Wie du die Everglades als Abenteuer erleben kannst

von | 10.02.2016 | 11 Kommentare

Wer würde bei Florida als Reiseziel nicht an endlose Strände, Städte wie Miami und Fort Lauderdale, die wie an einer Perlenschnur aneinander gereihten Inseln der Florida Keys und die Vergnügungsparks bei Orlando denken. Für Naturliebhaber gibt es allerdings einen weiteren guten Grund, Florida zu besuchen: Die weite Sumpflandschaft der Everglades mit ihrer reichen Flora und Fauna!

Doch einen der vielfach angebotenen Touristen-Ausflüge mit dem Airboat möchte ich hier nicht empfehlen – zumal diese Touren nicht im Nationalpark durchgeführt werden dürfen. Ich will von einer Mischung aus eigener Entdeckungsfahrt und einer geführten Tour berichten, die ich mit meinem Bruder unternahm und dir zur Inspiration ans Herz legen kann.

Loop Road

Loop Road

Fruit Stand "Robert is here"

Fruit Stand „Robert is here“

Florida Bay

Florida Bay

Everglades Park Road

Everglades Park Road

Bei den Everglades handelt es sich um ein riesiges Sumpfgebiet, das je nach Jahreszeit und Niederschlagsmenge manchmal fast vollständig unter Wasser steht, manchmal auch fast trocken ist. Der südliche Teil wurde durch den Everglades National Park unter Schutz gestellt.

Bei allen Ausflügen immer sowohl an Mücken- als auch Sonnenschutz denken! Mückenspray (Mosquito Repellent) am besten vor Ort kaufen.

Die Loop Road als Einstieg in die Wildnis

Icon_Road_256Meine Recherche im Vorfeld der Reise hat mich auf eine kleine Nebenstrecke aufmerksam gemacht, die Loop Road genannt wird. Sie zweigt vom Tamiami Highway 41 ab, der Miami und Naples miteinander verbindet und ist sozusagen eine 24 Meilen (38 km) lange alternative Route, die jedoch nur sehr langsam befahren werden kann. Über die Hälfte der Strecke ist nicht asphaltiert (Schotterpiste), wobei wir noch nicht einmal einen SUV hatten und dennoch problemlos fahren konnten. In der Regenzeit solltest du dich jedoch vorher informieren.

Erste Alligatoren

Der Anfang der Loop Road (von Osten kommend) wirkt noch nicht sonderlich spektakulär, die Straße ist geteert und führt schnurgerade durch die Everglades (nördlich des Nationalparks). Ein erster Stopp an einem Weiher sorgt jedoch bereits für Begeisterung, denn da schwimmt mal gleich ein mittelgroßer Alligator! Wir sind in einem Stückchen Wildnis angekommen…

Im weiteren Verlauf wird die Straße schmaler und der Belag geht irgendwann in Schotter über. Wir halten immer mal wieder an und können sogar in den Gräben links und rechts viele Alligatoren beobachten. Wer nur auf dem Highway unterwegs ist, nicht aussteigt und sich beklagt, keine „Gators“ gesehen zu haben, ist selbst Schuld, denken wir uns…

Bald sind wir so gut wie alleine unterwegs, nur sehr selten kommt ein Fahrzeug entgegen. Inzwischen können wir kaum schneller als 20-30 km/h fahren und bewundern die Sumpfzypressen, die jetzt Ende April meist im Trockenen stehen. Es herrscht noch Trockenzeit und man merkt, wie die Tiere und Pflanzen die ersten größeren Regenfälle herbeisehnen. Für uns ist die Regenarmut aber eine gute Sache, auch weil sich die Tiere dann mehr an den Gräben und Weihern konzentrieren.

Trails zum Wandern

Icon HikingVon der Loop Road gehen auch einige schöne Trails ab, die zum Wandern einladen. Etwas Vorsicht sollte man natürlich walten lassen, da es neben den zahlreichen Alligatoren auch Schlangen und Pumas gibt, die allerdings allesamt kein Interesse an Menschen als Nahrungsquelle haben. Bei den Pumas handelt es sich um eine sehr seltene Unterart, die in Florida „Panther“ genannt wird. Es sind äußerst scheue Tiere und wer überhaupt einen zu Gesicht bekommt, kann sich mehr als glücklich schätzen!

Wir laufen den kurzen „Tree Snail Hammock Trail“ dennoch mit einem leicht mulmigen Gefühl – auch wenn das irrational ist. Der Trail führt an Bäumen vorbei, an deren Ästen und Stämmen wir seltene Baumschnecken finden, die wirklich schöne Gehäuse haben.

Eine Straßenblockade?

Von einem „Road Closed“-Schild lassen wir uns nicht abschrecken und sind im Nachhinein auch sicher, dass es bei der letzten Regenflut einfach „vergessen“ wurde. Doch nun sehen wir in der Ferne etwas Dunkles auf der Straße, das wie eine Sperre aus Baumstämmen aussieht – müssen wir wirklich noch Kehrt machen? Nein, zum Glück nicht, beim Näherkommen entpuppt sich die Sperre als eine Armada aus schwarzen Geiern, die sich – als ob es nicht warm genug wäre – dort sonnen. Krasse Sache! Sie machen etwas widerwillig den Weg frei, als wir langsam näher kommen.

Kurz bevor die Loop Road wieder in den Highway mündet, sehen wir noch einen Waschbär (weitere Tiere, die man in den Everglades sehen kann: Artikel bei ferntastisch).

Unser Auto ist von einer dicken Staubschicht überzogen und wir sind froh, uns für diesen Abstecher entschieden zu haben!

Mit Garl durch den Everglades National Park

Über eine Stichstraße, die Main Park Road, kann jeder in den Everglades Nationalpark fahren und auf einigen Boardwalks die Natur erkunden. Wir wollten jedoch mehr in den Everglades erleben und so haben wir eine geführte Tour gebucht, die genau dies verspricht: Tiere und Pflanzen auch abseits von Wegen, ein kleines Abenteuer zusammen mit einem erfahrenen Guide: Garl’s Coastal Kayaking!

Und um es vorweg zu nehmen: Wir wurden nicht enttäuscht, die kommenden ca. 10 Stunden mit Garl waren ein absolutes Highlight unseres Urlaubs!

Auf Schusters Rappen zu den Hammocks

Fruit Stand Robert is here, FloridaAm Treffpunkt, dem Fruit Stand „Robert is here“ (siehe Tipp unten), versorgen wir uns mit Obst und Saft, bevor wir auf Garl und die anderen Teilnehmer treffen (wir sind eine kleine Gruppe mit 6 Personen). Garl ist ein sehr sympathischer Naturbursche, er bewegt sich einfach barfuß durch die Everglades, was sich aufgrund des unwegsamen Geländes und der möglichen Schlangen niemand sonst traut. Wir werden in einem Kleinbus inkl. Anhänger für die Kayaks untergebracht (unser Auto bleibt stehen) und fahren in den Park hinein.

Unser erster Stopp liegt mitten im „Nowhere“ und wir fragen uns, warum wir überhaupt anhalten. Hier ist doch nichts! Garl zeigt uns jedoch einen Graben, der die Straße untertunnelt und die Heimat von etlichen niedlichen Baby-Alligatoren ist! Er kennt die Everglades und auch solche Stellen wie seine Westentasche, ist fast täglich draußen unterwegs – alleine wären wir nie auf die Idee gekommen, hier zu halten.

Baby-Alligatoren
Baby-Alligatoren

Garl führt uns außerdem zu mehreren Hammocks, das sind „Vegetationsinseln“ inmitten des Sumpfes, die geringfügig höher liegen und das Wachsen von Bäumen zulassen. In diesen Hammocks gibt es schlammige Alligatorlöcher, endemische Pflanzen (darunter schöne Orchideen), Frösche und viele weitere Tiere und Pflanzen. Wir entdecken auch eine Schlange, die ich unbedingt fotografieren will – bis Garl meint, ich solle nicht näher heran, da sie sehr giftig sei. Er witzelt noch herum, dass in Miami das Gegengift vorhanden sei und man durch einen Biss einen kostenlosen Helikopterflug ins rettende Krankenhaus bekommen könne… Darauf wollen wir es natürlich nicht ankommen lassen und Garl gibt zu Protokoll, dass es auf seinen Touren noch nie einen ernsthaften Zwischenfall gegeben habe.

Giftschlange

Mit dem Kayak durch Alligator- und Delphingebiet

Es hat natürlich seinen Grund, dass wir einen Anhänger mit Kayaks dabei haben, die im Tagesverlauf mehrfach zum Einsatz kommen. Nach einer Pause an einem See, wo wir genüsslich den beim Fruit Stand eingekauften Proviant verspeisen und Rosa Löffler beobachten, die aus der Ferne Flamingos ähneln, geht es ins Wasser. Nach einer kurzen Einweisung lernen wir schnell das Paddeln und Manövrieren und gleiten über einen See. Garl erklärt immer wieder viele Dinge und zeigt uns besondere Stellen. Es ist ein sonderbares Gefühl, als Alligatoren direkt neben uns auftauchen und wir Aug in Aug schwimmen – laut Garl werden sie Menschen nicht angreifen, außer ihre Jungen sind in Gefahr – Alligatoren sind die besten Mütter!

Rosa Löffler

Rosa Löffler

Gegen Abend kommen wir an der Küste an und lassen auch hier unsere Kayaks ins Wasser. Eine besondere Attraktion ist eine Seekuh, die sich in nächster Nähe direkt am Bootsteg aufhält! Was für ein friedfertiges Tier.

Seekuh

Seekuh

Wir paddeln nun im offenen Meer, das hier, zwischen dem Festland und den Keys, jedoch nur 2-5 Meter flach und dicht mit Wasserpflanzen bewachsen ist. Eine vorgelagerte Insel wird laut Garl von einem Weißkopfseeadler-Pärchen bewohnt und tatsächlich, plötzlich fliegt ein Adler über unsere Köpfe! Wir sehen außerdem Delphine und einen Hai. Garl erzählt, dass es hier auch noch die inzwischen selten gewordenen Salzwasserkrokodile gibt, an diesem Tag lässt sich jedoch keines blicken.

Den Sonnenuntergang erleben wir in den Kayaks sitzend, mit einem Glas Wein auf dem Wasser, es herrscht eine wohltuende, friedliche Stimmung, an die ich mich gerne erinnere.

Sonnenuntergang

Funkelnde Augen in der Dunkelheit der Nacht

Inzwischen ist die Nacht hereingebrochen und wir sind auf dem Rückweg zum Parkausgang. Es gibt jedoch noch einen Zwischenstopp an einem Boardwalk, den wir für eine kurze, spannende Nachtwanderung nutzen wollen.

Alle Teilnehmer werden mit einer Taschenlampe versorgt und dann geht es los. Links und rechts ist es total dunkel und wir gehen auf dem Weg entlang, als Garl uns zu verstehen gibt, anzuhalten. Er leuchtet direkt neben den Weg, wo zu unserem Erstaunen ein großer Alligator liegt! Wir sind gerade an ihm vorbei gegangen und haben ihn nicht bemerkt. Erst als wir ins Wasser leuchten, bemerken wir die vielen reflektierenden Lichter – wow, alles die Augen von dort schwimmenden Alligatoren!

Alligator am Wegesrand

Alligator am Wegesrand

Entlang des Weges zeigt uns Garl noch Kröten und Frösche, einen riesigen Nachtfalter und anderes Interessantes. Wieder zurück am Parkplatz geht ein spannender und ereignisreicher Tag zu Ende.

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Fazit

Neben dem Stadt- und Strandleben Floridas bietet die Natur der Everglades viel Abwechslung und kleine Abenteuer. Die Tour mit Garl ist unbedingt zu empfehlen, du wirst es nicht bereuen, versprochen!

fernweh-logo-gruen-150Tipps

 

Everglades-Tour

Die beschriebene Everglades-Tour mit Garl war wirklich einmalig! Wenn du die ca. 150 $ Teilnahmegebühr irgendwie erübrigen kannst und keine Schlangenphobie hast, solltest du dir dieses Erlebnis nicht entgehen lassen. Für uns hat sich jeder Cent gelohnt.

Fruit Stand

Robert is here“ heißt der bekannte Fruit und Farm Stand, an dem du dich mit Obst (u.a. delikate Mangos), frischen Säften (bester Orangensaft) und anderen Leckereien eindecken kannst. Auch ohne Garl’s Tour unbedingt einen Stopp wert, z.B. auf dem Weg zu und von den Florida Keys!

Reiseführer

In Amerika vertraue ich gerne den Reiseführern des Reise-Know-How-Verlags, so auch hier: Florida mit Atlanta, Charleston, New Orleans.

Das Buch enthält viele Tourenvorschläge und wertende Einschätzungen der Autoren – manche mögen das nicht, ich halte es für einen Vorteil.

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