s Gate, über dieses Tor betritt man San Franciscos Chinatown. 24 Häuserblocks sind hier nach chinesischer Architektur gebaut, aus den Restaurants und Läden duftet es nach asiatischer Küche, auf der Straße spricht man häufiger kantonesisch oder mandarin als englisch oder irgendeine andere Sprache der Welt. Besonders sehenswert finden wir die bunt bemalten Häuserfassaden, die wunderschönen Balkone und die quer über die Straße gespannten chinesischen Lampions.

Ein Highlight ist für mich die Jack Kerouac Alley, benannt nach einem US-amerikanischen Nachkriegs-Literaten. Auf dem Straßenpflaster sind immer wieder Aphorismen und Zitate berühmter Dichter eingegossen. Die Häuserfassaden sind bunt bemalt und am Ende der Allee findet man „City Light Books“, die wohl berühmteste Buchhandlung San Franciscos. Sie ist groß, aber eng und sehr gut ausgestattet und ich könnte hier stundenlang nach Herzenslust in all den Klassikern und Kuriositäten stöbern und blättern. Vor der Buchhandlung stand bei unserem Besuch ein einarmiger E-Gitarrist und spielte so schön, dass mir dies dauerhaft in Erinnerung geblieben ist.

Little Italy

Weiter geht es von dort aus nach Little Italy und immer schön bergauf in die Columbus Avenue in Richtung Coit-Tower. Um einen spektakulären Blick über die ganze Stadt zu haben, ist es gar nicht unbedingt nötig, auf den Turm selbst zu gehen. Um uns unter die enorm langen Schlangen von Touristen zu mischen, die anstehen, um hoch zu kommen, ist uns die Zeit viel zu schade. Wir genießen vor allem den Blick vom Telegraph Hill über den Pionier Park auf die Bay Bridge. Traumhaft!

Cable Car

Cable Car
Cable Car
Ab da geht es wieder häufiger bergab und wir fahren auf der Powell-Mason-Linie noch eine Runde Cable-Car. Das ist auf jeden Fall ein Erlebnis. Die Besatzung leistet hier schweißtreibende Arbeit, zum Bremsen und Anfahren müssen schwere Hebel umgelegt werden. Der Gripman ist der Steuermann, der Bremser fungiert auch gleichzeitig als Schaffner und gibt acht, dass alle sicher fahren oder dass schwächere oder ältere Personen einen Sitz bekommen. Bremser und Gripman kommunizieren untereinander durch Glockenzeichen – so bedeutet z.B. dreimal läuten „sofort anhalten!“.
Tipp: Nicht direkt an der Endstation am Fisherman’s Wharf einsteigen, hier steht man stundenlang Schlange (oder muss schon früh am Morgen da sein). Lieber während eines Stadtspaziergangs einfach irgendwo zusteigen.
Der Stadtspaziergang endet am Union Square – dem zentralen Shoppingviertel San Franciscos. Wer eine größere Einkaufstour vor hat und Markenklamotten kaufen will, kann sich hier ordentlich austoben. Wir sind lieber noch einmal in den Bus gestiegen und ins Mission District gefahren. Hier kann man durch Kunsthandwerk-, Klimbim- und Kuriositätenläden und Wochenmärkte bummeln und merkt einmal mehr, dass San Francisco nicht nur alternativ, sondern auch sehr grün ist. Noch nie habe ich in einer anderen Stadt so viele Bio-Läden, vegetarische und vegane Restaurants und Yoga-Schulen gesehen.

Erkundungen mit dem Auto: Der 49 Miles Scenic Drive

Möchte man San Francisco etwas weiträumiger erkunden, sollte man mit dem Mietwagen den 49 Miles Scenic Drive fahren. Ursprünglich wurde dieser 1939 zur Weltausstellung konzipiert, um die Besucher an den schönsten Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten entlang zu führen. Komischerweise ist aber die Golden Gate Bridge gar nicht in der Originalroute vorgesehen.

Wir haben im Internet eine erweiterte Route gefunden, die nun auch die Golden Gate Bridge integriert: Willys 66 Mile Scenic Drive (Willys Seite zu San Francisco ist übrigens generell eine Empfehlung wert!). Da wir die Stadt aber bereits zu Fuß erkundet hatten, haben wir die Innenstadt übersprungen – was viel entspannter und stressfreier war. Auch diese Alternative ist auf Willys Website erklärt.

Der Scenic Drive ist eine Rundtour, d.h. man kann an einem beliebigen Punkt beginnen, sollte aber immer gegen den Uhrzeigersinn fahren, weil er nur so beschildert ist. Wir starten am Marina District und sehen bald zum ersten Mal die berühmte Brücke, die aber wie so häufig im Nebel liegt. Am Cliffhouse kann man eine Weile den wilden Wellen zuschauen. Die wunderschönen bunten viktorianischen Häuser am Alamo Square, die man hier die „painted ladies“ nennt, sind auf jeden Fall ein Highlight auf dem Scenic Drive. Nicht zum ursprünglichen Scenic Drive gehörend, aber auf jeden Fall sehr sehenswert ist das Viertel Ashbury Haights, mit seinen bunten, alternativen Häusern, Läden und Bars. Wenn man die steilen Straßen bewundern will, die man aus diversen Hollywood-Filmen kennt, sollte man ins Noe Valley zum Ende der 24th Street fahren. Hier kann man kaum auf dem Bürgersteig gehen, so steil ist es. Die berühmten Serpentinen der Lombard Street, durch die wir von gefühlten hundert Touristen begafft am Ende der Tour fahren, sind verglichen mit dem Noe Valley gar nicht so spektakulär.

24th Street San Francisco

24th Street

Golden Gate Bridge

Icon_camera_128Über die Golden Gate Bridge sollte man am besten nachmittags oder am frühen Abend fahren, denn dann hat man die größten Chancen, sie ohne Nebel sehen zu können. Außerdem hat man dann die Sonne im Rücken und erhält die besten Fotos mit der Brücke im Vorder- und der Stadt im Hintergrund. Und nicht allzu enttäuscht sein, wenn es trotzdem neblig ist – wir haben ein paar beeindruckende Fotos gesehen, auf denen nur der obere Teil der Brücke zu sehen ist, wie er sich aus dem Nebel erhebt.

„Das sind die Momente, wo mir einfach so ein paar Tränchen in die Augen steigen, weil es so schön ist! Könnte ich besondere Urlaubsmomente konservieren, wie Marmelade im Weck-Glas, dies wäre so einer!“

Golden Gate Bridge im Nebel
Golden Gate Bridge im Nebel

Wir hatten richtig Glück: Über die Golden Gate Bridge fahren, die erste Ausfahrt nehmen und in die Conzelman Road einbiegen, die Straße führt in die Marin Headlands, eine hügelige Landschaft mit mehreren Parkgelegenheiten (Achtung! Auf Wertgegenstände achtgeben!). Von dort aus hat man einen wunderschönen Blick und in unserem Fall auch eine klare Sicht auf die Golden Gate Bridge (schau auf die Karte oben, um es dir besser vorstellen zu können). Ein Spektakel sind auch die aufgetakelten Brautleute und Paare, die dort gern vor der Brücke für’s Foto posen. In feiner Abendgarderobe und vor Kälte bibbernd.

Ja, hier ist es häufig sehr windig, aber mit langer Hose, Jeansjacke und Schal kann man es hier eine Weile aushalten und diesen wirklich atemberaubenden Ausblick auf die Golden Gate Bridge im Abendsonnenschein genießen. Das sind die Momente, wo mir einfach so ein paar Tränchen in die Augen steigen, weil es so schön ist! Könnte ich besondere Urlaubsmomente konservieren, wie Marmelade im Weck-Glas, dies wäre so einer!

Golden Gate Bridge von den Marine Headlands aus

Wo es ein Stück Wildnis inmitten des Massentourismus gibt

Schluss mit Sentimentalitäten – am Fisherman’s Wharf ist es richtig touristisch – das Hafenviertel gehört zu den Haupttouristenattraktionen, von hier starten die Fähren nach Alcatraz; auch das Wachsfigurenkabinett sowie weitere Museen und Kuriositäten-Ausstellungen sind hier angesiedelt. Am Pier 39 gibt es Gift-Shops, Fahrgeschäfte und großen Rummel – eigentlich nichts für uns. Fisherman’s Wharf ist in unseren Augen auch nur unwesentlich besser als Strandpromenaden im Süden von Teneriffa. Doch eine Sache fasziniert uns trotzdem: Dass sich ausgerechnet hier wilde Seelöwen in großer Zahl auf den Holzpontons von Pier 39 angesiedelt haben! Sie liegen dick und fett aneinander gekuschelt – ja, sich regelrecht belagernd – in der Sonne, schlafen und lassen sich dabei von mindestens ebenso vielen Touristen fotografieren, was schon wieder einzigartig ist. Auch wenn uns Fisherman’s im Großen und Ganzen nicht umgehauen hat, der Spaziergang hierher durch die Sonne lohnt sich auf jeden Fall.

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Fazit

San Francisco zeigte sich uns weltoffen, umweltbewusst, grün, alternativ, sportlich, etwas schräg und sehr freundlich!

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